kriechen

GrammatikVerb · kroch, ist/hat gekrochen
Aussprache
Worttrennungkrie-chen (computergeneriert)
Wortbildung mit ›kriechen‹ als Erstglied: ↗Kriechband · ↗Kriecherei · ↗Kriechgewächs · ↗Kriechspur · ↗Kriechtier
 ·  mit ›kriechen‹ als Letztglied: ↗ankriechen · ↗auskriechen · ↗dahinkriechen · ↗durchkriechen · ↗emporkriechen · ↗entlangkriechen · ↗herankriechen · ↗heraufkriechen · ↗herauskriechen · ↗hereinkriechen · ↗herumkriechen · ↗hinaufkriechen · ↗hindurchkriechen · ↗hineinkriechen · ↗hochkriechen · ↗unterkriechen · ↗zusammenkriechen
 ·  mit ›kriechen‹ als Grundform: ↗bekriechen · ↗kreucht · ↗verkriechen
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
mit Hilfsverb ›ist‹
sich dicht am Boden schleichend fortbewegen
Beispiele:
die Schlange, Blindschleiche kroch durch das Laub
die Schnecke kriecht über den Weg
der Hund ist in seine Hütte gekrochen
die Kücken sind gerade aus dem Ei gekrochen
auf allen vieren kroch der Junge durch das Loch in der Mauer
geduckt kriechen die Soldaten durch das Gras
das Kind kroch vor Angst unter das Bett
umgangssprachlich er kroch (= stieg) zu ihr ins Bett
umgangssprachlich Der Major freute sich, daß der Alte aus seinem Bau gekrochen kam [UhseBertram30]
bildlich
Beispiele:
das Auto kroch (= fuhr langsam) um die Ecke
Die Kälte in der Zelle kroch fröstelnd über die Haut [ApitzNackt339]
die Schatten des Abends krochen durch den Wald [H. W. RichterSpuren41]
übertragen
Beispiele:
umgangssprachlich er kriecht nicht zu Kreuze (= unterwirft sich nicht)
salopp jmdm. auf den Leim kriechen (= auf jmdn. hereinfallen)
vulgär, abwertend seinem Vorgesetzten in den Arsch kriechen (= ihm schmeicheln, vor ihm liebedienern)
kreucht (Präsens)
altertümelnd was da kreucht und fleuchtalles, was kriecht und fliegt
Beispiel:
Besatzungssoldaten ... schießen mit Pistolen und Gewehren auf alles, was zwischen Bäumen und Sträuchern kreucht und fleucht [Tageszeitung1953]
2.
mit Hilfsverb ›ist‹, mit Hilfsverb ›hat‹
abwertend vor jmdm. kriechensich vor dem Vorgesetzten unterwürfig verhalten
Beispiele:
er kroch nicht vor seinem Direktor
kriechende Höflinge
Höflinge, die nach ihrem Wunsch und Willen krochen [ZuchardtNarr70]
Seine Höflichkeit dem Offizier gegenüber ist zu höflich, sie kriecht [FlakeLogbuch164]
Das Betragen des Hirten war von kriechender Unterwürfigkeit [G. Hauptm.Ketzer4,103]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

kriechen · Kriecher · Kriecherei · kriecherisch · Kriechtiere · krauchen · kreuchen
kriechen Vb. ‘sich dicht am Boden fortbewegen’, übertragen ‘sich sehr langsam fortbewegen’, ahd. kriohhan (8./9. Jh.), mhd. kriechen führt mit ablautendem ↗krauchen und verwandtem ↗Krücke (s. d.) auf ie. *greug-, *grūg-, eine Erweiterung der verbreiteten Wurzel ie. *ger- ‘drehen, winden’ (wozu auch ↗Kringel, ↗Krippe, ↗Kraft, ↗Krume, ↗krumm, s. d.). Einer zur gleichen Wurzel gebildeten, aber auf Labial ausgehenden Erweiterung ie. *greub-, *grūb- folgen die (im Nhd. nicht vertretenen) Verben mhd. (md.) krūfen, mnd. krūpen, mnl. crūpen, nl. kruipen sowie aengl. crēopan, engl. to creep, anord. krjūpa ‘kriechen’ (wozu auch ↗Kropf und ↗Krüppel, s. d.). Übertragener Gebrauch von kriechen im Sinne von ‘unterwürfig schmeicheln’ entwickelt sich im 18. Jh. Dazu Kriecher m. ‘unterwürfiger Schmeichler’, Kriecherei f. ‘unterwürfiges Benehmen’, kriecherisch Adj. ‘unterwürfig-schmeichlerisch’ (18. Jh.). Kriechtiere Plur. in dt. zoolog. Fachsprache für Reptilien (19. Jh.). Eine ablautende omd. Variante zu kriechen ist krauchen Vb. ‘sich kriechend fortbewegen’ (16. Jh.), älteres md. krūchen voraussetzend. Die Wendung was kreucht und fleucht folgt einer Nebenform kreuchen, mhd. kröuchen, die, da schwach flektierend, von einem Kausativum zu krauchen beeinflußt sein dürfte.

Thesaurus

Synonymgruppe
gleiten · ↗krabbeln · kriechen · ↗robben  ●  (die) tiefste Gangart  ugs., Jargon, militärisch, sarkastisch · (sich) auf allen Vieren (bewegen)  ugs. · ↗krauchen  ugs.
Oberbegriffe
Synonymgruppe
kratzfüßeln · kriechen (vor) · ↗liebedienern  ●  (jemandem) die Stiefel lecken  ugs., fig. · (sich) einschleimen (bei)  ugs. · Kratzfüße machen  ugs. · ↗antichambrieren  geh., veraltet · arschkriechen  vulg. · ↗katzbuckeln  ugs. · speichellecken  derb
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) dahinschleppen · (sich) mit schleppendem Gang fortbewegen · ↗(sich) schleppen · schleppend gehen · ↗schlurfen · schlurfend gehen · ↗trotten  ●  kriechen  fig. · ↗latschen  ugs. · ↗schlappen  ugs. · ↗trödeln  ugs. · ↗zockeln  ugs. · ↗zuckeln  ugs.
Oberbegriffe
  • einen Fuß vor den anderen setzen · ↗gehen · ↗laufen  ●  zu Fuß gehen  Hauptform · ↗latschen  ugs., salopp · zu Fuß laufen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
im Kriechtempo · kriechen · langsam vorankommen · ↗schleichen  ●  langsam fahren  Hauptform
Assoziationen
  • (sehr) verzögert · im Schleichtempo · im Schritttempo · im Zeitlupentempo · in Zeitlupe · kriechend · quälend langsam · ↗schleichend · ↗schleppend · sehr langsam  ●  (kommt) langsam wie beim Ochsen die Milch  ugs., scherzhaft · im Schneckentempo  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bett Höhle Kreuz Kälte Leim Ritze Schlafsack Vieren Wurm Zahnfleisch dahinkriechen durchkriechen emporkriechen entlangkriechen herankriechen heraufkriechen herauskriechen herumkriechen hervorkriechen hinaufkriechen hindurchkriechen hineinkriechen hinkriechen hochkriechen umherkriechen unterkriechen weiterkriechen zukriechen zurückkriechen zusammenkriechen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›kriechen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Mit einer Leiter wagt er sich auf das Eis, kriecht an die Mädchen heran.
Bild, 06.01.2006
Nachdem es den Deckel des Eis aufgeschlagen hat, ist es erschöpft ins Freie gekrochen.
Der Tagesspiegel, 25.01.1999
Am nächsten Morgen kroch ich zu meiner Mutter ins Bett.
Kempowski, Walter: Tadellöser & Wolff, München: Hanser 1971 [1971], S. 175
Bis in den hintersten Winkel kroch ich, über alles Heu hinüber.
Ganghofer, Ludwig: Lebenslauf eines Optimisten. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 18339
Auf einem schiefen Brett kriecht sie nach der Richtung der steilsten Linie aufwärts.
Mach, Ernst: Erkenntnis und Irrtum. In: Philosophie von Platon bis Nietzsche, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1905], S. 9630
Zitationshilfe
„kriechen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/kriechen>, abgerufen am 17.02.2019.

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