langsam

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennunglang-sam (computergeneriert)
Wortbildung mit ›langsam‹ als Erstglied: ↗Langsamfahrstelle · ↗Langsamkeit  ·  mit ›langsam‹ als Letztglied: ↗schneckenlangsam  ·  mit ›langsam‹ als Grundform: ↗verlangsamen
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
lange Zeit brauchend, ohne Schnelligkeit
Gegenwort zu schnell
Beispiele:
langsam gehen, fahren, arbeiten
langsam sprechen
langsam die Treppe hinaufsteigen
er ist zu langsam bei der Arbeit
er begreift nur langsam
der Puls geht langsam
der Rennfahrer wurde immer langsamer und fiel zurück
er trank langsam und bedächtig sein Glas aus
eine langsame Gangart
ein langsames Verkehrsmittel
sie tanzten einen langsamen Walzer
umgangssprachlich immer hübsch langsam! (= nichts übereilen!)
2.
schwerfällig, träge
Beispiele:
ein langsamer Schüler
Von den Dorfbewohnern am Ufer waren die meisten langsamen Geistes [Feuchtw.Narrenweisheit161]
Sie sind langsam in ihrem Wesen [ZahnIndergand16]
3.
adverbiell
umgangssprachlich allmählich
Beispiele:
es wird nun langsam Zeit, dass ich gehe
langsam wurde ihm klar, was er angerichtet hatte
das wird mir langsam zuviel!
4.
Sport
Beispiel:
der Rasen, die Piste ist zu langsam (= hemmt das Spiel, die Fahrt)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

lang · lange · längs · längst · unlängst · Länge · langen · anlangen · erlangen · verlangen · Verlangen · länglich · langsam · Langeweile · langweilen · langweilig · Langfinger · Langmut · langmütig · Langohr · langwierig
lang Adj. räumliche und zeitliche Erstreckung bezeichnend, ahd. lang ‘langgestreckt, lange dauernd, ausführlich’ (8. Jh.), mhd. mnd. mnl. lanc ‘lang, langsam’, asächs. nl. lang, aengl. lang, long, engl. long, anord. langr, schwed. lång, got. laggs wird zusammen mit gleichbed. lat. longus, mpers. drang, pers. dirang ‘lang’ auf ie. *(d)longho-, Adjektivbildung zu einer nasalierten Gutturalerweiterung der Wurzel ie. *del- ‘lang’, zurückgeführt. Unnasaliert liegt die (ursprünglich zum Teil wohl zweisilbige) Gutturalerweiterung vor in aind. dīrgháḥ, griech. dolichós (δολιχός), aslaw. dlьgъ, russ. dólgij (долгий) ‘lang’, ebenso (mit d-Abfall) in lit. ìlgas, lett. ilgs und in got. tulgus ‘fest, standhaft’. Das erste Zeugnis des germ. Adjektivs zeigt der bei Tacitus in lat. Langobardī überlieferte Name der Langobarden, eigentlich ‘Langbärte’. Im Dt. bezeichnet lang sowohl die Erstreckung in einer Dimension, und zwar bei Körpern die der größten Ausdehnung (im Unterschied zu breit oder dick), als auch die Erstreckung in der Zeit. In festen Verbindungen, vgl. lange Finger machen ‘stehlen’, einen langen Hals machen ‘neugierig sein’, ein langes Gesicht machen ‘enttäuscht sein’. lange Adv. ‘lange Zeit, bei weitem’, ahd. lango ‘vor langer Zeit, längst’ (8. Jh.), mhd. lange, langen ‘seit langem, lange Zeit’. längs Präp. Adv. ‘an etw. entlang, der Länge nach’, mhd. langes, lenges Adv. ‘vor langer Zeit, der Länge nach’, mnd. langes, frühnhd. auch längst (mit hinzugetretenem t, s. unten) sind adverbiale Genitive Sing. des Adjektivs. Das Adverb ist in der Gegenwart kaum noch in Gebrauch (etw. längs schneiden, nordd. längs kommen); als Präp. wird längs seit dem 14. Jh. verwendet. längst Adv. ‘seit langer Zeit, schon lange, bei weitem’, frühnhd. längst, auch langest, leng(e)st. Ursprünglich identisch mit längs (s. oben), dessen adverbiale Verwendung im Sinne von ‘vor langer Zeit’ die durch sekundäres -t erweiterte Form übernimmt; entsprechend unlängst Adv. ‘vor nicht langer Zeit, vor kurzem’, mit unorganischem -t aus dem adverbiellen Genitiv frühnhd. unlang(e)s (15. Jh.), mnd. unlanges, mnl. onlanges. Länge f. ‘Ausdehnung in die Hauptrichtung, Dauer, Längengrad’, ahd. lengī (9. Jh.), mhd. lenge. Länge bezeichnet insbesondere die räumliche Erstreckung im Unterschied zu Höhe und Breite, auch die Körpergröße, und erscheint als Grundwort in Maßbezeichnungen wie Hauptes-, Pferde-, Schiffslänge. langen Vb. ‘ausstrecken, sich erstrecken, reichen, auskommen’, mhd. langen ‘lang werden oder machen, sich ausstrecken, um etw. zu erreichen, Verlangen haben’, ahd. langēn ‘Verlangen haben’ (9. Jh.). anlangen Vb. ‘ankommen’ (16. Jh.). erlangen Vb. ‘bekommen, gewinnen, erwerben, erreichen’, mhd. erlangen ‘sich sehnen, verlangen, erreichen’, auch (unpersönlich) ‘lang dünken, langweilen’. S. auch ↗gelangen, hinlangen. verlangen Vb. ‘nach etw. Sehnsucht haben, etw. begehren, fordern’, mhd. verlangen; Verlangen n. substantivierter Infinitiv, mhd. verlangen, auch ‘Verdruß, Kummer’. länglich Adj. ‘im Verhältnis zur Breite größere Länge aufweisend, ein wenig lang’, ahd. langlīh (9. Jh.), frühnhd. langelich, lengelich (15. Jh.), daneben frühnhd. langlecht, länglicht, mhd. lengeleht. langsam Adj. ‘zögernd, lange Zeit brauchend, träge’, ahd. (8./9. Jh.), asächs. langsam ‘lange dauernd’, aengl. langsum; s. ↗-sam. Daneben ahd. langseimi (10. Jh.), mhd. lancseim; das zweite Wortglied (ahd. -seimi) stellt sich zu mhd. seine ‘langsam, träge’, verwandt mit ↗seit, ↗Seite (s. d.), oder es gehört im Sinne von ‘langsam fließend, tröpfelnd’ zu dem unter ↗Seim (s. d.) behandelten Substantiv; die Bedeutung ‘zögernd, gemächlich, nach und nach’ wird von langsam übernommen. Langeweile f. ‘Gefühl des Nichtausgefülltseins, des Überdrusses, Mangel an Abwechslung’, mhd. lange wīle, Zusammenschreibung vereinzelt seit dem 14. Jh., fest im 17. Jh., doch noch bis zur Gegenwart mit Binnenflexion (aus Langerweile, der Langenweile begegnen); langweilen Vb. ‘Langeweile bereiten’, reflexiv ‘Langeweile haben’ (18. Jh.); langweilig Adj. ‘uninteressant’ (15. Jh.). Langfinger m. ‘Dieb’ (17. Jh.). Langmut f. ‘Geduld, Nachsicht’ (16. Jh.), Rückbildung (da sich ahd. langmuotī, 8. Jh., nicht fortsetzt) aus langmütig Adj. ‘geduldig’, ahd. langmuotīg (10./11. Jh.), mhd. lancmüetec, Weiterbildung des Adjektivs ahd. langmuot (8. Jh.), einer Übersetzung von gleichbed. kirchenlat. longanimis (zu lat. longus ‘lang’ und animus ‘Seele, Mut’). Langohr n. Name des Hasen (auch kleines Langohr) und des Esels (großes Langohr), wohl rotw. (16. Jh.); zu vergleichen ist die ähnliche Benennung des Hasen durch spätlat. aurītus (zu lat. auris ‘Ohr’), des Esels durch die zugehörige Deminutivform lat. aurītulus. Adjektivisches aurītus ‘(in auffälliger Weise) mit Ohren versehen’ dient zur Charakterisierung beider Tiere. langwierig Adj. ‘lange während, viel Zeit erfordernd, mühsam’, frühnhd. langwiric ‘lange dauernd, lange lebend’ (15. Jh.), Zusammensetzung mit dem Adjektiv ahd. wirīg ‘dauernd, dauerhaft’ (um 1000), mhd. wiric ‘dauerhaft’, zu ahd. werēn (s. ↗währen). Weit früher als das Adjektiv erscheint das Abstraktum ahd. langwirī̌gī ‘lange Dauer’ (um 1000).

Thesaurus

Synonymgruppe
begriffsstutzig · ↗denkfaul · langsam (im Kopf) · ↗stumpfsinnig  ●  ↗dösig  ugs. · ↗schlafmützig  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
behäbig · ↗lahm · langsam · ↗schleppend · ↗schwerfällig · ↗träge  ●  ↗bummelig  ugs. · ↗tranig  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
Antonyme
Synonymgruppe
(ganz) gelassen · ↗(ganz) gemütlich · im Schlendergang · in gemütlichem Tempo · in langsamem Tempo · in lässiger Gangart · langsam · ohne (jede) Hektik · ohne die geringste Spur von Eile · ohne die mindeste Eile  ●  ganz entspannt  ugs. · gemessenen Schrittes  geh. · in chilligem Tempo  ugs. · ↗tiefenentspannt  ugs., ironisch
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
allmählich · ↗gemach · ↗gemächlich · ↗gemütlich · ↗geruhsam · in aller Ruhe · langsam · ↗ruhig · ↗seelenruhig  ●  in Ruhe  ugs. · in aller Seelenruhe  ugs.
Assoziationen
  • Immer mit der Ruhe!  ugs. · Langsam!  ugs. · Ruhig Blut!  ugs. · Sachte!  ugs.
  • (nun mal) sachte!  ugs. · (nur) keine Hektik  ugs. · Komm (doch) erst mal an!  ugs., Redensart · So schnell schießen die Preußen nicht!  ugs., sprichwörtlich · eine alte Frau ist doch kein D-Zug!  ugs., sprichwörtlich, variabel · gaanz langsam! (beruhigend)  ugs. · gemach!  geh., veraltet · hetz mich nicht!  ugs. · hetzt doch nicht so!  ugs. · immer langsam mit den jungen Pferden!  ugs. · immer langsam!  ugs. · immer mit der Ruhe!  ugs. · kein Stress!  ugs. · keine Panik  ugs. · keine Panik auf der Titanic  ugs., Spruch · nicht so hastig  ugs. · nicht so stürmisch!  ugs. · no ned hudla!  ugs., schwäbisch · nun mal langsam!  ugs., Hauptform · nur die Ruhe!  ugs. · nur keine Aufregung  ugs. · ruhig Blut  ugs., veraltend · ruhig, Brauner  ugs., scherzhaft · schön langsam!  ugs.
  • (sich) allmählich bewegen · (sich) vorsichtig auf etwas zubewegen · einen Fuß vor den anderen setzen
  • bedachtsam · ↗bedächtig · ↗behutsam · mit Bedacht · ↗schonend · ↗umsichtig · ↗wohlüberlegt
  • behäbig · ↗lahm · langsam · ↗schleppend · ↗schwerfällig · ↗träge  ●  ↗bummelig  ugs. · ↗tranig  ugs.
  • (ganz) gelassen · ↗(ganz) gemütlich · im Schlendergang · in gemütlichem Tempo · in langsamem Tempo · in lässiger Gangart · langsam · ohne (jede) Hektik · ohne die geringste Spur von Eile · ohne die mindeste Eile  ●  ganz entspannt  ugs. · gemessenen Schrittes  geh. · in chilligem Tempo  ugs. · ↗tiefenentspannt  ugs., ironisch
  • bummelig  ugs. · ↗herumtrödeln(d)  ugs. · ↗saumselig  geh., veraltend · ↗säumig  geh. · trödelig  ugs. · verbummelt  ugs.
Synonymgruppe
bedächtig · ↗geruhsam · in langsamem Tempo · in mäßigem Tempo · langsam · ↗ruhig
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
allmählich (warnend) · langsam

Typische Verbindungen
computergeneriert

Fahrt Gangart Satz Sterben Tempo Wachstum anlaufen auflösen bewegen drehen dämmern erholen erst fahren gewöhnen langsam leise mahlen nur nähern rollen sehr sicher stetig viel vorangehen vorankommen vorsichtig wachsen wachsend

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›langsam‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Langsam wurde das damals noch als extremistisch betrachtete Ansinnen diskussionswürdig.
Der Spiegel, 07.12.1987
Den ganzen Tag nieselt es schon, und ich beginne langsam zu frösteln.
Die Zeit, 07.03.1986, Nr. 11
Aber nur langsam trat die innere Ruhe ein, die eine stetige Entfaltung des kulturellen Lebens hätte gewährleisten können.
Husmann, Heinrich u. a.: Florenz. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1955], S. 13292
Die Wirkung hiervon beginnt langsam von 1600, stärker von 1700 an.
Schmoller, Gustav: Grundriß der Allgemeinen Volkswirtschaftslehre Erster Teil, Berlin: Duncker & Humblot 1978 [1900], S. 206
Eine gleichartige Entwicklung hat sich in den nächsten Jahrhunderten, nur langsamer vorschreitend, in der griechischen Welt vollzogen.
Meyer, Eduard: Geschichte des Altertums, Bd. II,2. In: Geschichte des Altertums, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1893], S. 25748
Zitationshilfe
„langsam“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/langsam>, abgerufen am 20.05.2019.

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