kujonieren

GrammatikVerb · kujonierte, hat kujoniert
Aussprache
Worttrennungku-jo-nie-ren
HerkunftFranzösisch
eWDG, 1969

Bedeutung

salopp, abwertend jmdn. schikanieren, quälen
Beispiele:
er hat jahrelang seine Mitarbeiter kujoniert
immer wieder versuchte er, mich zu kujonieren
sie ließ sich von ihm nicht mehr kujonieren
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

kujonieren · Kujon
kujonieren Vb. ‘quälen, schikanieren, niederträchtig behandeln’, anfangs auch ‘jmdn. einen Schuft schelten’, Übernahme (1. Hälfte 17. Jh.) von frz. coïonner (jünger couyonner) ‘einen Feigling nennen, foppen, verhöhnen’. Das frz. Verb ist abgeleitet von frz. coïon (jünger couyon) ‘Feigling, Dummkopf’, einer Entlehnung von gleichbed. ital. coglione, ursprünglich ‘Hoden’ (wozu entsprechendes ital. coglionare ‘foppen, verhöhnen’), das auf vlat. *cōleo, Genitiv *cōleōnis (spätlat. cūlio ‘Hoden’ und ‘Entmannter’) zurückgeht (zu lat. cōleus, meist im Plur. ‘Hodensack’). Gleichen Ursprungs wie ital. coglione ist afrz. coillon, frz. couillon ‘Hoden’, das seit dem 16. Jh. in den pejorativen Gebrauch des entlehnten frz. coïon eintritt und dieses allmählich zurückdrängt. Auf frz. coïon, couillon beruht das schon vom 16. Jh. an im Dt. vorkommende Schimpfwort Kujon m. ‘Schuft, niederträchtiger, feiger Kerl’.

Thesaurus

Synonymgruppe
intrigieren · ↗mobben · ↗piesacken · ↗schikanieren  ●  aufs Korn nehmen  ugs. · ↗fertigmachen  ugs. · kujonieren  geh. · ↗schurigeln  ugs. · zur Sau machen  derb, fig.
Assoziationen
  • (auf einmal) nicht mehr kennen · (jemandem) keinen Blick gönnen · (jemanden) aggressiv nicht beachten · ↗(jemanden) missachten · ↗(jemanden) nicht (mehr) grüßen · ↗(jemanden) schneiden · (jemanden) wie Luft behandeln · absichtlich übersehen · gezielt nicht beachten · keine Beachtung schenken · keine Notiz nehmen (von) · mit Verachtung strafen · so tun als ob jemand Luft wäre  ●  ↗(jemanden) ignorieren  Hauptform · keines Blickes würdigen  geh. · mit dem Arsch nicht angucken  derb
  • (auf jemanden) eindringen · ↗(jemandem) zusetzen · (jemanden) drängen (zu) · (jemanden) in Bedrängnis bringen · ↗bedrängen · ↗befallen · ↗beknien · ↗drangsalieren · im Nacken sitzen · ↗löchern · ↗traktieren · unter Druck setzen  ●  ↗(in jemanden) dringen  geh., veraltet · (jemandem) auf den Pelz rücken  ugs. · (jemandem) auf die Pelle rücken  ugs. · (jemandem) die Hölle heiß machen  ugs. · ↗belagern  ugs. · bitteln und betteln  ugs. · keine Ruhe geben  ugs. · nicht in Ruhe lassen (mit)  ugs.
  • (jemandem) das Leben sauer machen  ugs. · (jemandem) das Leben schwer machen  ugs. · (jemandem) das Leben zur Hölle machen  ugs.
  • (einen) Scherz machen (über) · (jemandem) ins Gesicht lachen · (sich) auf jemandes Kosten amüsieren · (sich) ein Lachen kaum verkneifen können (angesichts) · (sich) lustig machen (über) · (sich) mokieren (über) · Scherze treiben mit · Witze machen (über) · ↗auslachen · ins Lächerliche ziehen · lächerlich machen · seinen Spaß haben (mit/bei) · ↗spotten (über) · ↗verlachen · ↗witzeln · zum Gespött machen  ●  Späße treiben (mit)  veraltend · ↗verspotten  Hauptform · (jemandem) eine lange Nase drehen  ugs., fig. · (jemandem) eine lange Nase machen  ugs., fig. · (sich) belustigen (über)  geh. · Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.  geh., Sprichwort · durch den Kakao ziehen  ugs., fig. · ↗frotzeln (über)  ugs. · ↗verhohnepiepeln  ugs.
  • Intriganz · intrigantes Verhalten
  • hinausekeln · ↗vergraulen · wegekeln · wegmobben  ●  ↗wegbeißen  fig. · ↗rausekeln  ugs. · rausmobben  ugs.
  • hänseln · ↗necken · ↗plagen · ↗quälen · ↗sticheln · ↗traktieren · zu schaffen machen · ↗zusetzen  ●  zwicken und zwacken  fig. · auf die Schippe nehmen  ugs. · ↗aufziehen  ugs. · ↗piesacken  ugs. · ↗triezen  ugs. · utzen  ugs. · ↗vexieren  geh., veraltet · ↗ärgern  ugs.
  • (jemandem) schaden · ↗(jemanden) schädigen · Leid antun · Leid zufügen · Schaden zufügen  ●  (jemandem) eins auswischen  ugs. · (jemanden) in die Pfanne hauen  ugs.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Glaubt der Minister, schwule Männer würden plötzlich Kinder zeugen, wenn man sie nur hinreichend kujoniert?
Süddeutsche Zeitung, 21.03.2001
Aber statt das lustige Leben wieder einzieht, kujoniert ihn der Manager.
Der Tagesspiegel, 03.10.2004
Er kujoniert sie alle, denn er weiß auf alle etwas. Seinem Blick entgeht nichts.
Tucholsky, Kurt: Quaquaro. In: Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1922]
Katerina tritt heftig dazwischen und warnt die rohen Männer, alle Frauen für schwache Wesen zu halten, die man kujonieren könne.
Fath, Rolf: Werke - L. In: Reclams Opernlexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1998], S. 9317
Hatten ihn die Nationalsozialisten nicht entlassen, kujoniert, 1944 auch noch ins Gefängnis geworfen?
Schwarz, Hans-Peter: Anmerkungen zu Adenauer, München: Deutsche Verlags-Anstalt 2005 [2004], S. 149
Zitationshilfe
„kujonieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/kujonieren>, abgerufen am 23.03.2019.

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