lüften
GrammatikVerb · lüftete, hat gelüftet
Aussprache
Worttrennunglüf-ten
Wortbildung mit ›lüften‹ als Letztglied: ↗auslüften · ↗durchlüften
 ·  Ableitungen von ›lüften‹: ↗belüften · ↗entlüften
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
etw. von frischer Luft durchdringen lassen, auslüften
Beispiele:
die Betten, Kleider lüften
das Zimmer lüften
der Sitzungssaal wurde täglich gelüftet
frische Luft zuführen
Beispiel:
nach der Versammlung musste man lange Zeit lüften
2.
etw. leicht hochheben
Beispiele:
den Vorhang, Schleier, Topfdeckel lüften
den Hut (zum Gruße) lüften
Schließlich umschreiten sie [die Brachvögel] das Weibchen mit gelüfteten Flügeln und gefächertem Schwanz [Natur u. Heimat1958]
bildlich
Beispiele:
er lüftete seine Maske (= er gab sich, seine wahren Absichten zu erkennen)
ein Zufall lüftete den Schleier (= brachte Licht in die Angelegenheit)
3.
übertragen etw. enthüllen, aufdecken
Beispiel:
sein Geheimnis, Inkognito, seine Anonymität lüften
sich lüften
Beispiel:
das Geheimnis lüftete sich schnell
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Luft · lüften · lüften · Lüftung · luftig · Luftikus · Luftballon · Luftpumpe · Luftschloß · Luftschiff
Luft f. ‘die Erde umgebendes Gasgemenge, Atmosphäre, leichter Wind, freier Raum, Zwischenraum’, ahd. luft m. f. (8. Jh.), mhd. asächs. luft m. f. ‘Luft, Wind, Himmel’, aengl. lyft m. f. n. ‘Luft, Himmel’, dann auch ‘Dachstube’, anord. lopt n. ‘Luft, Himmel, Dachstube’, schwed. loft ‘Dachstube’, got. luftus m. ‘Luft’, daneben (mit nd.-nl. cht für ft, s. ↗anrüchig) mnd. lucht ‘(Tages)licht, Luft(raum), oberes Stockwerk eines Hauses, Boden’, mnl. lucht, locht ‘Luft, Rauch, oberes Stockwerk eines Hauses’, nl. lucht ‘Luft’. Die Herkunft ist ungewiß. Wenn man der vorgenannten Zusammenstellung der germ. Ausdrücke folgt und annimmt, daß die Bezeichnungen für ‘Luft’ und ‘oberes Stockwerk, Dachstube’ aus einer gemeinsamen Vorstufe hervorgegangen sind, dann darf eine ursprüngliche Bedeutung ‘Bedeckung, Rinden- oder Schindeldach’ vermutet werden, aus der sich Luft als ‘nach oben abschließende Decke’, gleichsam ‘Dach der Welt’, entwickelt haben könnte. Als Verwandte wären vergleichbar ↗Laub, ↗Laube und die unter ↗Rotlauf (s. d.) genannten Formen sowie außergerm. griech. lȳ́pē (λύπη) ‘Kummer, Trauer’, lat. liber (aus *luber) ‘Bast, Buch’, lit. lúoba ‘Baumrinde’, lùpti ‘schälen, abhäuten’, russ. lub (луб) ‘Baumrinde, Bast’, lupít’ (лупить) ‘schälen, enthülsen’. Germ. *luftu- m. bzw. *lufti- f. könnte dann an die Labialerweiterungen ie. *leup-, *leub(h)- ‘abschälen, entrinden, abbrechen, beschädigen’ der Wurzel ie. *leu- ‘abschneiden, trennen, loslösen’ (s. ↗los) angeschlossen werden. Fem. Genus setzt sich im Dt. aus md. Gebrauch seit dem 16. Jh. unter dem Einfluß Luthers in der Schriftsprache durch. lüften Vb. ‘hochheben (in die Luft)’, mhd. lüften ‘in die Luft heben, auf-, emporheben’, frühnhd. auch ‘eine Erleichterung, eine Ausnahme gestatten’, mnd. lüchten, mnl. luchten, anord. lypta ‘hochheben’ (s. ↗Lift, ↗liften). lüften Vb. ‘Luft einwirken lassen, der Luft aussetzen’ (17. Jh.); dazu Lüftung f. ‘Ventilation’ (17. Jh.). luftig Adj. ‘voller Luft, locker’, mhd. luftec, luftic, lüftic; vgl. ahd. luftīg ‘in der Luft befindlich’ (11. Jh.). Luftikus m. ‘leichtsinniger Mensch, Windbeutel’ (19. Jh.), in der Studentensprache latinisierend zu luftig ‘leichtsinnig’. Luftballon m. ‘mit Heißluft oder Gas gefüllter Ballon für die Luftfahrt’ (18. Jh.), s. ↗Ballon; auch als Kinderspielzeug (20. Jh.). Luftpumpe f. ‘Pumpe zum Einpressen von Luft’ (1719), gebildet analog zu Wasserpumpe (16. Jh.). Luftschloß n. ‘Wunschvorstellung, Phantasie-, Traumgebilde’ (17. Jh.); vgl. ein Schloß in den Lufft bawen (16. Jh.). Luftschiff n. ‘Luftfahrzeug’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anonymität Bankgeheimnis Deckel Erfolgsgeheimnis Familiengeheimnis Geheimnis Grauschleier Hut Identität Inkognito Käseglocke Mantel Maske Muff Mysterium Pseudonym Rätsel Schleier Staatsgeheimnis Steuergeheimnis Strohhut Topfdeckel Tor-Geheimnis Tuch Vorhang Zipfel Zylinder auslüften durchlüftet geheizt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›lüften‹.

DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Da lüftet keiner kurz richtig, da wird garantiert die Straße mitgeheizt.
Der Tagesspiegel, 25.08.2002
Vermutlich hatte er die letzten 30 Jahre nicht ein einziges Mal gelüftet.
Bild, 17.03.1999
Der Herr lüftet dabei, wenn er besonders höflich sein will, auch den Hut.
Oheim, Gertrud: Einmaleins des guten Tons, Gütersloh: Bertelsmann 1957 [1955], S. 314
Aber ihm blieb nichts anderes übrig, als sehr förmlich und ernsthaft den Hut zu lüften.
Boy-Ed, Ida: Vor der Ehe. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1915], S. 3094
Darauf würde ich den Hut ebenso artig wie vorhin lüften, gute Nacht sagen und gehen.
Walser, Robert: Jakob von Gunten, Zürich: Suhrkamp 1973 [1909], S. 69
Zitationshilfe
„lüften“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/lüften>, abgerufen am 17.10.2017.

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