Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

kujonieren

Grammatik Verb · kujoniert, kujonierte, hat kujoniert
Aussprache  [kujoˈniːʀən]
Worttrennung ku-jo-nie-ren
Wortzerlegung Kujon -ieren
Herkunft aus coïonnerfrz (jünger couyonnerfrz) ‘einen Feigling nennen, foppen, verhöhnen’ < coïonfrz (jünger couyonfrz) ‘Feigling, Dummkopf’
eWDG

Bedeutung

salopp, abwertend jmdn. schikanieren, quälen
Beispiele:
er hat jahrelang seine Mitarbeiter kujoniert
immer wieder versuchte er, mich zu kujonieren
sie ließ sich von ihm nicht mehr kujonieren
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

kujonieren · Kujon
kujonieren Vb. ‘quälen, schikanieren, niederträchtig behandeln’, anfangs auch ‘jmdn. einen Schuft schelten’, Übernahme (1. Hälfte 17. Jh.) von frz. coïonner (jünger couyonner) ‘einen Feigling nennen, foppen, verhöhnen’. Das frz. Verb ist abgeleitet von frz. coïon (jünger couyon) ‘Feigling, Dummkopf’, einer Entlehnung von gleichbed. ital. coglione, ursprünglich ‘Hoden’ (wozu entsprechendes ital. coglionare ‘foppen, verhöhnen’), das auf vlat. *cōleo, Genitiv *cōleōnis (spätlat. cūlio ‘Hoden’ und ‘Entmannter’) zurückgeht (zu lat. cōleus, meist im Plur. ‘Hodensack’). Gleichen Ursprungs wie ital. coglione ist afrz. coillon, frz. couillon ‘Hoden’, das seit dem 16. Jh. in den pejorativen Gebrauch des entlehnten frz. coïon eintritt und dieses allmählich zurückdrängt. Auf frz. coïon, couillon beruht das schon vom 16. Jh. an im Dt. vorkommende Schimpfwort Kujon m. ‘Schuft, niederträchtiger, feiger Kerl’.

Thesaurus

Synonymgruppe
mobben · piesacken · triezen  ●  schikanieren  Hauptform · aufs Korn nehmen  ugs. · fertigmachen  ugs. · kujonieren  geh. · schurigeln  ugs. · zur Sau machen  derb, fig.
Assoziationen
  • (auf einmal) nicht mehr kennen · (jemandem) keinen Blick gönnen · (jemanden) aggressiv nicht beachten · (jemanden) missachten · (jemanden) nicht (mehr) grüßen · (jemanden) schneiden · (jemanden) wie Luft behandeln · absichtlich übersehen · gezielt nicht beachten · keine Beachtung schenken · keine Notiz nehmen (von) · mit Verachtung strafen · so tun als ob jemand Luft wäre  ●  (für jemanden) Luft sein  fig. · (jemanden) ignorieren  Hauptform · keines Blickes würdigen  geh. · mit dem Arsch nicht angucken  derb
  • (auf jemanden) eindringen · (jemandem) zusetzen · (jemanden) drängen (zu) · (jemanden) in Bedrängnis bringen · bedrängen · befallen · beknien · drangsalieren · im Nacken sitzen · löchern · traktieren · unter Druck setzen  ●  (in jemanden) dringen  geh., veraltet · (jemandem) auf den Pelz rücken  ugs. · (jemandem) auf die Pelle rücken  ugs. · (jemandem) die Hölle heiß machen  ugs. · belagern  ugs. · bitteln und betteln  ugs. · keine Ruhe geben  ugs. · nicht in Ruhe lassen (mit)  ugs.
  • (Leute) gegeneinander aufbringen · (Leute) gegeneinander aufhetzen · (Leute) gegeneinander ausspielen · intrigieren (gegen) · mobben · seine Fäden spinnen  ●  Ränke schmieden  geh., veraltet

Verwendungsbeispiele für ›kujonieren‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Glaubt der Minister, schwule Männer würden plötzlich Kinder zeugen, wenn man sie nur hinreichend kujoniert? [Süddeutsche Zeitung, 21.03.2001]
Aber statt das lustige Leben wieder einzieht, kujoniert ihn der Manager. [Der Tagesspiegel, 03.10.2004]
Sie können inzwischen ebenso gut schießen und rechnen, ebenso gut regieren und kujonieren wie die Männer. [Die Zeit, 06.04.2006, Nr. 15]
Es kujonierte, malträtierte, unterdrückte das eigene Volk, ließ es aber dabei nicht bewenden. [Die Zeit, 10.10.2007, Nr. 42]
Wenn er gut ist, sieht man darüber hinweg, wenn er seinen Leser arg kujoniert, legt man das Buch aus der Hand. [Der Tagesspiegel, 10.10.1998]
Zitationshilfe
„kujonieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/kujonieren>.

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