kreuzigen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungkreu-zi-gen (computergeneriert)
formal verwandt mitKreuz
Wortbildung mit ›kreuzigen‹ als Erstglied: ↗Kreuzigung
eWDG, 1969

Bedeutung

siehe auch Gekreuzigte
historisch jmdn. ans Kreuz schlagen
Beispiel:
Christus wurde gekreuzigt
bildlich jmdn. schwer bestrafen
Beispiele:
Krischan Klammbüdel, soeben noch bereit, sich kreuzigen zu lassen, hob den Kopf [WelkHeiden328]
Oder sei es etwa nicht darum gegangen, den Schuldigen zu kreuzigen? [Ch. WolfGeteilter Himmel93]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kreuz · Kreuzgang · Kreuzfahrer · Kreuzritter · kreuzdonnerwetter · kreuzweise · Kreuzspinne · Kreuzotter · kreuzlahm · Kreuzfeuer · kreuzigen · Kreuzigung
Kreuz n. ‘aus zwei sich rechtwinklig oder schräg schneidenden Balken oder Linien bestehendes Gebilde’. Lat. crux (Genitiv crucis) ‘Balken (mit Querholz), Marterpfahl (als Hinrichtungsgerät, an den Verbrecher geschlagen werden)’, übertragen ‘Marter, Qual’ wird im Zuge der Christianisierung der Germanen aus der lat. Kirchensprache zunächst als Bezeichnung für das ‘Kreuz Christi’ entlehnt in ahd. krūzi (8. Jh.), mhd. kriuz(e), asächs. krūci, krūzi, mnd. krǖze, mnl. crūce, nl. kruis, aengl. crūc, mengl. crouch. Der Ausdruck löst die im Germ. dafür übliche ältere, unter ↗Galgen (s. d.) dargestellte Bezeichnung ab. Bald wird in Anlehnung an die lat. Vorlage und im Hinblick auf das Leiden Christi der Verwendungsbereich erweitert zu ‘Mühsal, Not’ und zu ‘Zeichen des Kreuzes’ sowie ‘Kruzifix’ (mhd.), danach (an das Symbol des Christentums anknüpfend) ‘Ordenskreuz’ (15. Jh.), ferner ‘unterer Teil des Rückgrates’ (17. Jh., vgl. Kreuzbein) und (hinsichtlich der figürlichen bzw. graphischen Darstellung) ‘Notenzeichen’ (wohl 18. Jh.), ‘Spielkartenfarbe’ (19. Jh.). Dazu Wendungen wie zu Kreuze kriechen ‘sich demütigen, unterwerfen’, eigentlich zum Kreuz (‘Altarkreuz, Kruzifix’) kriechen (16. Jh.) als Teil der Kirchenbuße, besonders am Karfreitag; sein Kreuz auf sich nehmen, mhd. daʒ kriuze nemen ‘sich in sein Schicksal fügen’; sein Kreuz (‘Schicksal’) tragen, vgl. wer nicht tregt seyn kreutz vnnd folgt myr nach, der kan nit meyn iunger seyn (Luk. 14, 27, Luther), mhd. du solt dīn kriuze hān enbor (nach Mark. 8, 34). Kreuzgang m. ‘zu einem Klosterhof hin offener Bogengang’, mhd. kriuz(e)ganc, eigentlich ‘Bittgang, Umgang mit dem Kreuz, Prozession’, dann auch auf die mit bildlichen Darstellungen der Kreuzstationen Christi versehenen Säulengänge der Klöster und Kirchen übertragen. Kreuzfahrer m. Kreuzritter m. (18. Jh.) ‘Teilnehmer an einem Feldzug (mhd. kriuzevart, nhd. Kreuzzug, 18. Jh.) zur Eroberung Palästinas, des (als Wirkungsstätte Christi) heiligen Landes, und des Grabes Christi’. Aus Fluchwörtern wie kreuzdonnerwetter u. dgl. entwickeln sich das Grundwort verstärkende Bildungen wie kreuzgut (16. Jh.), kreuzbrav (18. Jh.), kreuzfidel (19. Jh.). kreuzweise Adv. ‘in Form eines Kreuzes’, mhd. kriuzewīse. Kreuzspinne f. Spinne mit hellem Kreuz auf dem Hinterleib (17. Jh.). Kreuzotter f. Giftschlange mit dunkler, kreuzähnlich verschlungener Rückenzeichnung (19. Jh.). kreuzlahm Adj. ‘an freier Bewegung durch Schmerzen am unteren Rückgrat gehindert, hüftlahm, erschöpft’ (18. Jh.). Kreuzfeuer n. ‘Beschuß von mehreren Seiten’ (19. Jh.). kreuzigen Vb. ‘ans Kreuz schlagen’, ahd. krūzigōn (um 1000), mhd. kriuzigen, auch ‘peinigen, plagen’, nach lat. cruciāre ‘kreuzigen, martern’; dazu Kreuzigung f. ahd. krūzigunga (11. Jh.), mhd. kriuzigunge.

Thesaurus

Synonymgruppe
ans Kreuz schlagen · kreuzigen
Oberbegriffe
  • (das) Todesurteil vollstrecken · ↗exekutieren · ↗hinrichten · ↗liquidieren · ↗richten
  • (jemandem) (den) Lebensfaden abschneiden · ↗auslöschen · ↗ermorden · ins Jenseits befördern · ↗killen · ↗meucheln · tot... · ↗umbringen · ums Leben bringen · zum Schweigen bringen · zur Strecke bringen  ●  (jemandem) das Lebenslicht auslöschen  fig., variabel · ↗töten (absichtlich)  Hauptform · (jemandem) den Garaus machen  ugs. · ↗abmurksen  ugs. · ↗abservieren  ugs., salopp · ↗ausknipsen  ugs., fig., salopp · ↗entleiben  geh. · in die ewigen Jagdgründe schicken  ugs. · ins Gras beißen lassen  ugs., fig. · ins Nirwana befördern  ugs. · ↗kaltmachen  ugs. · ↗totmachen  ugs. · um die Ecke bringen  ugs. · ↗umlegen  ugs. · vom Leben zum Tode befördern  geh. · über die Klinge springen lassen  ugs., fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Heiland Hügel Jesus Christus Jude Karfreitag Römer auferstehen begraben töten verbrennen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›kreuzigen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber zu Hause kreuzigten sie mich, wenn ich das kochen würde.
Die Zeit, 09.03.2000, Nr. 11
Wenn ich noch ein paar Filme in den Sand setze, wird mich die Presse mit Freuden kreuzigen.
Süddeutsche Zeitung, 07.07.1999
Nach der koranischen Darstellung gelang es den Juden nicht, Jesus zu kreuzigen.
Hagemann, Ludwig: Jesus Christus. In: Lexikon des Islam, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1991], S. 719
Oder sei es etwa nicht darum gegangen, den Schuldigen zu kreuzigen?
Wolf, Christa: Der geteilte Himmel, Halle (Saale): Mitteldeutscher Verl. 1963, S. 86
Und schließlich waren es doch die Juden, die unseren Heiland gekreuzigt hatten.
Alexander Granach, Da geht ein Mensch: Leck: btb Verlag 2007, S. 41
Zitationshilfe
„kreuzigen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/kreuzigen>, abgerufen am 16.12.2019.

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