kritisieren

Grammatik Verb · kritisiert, kritisierte, hat kritisiert
Aussprache 
Worttrennung kri-ti-sie-ren
Wortzerlegung Kritik -isieren
Wortbildung  mit ›kritisieren‹ als Erstglied: kritikabel · kritisierbar  ·  mit ›kritisieren‹ als Letztglied: herumkritisieren
eWDG

Bedeutung

jmdn., etw. tadeln, an jmdm., etw. negative Kritik üben
Beispiele:
er war wegen mangelnder Arkeitsdisziplin kritisiert worden
er wagte nicht, seinen Vorgesetzten zu kritisieren
auf der Belegschaftsversammlung wurde der Werkleiter scharf, hart kritisiert
sie kritisierten (= bemängelten) die zögernde Durchführung der neuen Maßnahmen
man kritisierte den Plan, die mangelnde Planerfüllung
daß man ihn und Deutschland ewig kritisierte, schurigelte, herabsetzte [ MoloEin Deutscher200]
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

kritisch · Kritik · Kritiker · kritisieren · Kriterium
kritisch Adj. ‘entscheidend, bedrohlich, gefährlich’. Spätlat. diēs criticī bezeichnet in der Sprache der Ärzte ‘die entscheidenden Tage (im Ablauf einer Krankheit)’ als Nachbildung von gleichbed. griech. hēmérai kritiká͞i (ἡμέραι κριτικαί); vgl. spätlat. criticus, griech. kritikós (κριτικός) ‘entscheidend, zur Entscheidung gehörig’, zu griech. krī́nein (s. Krise). Die lat. Fügung wird zu Anfang des 16. Jhs. in dt. medizinische Texte aufgenommen und daraus (2. Hälfte 17. Jh.) das Adjektiv kritisch im Sinne von ‘entscheidend’ in bezug auf einen Zeitpunkt oder Zeitabschnitt entlehnt, das dann (Ende 18. Jh.) in ‘bedrohlich, gefährlich’ in bezug auf eine Situation oder Lage übergeht. In der im 17. Jh. aufkommenden Bedeutung ‘wertend, prüfend, streng feststellend’ im Sinne philologischer Textüberprüfung, dann (18. Jh.) zur Charakterisierung wissenschaftlicher Arbeiten (vgl. Critische Dichtkunst, Critische Beyträge) und schließlich allgemein für ‘genau, streng beurteilend’ knüpft kritisch unmittelbar an griech. kritikós ‘entscheidend, zur Entscheidung gehörig, zum (Be)urteilen gehörig’, substantiviert ‘Beurteiler der Sprache und der Schriftwerke, Kunstrichter’ an. Kritik f. ‘Beurteilung, Bewertung, Besprechung’, auch ‘Beanstandung’, Übernahme (Critique, Ende 17. Jh., dann Critic, Critik, 18. Jh.) von frz. critique als Ausdruck des (zuerst in Frankreich beginnenden) ästhetischen Kunstrichtertums. Dem frz. Ausdruck liegt griech. kritikḗ (téchnē) (κριτικὴ τέχνη) ‘Beurteilungskunst’, also das substantivierte Femininum von griech. kritikós (s. oben) zugrunde. Redensartlich unter aller Kritik ‘sehr schlecht’ (zuerst in der Journalistik, 2. Hälfte 18. Jh.). Kritiker m. ‘wer Kritik übt, Beurteiler, Kunstrichter’ (18. Jh.), älteres (heute nur noch geringschätzig gebrauchtes) Criticus (17. Jh.) ablösend, lat. criticus, griech. kritikós ‘Kunstrichter’ (s. oben). kritisieren Vb. ‘beurteilen, beanstanden’ (17. Jh.). Kriterium n. ‘unterscheidendes und entscheidendes Merkmal’ (17. Jh.), latinisierte Übernahme von griech. kritḗrion (κριτήριον) ‘entscheidendes Kennzeichen, Merkmal’.

Thesaurus

Synonymgruppe
bemängeln · kritisch betrachten · kritisieren · tadeln  ●  (etwas/jemanden) aufs Korn nehmen  ugs. · (jemanden) zusammenfalten  ugs. · auseinandernehmen  ugs. · bekritteln  ugs. · bemäkeln  ugs. · schelten  geh., veraltet
Synonymgruppe
(einer Sache) ablehnend gegenüber stehen · (einer Sache) ablehnend gegenüberstehen · (sich) ablehnend äußern · (sich) stören an · Position beziehen gegen · Stellung beziehen gegen · abrücken von · dagegen sein · gegen etwas sein · kritisieren · missbilligen · mit Verachtung strafen · nein sagen zu · nicht für richtig halten · verurteilen  ●  (sich) wenig aufgeschlossen zeigen (für)  verhüllend · ablehnen  Hauptform · die Zustimmung versagen  variabel · wenig Verständnis haben (für)  variabel · Anstoß nehmen (an)  ugs. · wenig schmeichelhafte Worte finden (zu / über)  geh., verhüllend
Synonymgruppe
(hart) kritisieren · (öffentlich) anprangern · brandmarken · geißeln · richten (archaisierend) · stigmatisieren · verdammen · verurteilen · ächten · öffentlich beschuldigen  ●  (das) Urteil sprechen (über)  fig. · an den Pranger stellen  fig. · ins Gericht gehen (mit)  fig. · unter Beschuss nehmen  fig. · (jemandem) ans Bein pinkeln  ugs., fig. · beredte Klage führen (über)  geh. · den Stab brechen über  ugs., fig.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(konstruktiv) kritisieren · Kritik formulieren · Kritik leisten  ●  einer kritischen Würdigung unterziehen  geh.

Typische Verbindungen zu ›kritisieren‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›kritisieren‹.

Verwendungsbeispiele für ›kritisieren‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wenn ich etwas falsch gemacht habe, hat er mich nicht sehr kritisiert. [Schwarzer, Alice: Der »kleine Unterschied« und seine großen Folgen, Frankfurt a. M.: Fischer-Taschenbuch-Verl. 1977 [1975], S. 105]
Aber hatte er nicht eine ähnliche Haltung auch schon kritisiert? [Rasp, Renate: Ein ungeratener Sohn, Köln: Kiepenheuer & Witsch 1967, S. 30]
In einem letzten Sinn des Wortes sind nicht wir ihre Kritiker, sie kritisiert uns! [Jannasch, W.: Wort Gottes. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 38272]
Seine oft als »sehr frei« kritisierten Bearbeitungen fanden jedoch lange Zeit Verwendung. [Fath, Rolf: Personen - L. In: Reclams Opernlexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1998], S. 9039]
Kim ist wie kein anderer befugt, die undemokratischen Traditionen seines Landes zu kritisieren. [Die Zeit, 23.04.1998, Nr. 18]
Zitationshilfe
„kritisieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/kritisieren>.

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