Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

krude

Grammatik Adjektiv · Komparativ: kruder · Superlativ: am krudesten
Aussprache [ˈkʀuːdə]
Worttrennung kru-de
Wortbildung  mit ›krude‹ als Grundform: Krudheit · Krudität
Herkunft aus crūduslat ‘roh, grob’
ZDL-Vollartikel

Bedeutung

Synonym zu krud
a)
bildungssprachlich ohne Verfeinerung, Nuancierung oder Bearbeitung, im Groben
in gegensätzlicher Bedeutung zu subtil (1)
Kollokationen:
als Adjektivattribut: kruder Naturalismus
Beispiele:
Das bedeutet vor allem, dass die Figuren krude sind, also ungewöhnlich, nicht so glatt gebügelt und weich gekocht. [Neue Osnabrücker Zeitung, 19.07.2013]
Bild und Ton sind also eins. Das Ergebnis ist mal spielerisch, mal krude, krakelig oder gegenständlich, geschwungen oder explosiv. [Saarbrücker Zeitung, 18.12.2021]
Seit der geistig‑moralischen Wende, die der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl anno 1982 propagierte, muss sich Leistung in Deutschland angeblich wieder lohnen. Gerade in der Vorweihnachtszeit kommt B[…] allerdings nicht umhin, zu erkennen, dass diese Floskel nichts, aber rein gar nichts mit der kruden Realität zu tun hat. [Neue Westfälische, 16.12.2021]
Jetzt ist Merkel weg, der Mob aber immer noch da, hasserfüllter und mehr denn je zum Handeln bereit, wie jüngst der krude Fackelaufmarsch vorm Haus der Gesundheitsministerin und die gehegten Mordpläne am Ministerpräsidenten zeigen. [Dresdner Neueste Nachrichten, 11.12.2021]
Das allgemeine Lustprinzip könnte und würde [in einer Überflussgesellschaft] ausbrechen, den einen eben als Saus‑und‑Braus‑Kapitalismus, den anderen als Saus‑und‑Braus‑Kommunismus oder ‑Anarchismus oder wie auch immer. Schon der krude Lebensalltag aller bisherigen Subkulturen straft solche Theorien […] Lügen. [Die Zeit, 25.07.1980]
Durch die allmenschliche Interpretation des Zustands, wie er ist, wird noch in der Anklage die krude materielle Realität hingenommen, die das Menschsein an die Unmenschlichkeit bindet. [Adorno, Theodor W.: Minima Moralia. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1971 [1951], S. 196]
b)
abwertend unausgegoren, verworren, in sich oder in Bezug auf die Realität unstimmig
siehe auch grob (2 a)
Kollokationen:
als Adjektivattribut: krude Verschwörungstheorien, Theorien, Thesen, Weltbilder; eine krude Mischung, Story, Logik; krudes Zeug
mit Adverbialbestimmung: etwas, teils, ziemlich, recht, reichlich krude
Beispiele:
Haben Sie diesen Satz in einem Vortrag der Youtube‑University gehört oder zitieren Sie aus irgendeinem kruden Telegram‑Post? [Frankfurter Rundschau, 10.12.2021]
Sie unterfüttern und flankieren ihre Positionen mit kruden Verschwörungsmythen: ganze Geschichten anfangs, später reichen dann bloße Erzählfetzen, einzelne Begriffe und Codes, die den Assoziationsraum aus Irrsinn und Ressentiment aufrufen, ohne noch irgendwelche Gründe oder Motive für den Furor angeben zu müssen. [Süddeutsche Zeitung, 18.12.2021]
Gerhard Ludwig Müller, früherer Bischof von Regensburg, ist schon öfter mit kruden Äußerungen aufgefallen. Doch jetzt hat der Richter am höchsten Gericht des Vatikans nachgelegt: Er sprach davon, dass eine finanzkräftige Elite hinter den Maßnahmen gegen die Corona‑Pandemie stecke. [Südkurier, 17.12.2021]
Ausgerechnet Nora Fingscheidt, die Regisseurin des meisterhaften Dramas »Systemsprenger«, steht hinter der kruden, mit Rückblenden‑Sequenzen verzettelten Dramaturgie. Von den Qualitäten dieses in langer Vorbereitung erreichten Schauspielerfilms ist hier trotz hervorragender Besetzung nichts zu finden. [Frankfurter Rundschau, 16.12.2021]
Als die Gegenseite behauptete, die Meinungsfreiheit werde eingeschränkt, signalisierte man: »Wir sind gesprächsbereit«. Doch die Diskussionen erwiesen sich als zäh, die Argumente als krude[…]. [Döbelner Allgemeine Zeitung, 15.12.2021]
[…] weite Strecken des Buches[…] sind nichts anderes als die Umsetzung kruder politökonomischer Theorien auf vermeintliches Schulbuchniveau. [Die Zeit, 21.05.1976]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

krud(e) · Krudität
krud(e) Adj. ‘roh, grob, unverdaulich’, übertragen ‘derb, unfein, vulgär’, entlehnt (Ende 18. Jh.) aus lat. crūdus ‘roh, ungekocht, grausam’. Krudität f. ‘unverdauliches Nahrungsmittel, Derbheit’, entlehnt (19. Jh.) aus lat. crūditās (Genitiv crūditātis) ‘Unverdaulichkeit’.

Thesaurus

Synonymgruppe
im Rohzustand · krud · krude · roh · unbearbeitet · unbehandelt · unverarbeitet
Assoziationen
Synonymgruppe
unausgegoren · verquast · wirr  ●  halbgar  fig. · krude  fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›krude‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›krude‹.

Zitationshilfe
„krude“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/krude>.

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