lösen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung lö-sen
Wortbildung  mit ›lösen‹ als Erstglied: Lösegeld · lösbar · löslich
 ·  mit ›lösen‹ als Letztglied: ablösen · auflösen · auslösen · einlösen · erlösen · herauslösen · loslösen · nachlösen · zerlösen
 ·  mit ›lösen‹ als Binnenglied: Fettlöser · Hustenlöser · Problemlöser · Randlöser · Schleim lösend · Schmutz lösend · angstlösend · krampflösend · rostlösend · schleimlösend · schmutzlösend
 ·  mit ›lösen‹ als Grundform: Lösen · gelöst
eWDG

Bedeutungen

1.
etw. losmachen, trennen, abtrennen
Beispiele:
eine Briefmarke mit Wasser vom Umschlag lösen
die Taue lösen
das Fleisch vom Knochen lösen
die Spange aus dem Haar lösen
die Klammern lösen
sich lösen
Beispiele:
ein Boot löste sich von der Landungsbrücke
eine Eisscholle hatte sich gelöst
sich von jmdm., aus jmds. Armen, von seinem Tänzer lösen
bildlich
Beispiele:
den Blick von jmdm., etw. nicht lösen können
das Denken ist nicht von der Sprache zu lösen
sich von einem Anblick, von Vorurteilen, aus der Erstarrung lösen
jmd. hat sich schwer von, aus seiner alten Umgebung gelöst
2.
etw. lose machen, lockern
Beispiele:
die Schrauben, Riemen, Gürtel, Schnürsenkel, Haken, Handbremse lösen
eine Schleife, Schnur, ein Kopftuch lösen
diese Arznei löst den Schleim
die Zöpfe lösen (= aufflechten)
Ihre dunklen Haare lagen, vom Wind gelöst, um ihre Stirn [ WeisenbornMädchen107]
bildlich
Beispiel:
ihr strenges Auge war mir wohltätig und löste meine Qual [ G. KellerGr. Heinrich4,128]
jmdm. die Zunge lösenjmdn. zum Reden bringen
Beispiel:
der gute Wein, die Verzweiflung, Angst löste ihm die Zunge
sich lösenlocker werden
Beispiele:
der Einband löst sich
das Bild hatte sich aus dem Rahmen gelöst
die Haare hatten sich gelöst
übertragen
Beispiele:
der Krampf, die Erstarrung, Verwirrung, Verhärtung löste sich allmählich
Die Spannung löst sich erst, als die zwei zu lachen anfangen [ KästnerLottchen26]
3.
etw. entwirren, auflösen
Beispiel:
den Knoten lösen
sich lösen
Beispiel:
eine Gruppe, ein Knäuel Menschen löste sich aus der Menge (= geht auseinander)
übertragen etw. enträtseln
Beispiel:
ein Rätsel, Geheimnis, einen Widerspruch lösen
etw. durch Nachdenken herausbekommen, von etw. die Lösung finden
Beispiele:
eine mathematische Aufgabe, Gleichung lösen
Einmal hatte ich ein Rechenexempel aus dem Kopf zu lösen [ CarossaKindheit51]
etw. meistern, bewältigen
Beispiele:
eine (taktische) Aufgabe einfach, verblüffend schnell, in glänzender Weise lösen
damit ist noch nichts gelöst
die Schwierigkeiten sind gelöst
Die Angelegenheit mußte rasch und für beide Parteien befriedigend gelöst werden [ H. KantAula61]
4.
etw. für nichtig erklären, aufheben, auflösen
Beispiele:
die Verlobung, Ehe, ein Arbeitsrechtsverhältnis, einen Lehrvertrag lösen
unsere Beziehungen sind nun gelöst
5.
gehoben sich in etw. lösensich etw. verwandeln, auflösen
Beispiel:
die Verzweiflung, Bitterkeit löste sich in Tränen
6.
sich aus etw. lösenaus etw. heraustreten, sich aus etw. herauslösen
Beispiele:
sich aus der Gruppe, Masse lösen
ein Tier löste sich aus der Herde
ein Mann löste sich aus den Ruinen [ RemarqueZeit zu leben303]
7.
Beispiele:
einen Schuss lösen (= auslösen)
ein Schuss löste sich (= ging los)
8.
Chemie, Physik feste Stoffe (oder Gase) bis zur Unsichtbarkeit in einer Flüssigkeit zergehen lassen, auflösen
Beispiele:
Zucker, Salz, Pulver, eine Tablette in Wasser lösen
Terpentin löst Ölfarben
Zucker, Salz löst sich im Wasser
9.
etw., besonders einen Fahrschein, eine Eintrittskarte durch Zahlung erwerben
Beispiele:
eine Fahrkarte, Eintrittskarte lösen
gelöste Karten behalten ihre Gültigkeit
10.
veraltet etw. erlösen
Beispiel:
Fünfzig blanke bare Taler wurden gelöst aus der fahrenden Habe der Base [ RaabeHungerpastorI 1,556]
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

lösen · ablösen · auflösen · Auflösung · auslösen · Auslöser · einlösen · erlösen · Erlöser · Erlösung · Erlös · Lösung
lösen Vb. ‘losmachen, aufbinden, zergehen lassen, klären’, ahd. lōsen (8. Jh.), mhd. lœsen ‘losmachen, befreien, erlösen, loskaufen, bezahlen’, (md.) lōsen (vgl. frühnhd. losen ‘loswerden’, danach in der Jägersprache ‘Kot lassen’, s. Losung2), asächs. lōsian, mnd. lȫsen, mnl. lōsen, nl. lozen, aengl. līesan, anord. leysa, schwed. lösa, got. lausjan, abgeleitet von dem unter los (s. d.) behandelten Adjektiv. ablösen Vb. ‘losmachen, absondern, durch Zahlung befreien, ersetzen, abwechseln’, ahd. abalōsen ‘losmachen’ (11. Jh.), mhd. abelœsen ‘losmachen, lostrennen, abkaufen, tilgen’. auflösen Vb. ‘eine Bindung lösen, (in einer Flüssigkeit) zergehen lassen, klären’, mhd. ūflœsen; Auflösung f. ‘Zerfall, Zersetzung, Klärung, Entwirrung’ (15. Jh.). auslösen Vb. ‘herauslösen, hervorrufen, bewirken, zurückkaufen’, spätmhd. ūʒlœsen ‘herauslösen’; Auslöser m. ‘Veranlasser, Initiator’ (17. Jh.). einlösen Vb. ‘zurückkaufen, eine Geldzahlung durch Vorlegen eines Berechtigungsnachweises erwirken, Versprochenes erfüllen’ (17. Jh.). erlösen Vb. ‘befreien, retten, Gewinn erzielen’, ahd. irlōsen (8. Jh.), mhd. erlœsen; Erlöser m. ‘Retter’, ahd. irlōsāri (8. Jh.), mhd. erlœsære; Erlösung f. ‘Rettung, Befreiung’, ahd. irlōsunga (um 1000), mhd. erlœsunge; Erlös m. ‘(aus Verkauf) erzielter Gewinn’ (Anfang 18. Jh.). Lösung f. ‘das Loslösen, Aufklärung (eines Rätsels, eines Problems)’, dann ‘das Auflösen eines Stoffes in einer Flüssigkeit, die einen gelösten Stoff enthaltende Flüssigkeit’, ahd. lōsunga ‘Erlösung’ (9. Jh.), mhd. lœsunge, lōsunge ‘Losmachung, Öffnung, Erlösung, Auslösung mit Geld, Geldeinnahme’.

lauschen · losen1 · Lauscher · lauschig
lauschen Vb. ‘(heimlich, im Verborgenen) horchen, aufmerksam zuhören’, mhd. (omd.) lūschen ‘(heimlich) horchen’. Herkunft ungewiß. Auszugehen ist vielleicht von ahd. lōskēn (9. Jh.), mhd. lōschen ‘verborgen sein, verborgen liegen’, frühnhd. lūschen ‘verborgen sein’ (1. Hälfte 15. Jh.), mnd. lūschen ‘verborgen liegen, lauern’, mnl. luu(s)schen ‘sich verstecken’; dieses steht mit sk-Suffix neben ahd. lūʒēn ‘sich verborgen halten’ (9. Jh.), mhd. lūʒen ‘verborgen liegen, sich versteckt halten, lauern’, aengl. lūtian ‘lauern’, anord. lūta ‘sich beugen’, die sich zu einem in aengl. lūtan ‘sich verneigen, vorbücken’, anord. lūta ‘sich neigen, niederbeugen’ belegten starken Verb stellen. Außergerm. können lit. liū̃sti ‘traurig, betrübt, schwermütig werden’, kslaw. ludъ ‘töricht’, russ. (älter) lud (луд) ‘Narr’, (älter) ludít’ (лудить) ‘betrügen, täuschen’ verglichen werden, so daß ie. *leud- ‘sich ducken’ angesetzt werden kann. Zieht man noch (nicht verwandtes) ahd. (h)losēn ‘zuhören, gehorchen’ (um 800), mhd. losen ‘hörend achtgeben, zuhören, horchen’, nhd. (obd.) losen1 Vb. ‘zuhören, aufhorchen’ (noch in obd. Mundarten, in der Schriftsprache schon nach Adelung veraltet) heran, das zu der unter laut1 (s. d.) behandelten Wortgruppe gehört, so kann eine lautliche und semantische Vermischung der Verben mhd. lōschen, frühnhd. lūschen ‘verborgen sein’ und mhd. losen ‘zuhören, horchen’ angenommen werden, die mhd. (omd.) lūschen, nhd. lauschen ‘(heimlich, im Verborgenen) horchen’ ergibt. Lauscher m. ‘wer heimlich lauscht’ (17. Jh.). lauschig Adj. ‘versteckt, einsam, traulich’ (18. Jh.), älter lauschicht (17. Jh.).

Los · losen2 · Losung1 · auslosen · verlosen
Los n. ‘Schicksal, Geschick, verdeckt gekennzeichneter Gegenstand oder Zettel, durch den eine Zufallsentscheidung herbeigeführt werden soll, Lotterieanteilschein’, ahd. (h)lōʒ ‘Spruch, Schicksal, Anteil’ (8. Jh.), mhd. lōʒ ‘Werfen des Loses, Aus-, Verlosung, Schicksal, Weissagung, gerichtliche Teilung, Erbteilung, altes Herkommen, Losungswort’, asächs. hlōt, mnd. lōt, aengl. hlīet, hlȳt, hlēt, anord. hlautr, got. hlauts ‘Los, Erbschaft’ (germ. *hlauta-, *hlauti-). Daneben ablautend (im Nhd. sich nicht fortsetzend) ahd. (h)luʒ ‘Schicksal’ (8. Jh.), mnd. lot, aengl. hlot ‘Anteil, Erbteil, Entscheidung’, engl. lot ‘Los, Posten’, mnl. nl. lot (s. Lotterie), anord. hlutr ‘Los, Teil, Stück, Ding, Sache’, hluti ‘Losstab, zugefallenes Los, Teil, Stück’, schwed. lott ‘Los, Anteil’. Alle Bildungen sind Verbalabstrakta zu einem im Nhd. untergegangenen starken Verb ahd. (h)lioʒan ‘losen, Wahrzeichen deuten’ (8. Jh.), mhd. lieʒen ‘losen, als Los zuteilen’, asächs. hliotan ‘erlosen, erlangen’, aengl. hlēotan ‘losen, durch Los erhalten’, anord. hljōta ‘(er)losen’, schwed. ljuta. Die Germanen versuchten, aus der Lage geworfener Runenstäbe zu weissagen. Geht man daher für das germ. Verb von einer Bedeutung ‘an-, festhaken’ (von einem geworfenen Stäbchen) aus und vergleicht lit. kliū́ti ‘hängenbleiben, anstoßen, hindern, in den Bereich von etw. kommen’, so ist Verwandtschaft mit den unter schließen und Schloß (s. d.) genannten Formen und Anschluß an die dort genannte Wurzel ie. *klē̌u-, *klāu- ‘Haken, krummes Holz oder Astgabel, Pflöckchen, an-, verhaken (sich anklammern), durch einen vorgesteckten Haken, Riegel, ein Pflöckchen verschließen’ möglich. losen2 Vb. ‘durch Los ermitteln, ein Los ziehen’, mhd. lōʒen ‘das Los werfen, durchs Los bestimmen’, transitiv ‘(durch Los) verteilen’, schwach flektierende Neubildung zum Substantiv. Losung1 f. ‘Leitwort, Wahlspruch, Erkennungszeichen, Parole’ (16. Jh.), wohl eine Neubildung und nicht anknüpfend an ahd. (h)lōʒunga ‘Los, das Loswerfen’ (11. Jh.), mhd. lōʒunge ‘das Loswerfen, Teilung’. auslosen Vb. ‘durch das Los ermitteln’ (16. Jh.). verlosen Vb. ‘durch das Los verteilen’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Synonymgruppe
locker machen · lockern · losmachen · lösen · trennen
Synonymgruppe
(Fehler) ausmerzen · (Mangel) beheben · (Missstand) abstellen · (Problem) beseitigen · (Problem) bewältigen · (wieder) geradebiegen · (wieder) ins Reine bringen · Abhilfe schaffen · abhelfen · aus der Welt schaffen · bereinigen · in Ordnung bringen · klären · lösen  ●  (die) Kuh vom Eis holen  fig. · (wieder) ins Lot bringen  fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
abtrennen · lösen
Synonymgruppe
Schutz aufheben · entsichern · entsperren · lösen
Synonymgruppe
abbinden · losbinden · lösen  ●  abmachen  ugs. · losmachen  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›lösen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›lösen‹.

Verwendungsbeispiele für ›lösen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Denn dort löst er sich schnell wieder aus den Fugen. [Oheim, Gertrud: Das praktische Haushaltsbuch, Gütersloh: Bertelsmann 1967 [1954], S. 247]
Wenn Sie das eingesehen haben, sollten Sie es aufgeben, Ihr Problem dennoch lösen zu wollen. [Genazino, Wilhelm: Die Liebesblödigkeit, München, Wien: Carl Hanser Verlag 2005, S. 164]
Was dazwischen liegt, hat er als ein Problem benannt, aber nicht gelöst. [Hirschberger, Johannes: Geschichte der Philosophie, Bd. 1: Altertum und Mittelalter. In: Mathias Bertram (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1948], S. 5178]
Das Problem der Rentabilität läßt sich nicht mehr statisch lösen. [Plessner, Helmuth: Die verspätete Nation, Stuttgart: Kohlhammer 1962 [1935], S. 70]
Wir werden dieses Problem lösen, weil wir es lösen müssen. [o. A.: Eröffnung der "Frühjahrsarbeitsschlacht" an der Baustelle Unterhaching der Reichsautobahn München - Salzburg, 21.03.1934]
Zitationshilfe
„lösen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/l%C3%B6sen>.

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