Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

kultivieren

Grammatik Verb · kultiviert, kultivierte, hat kultiviert
Aussprache 
Worttrennung kul-ti-vie-ren
Wortbildung  mit ›kultivieren‹ als Erstglied: Kultivierung · kultivierbar  ·  mit ›kultivieren‹ als Letztglied: rekultivieren · vorkultivieren  ·  mit ›kultivieren‹ als Grundform: Kultivator · kultiviert
Herkunft aus cultiverafrz frz ‘bebauen, pflegen, verehren’, auch ‘geistige und seelische Güter pflegen’
eWDG

Bedeutungen

1.
Land urbar machen, bebauen
Beispiele:
den Boden, das Moor, die Heide, Sümpfe kultivieren
die kleinen kultivierten Flächen um die winzigen Dörfer herum [ BöllIrisches Tagebuch82]
Landwirtschaft den Boden mit dem Kultivator bearbeiten
2.
etw. anpflanzen, anbauen
Beispiele:
in dieser Gegend werden Weizen und Zuckerrüben kultiviert
Gemüse und Blumen das ganze Jahr über im Gewächshaus kultivieren
die Römer … kultivierten sie [die Petersilie] bereits in ihren Gärten [ Natur u. Heimat1962]
3.
etw. sorgsam pflegen
Beispiele:
eine Bekanntschaft, die Freundschaft kultivieren
Denn das Menschliche kommt hierzulande immerfort zu kurz … und ich kultiviere es ein bißchen [ A. ZweigEinsetzung24]
etw. auf eine höhere Stufe bringen, verfeinern
Beispiele:
das Benehmen kultivieren
seine Stimme kultivieren (= ausbilden)
Als ich in den lauten, lärmenden Strudel des Festes geriet, war ich … entschlossen, dieses Elend zu kultivieren [ HartungWunderkinder99]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

kultivieren · kultiviert
kultivieren Vb. ‘bebauen, urbar machen, pflegen, verfeinern, veredeln’, entlehnt (2. Hälfte 17. Jh.) aus afrz. frz. cultiver ‘bebauen, pflegen, verehren’, auch (seit der Renaissance) ‘geistige und seelische Güter pflegen’, einer Übernahme von mlat. cultivare ‘bebauen, pflegen, verehren’. Dies stellt (wie lautgesetzlich entwickeltes gleichbed. afrz. coutiver) eine Ableitung von vorauszusetzendem spätlat. *cultīvus dar, das zum Part. Prät. lat. cultum (zu lat. colere, s. Kult) gebildet ist. kultiviert Part.adj. ‘bebaut, nutzbar, gesittet, niveauvoll, hohem ethischem und ästhetischem Anspruch genügend’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
begehbar machen · besiedeln · bevölkern · erschließen (Bauland, Gebiet) · kolonisieren · kultivieren · nutzbar machen · urbar machen · zugänglich machen
Synonymgruppe
ackern · beackern · bearbeiten · bestellen (Boden) · in Kultur nehmen · kultivieren · unter Kultur nehmen
Assoziationen
Synonymgruppe
Assoziationen
Synonymgruppe
anbauen · anpflanzen · kultivieren · ziehen (Pflanzen)
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›kultivieren‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›kultivieren‹.

Verwendungsbeispiele für ›kultivieren‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und ich muß sagen, daß wir es wirklich verstanden, diese Tradition zu kultivieren. [Reventlow, Franziska Gräfin zu: Von Paul zu Pedro. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1912], S. 10969]
Er kultivierte auch den mittleren Roman, die gute Unterhaltung, den Essay. [Neue Rundschau, 1971, Nr. 3, Bd. 82]
Die Träger dieser Kultur scheinen schon sehr früh Mais kultiviert zu haben. [o. A.: Lexikon der Kunst - S. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1994], S. 37920]
Man muss die Fähigkeit kultivieren, bestimmte Verfassungen zu erspüren – dann erzählt man auch gewitzt. [Die Zeit, 05.01.2000, Nr. 2]
Von 7 ha anbaufähigen Landes sind bisher jeweils 6 nicht kultiviert. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1962]]
Zitationshilfe
„kultivieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/kultivieren>.

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