Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

kulturell

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung kul-tu-rell
Wortzerlegung Kultur -ell
Wortbildung  mit ›kulturell‹ als Letztglied: bikulturell · fremdkulturell · gegenkulturell · hochkulturell · interkulturell · jugendkulturell · multikulturell · popkulturell · sozialkulturell · soziokulturell · subkulturell · transkulturell
eWDG

Bedeutung

Kultur-
entsprechend der Bedeutung von Kultur (1)
Beispiele:
das kulturelle Leben
die kulturelle Arbeit, Entwicklung
der kulturelle Fortschritt
kulturelle Belange, Einrichtungen, Veranstaltungen
die kulturellen Angelegenheiten eines Staates
der kulturelle Austausch zwischen den befreundeten Ländern
die kulturelle Betreuung der Urlauber
diese Stadt bildet ein kulturelles Zentrum, hat eine kulturelle Atmosphäre geschaffen
das kulturelle Niveau heben
das kulturelle Erbe pflegen, erhalten
ein Bau für kulturelle Zwecke
DDRdie kulturelle Massenarbeit
ein Abkommen über die kulturelle Zusammenarbeit abschließen
er ist kulturell interessiert (= interessiert sich für Kultur)
die Veranstaltung kulturell (= mit künstlerischen Darbietungen) umrahmen
papierdeutschauf kultureller Ebene
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat A1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kultur · kulturell
Kultur f. ‘geistig-sozialer Entwicklungsstand sowie Gesamtheit der Errungenschaften auf geistiger, künstlerischer, humanitärer Ebene’ (häufig bezogen auf eine ethnische Einheit in einem historisch begrenzten Zeitraum, z. B. die Kultur der Griechen), ‘verfeinerte, niveauvolle Lebensqualität’, auch (als Fachwort) ‘planvoller Behandlung und Pflege unterliegende land- bzw. forstwirtschaftliche Anlage, Pflanzung, (bakteriologisches) Präparat’. Der aus lat. cultūra ‘Pflege (des Ackers), Bearbeitung, Bestellung, Anbau, Landbau’, auch ‘geistige Pflege, Ausbildung intellektueller Fähigkeiten, (religiöse, huldigende) Verehrung’ (zu lat. colere, s. Kult) entlehnte Ausdruck wird gegen Ende des 17. Jhs. ins Dt. integriert, nachdem er in lat. flektierter Form bereits vorher in dt. Texten üblich war. Er gewinnt zunächst in der 2. Hälfte des 18. Jhs. mit dem Aufschwung der Land- und Forstwirtschaft an Verbreitung (s. Agrikultur), erhält sein eigentliches Gewicht jedoch in seiner (ebenfalls im Lat. vorgezeichneten) metaphorischen Verwendung, indem Kultur (seit etwa 1700) auch die Ausbildung und geistige Vervollkommnung des Individuums bezeichnet. Ins Gesellschaftliche ausgeweitet und zu einem Schlagwort der Epoche wird das Wort im philosophischen Denken der deutschen Aufklärung; besonderen Anteil an seiner inhaltlichen Ausformung und Präzisierung haben Herder und Kant. kulturell Adj. ‘im Hinblick auf die Kultur, die Kultur betreffend’ (19. Jh.), daneben zunächst auch culturlich, cultürlich.

Typische Verbindungen zu ›kulturell‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›kulturell‹.

Verwendungsbeispiele für ›kulturell‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sind wir kulturell wirklich zu alt, um solche Erfahrungen zu wiederholen? [Sloterdijk, Peter: Kritik der zynischen Vernunft Bd. 1, Frankfurt: Suhrkamp 1983, S. 22]
Ihnen liegt vielmehr die Intuition einer Entfaltung von kulturell angelegten Potentialen zugrunde. [Habermas, Jürgen: Theorie des kommunikativen Handelns - Bd. 2. Zur Kritik der funktionalistischen Vernunft, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1981, S. 441]
Das galt auch insbesondere in der Richtung eines Ausbaues der Erhaltung ihres kulturellen Lebens. [o. A.: Einhundertzehnter Tag. Mittwoch, 17. April 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 14773]
Weimar ist – spätestens nach diesem letzten Jahr – kulturell schon etwas weiter oben. [Die Zeit, 16.12.1999, Nr. 51]
Persönlich habe ich ein kulturelles Problem mit dem Begriff "dritter Weg". [Die Zeit, 17.09.1998, Nr. 39]
Zitationshilfe
„kulturell“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/kulturell>.

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