langwierig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennunglang-wie-rig (computergeneriert)
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
viel Zeit beanspruchend, mühselig
Beispiele:
eine langwierige Arbeit
langwierige Übungen, Versuche
eine langwierige Angelegenheit endlich erledigen
das Buch ist so angelegt, dass dem Leser das langwierige Nachschlagen erspart bleibt
die Krankheit macht eine langwierige Behandlung erforderlich
2.
veraltend lange Zeit dauernd
Beispiele:
ein langwieriger Entwicklungsprozess
langwierig krank sein
eine ... beschwerliche und langwierige Gefängnisstrafe [KleistKohlhaas3,239]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

lang · lange · längs · längst · unlängst · Länge · langen · anlangen · erlangen · verlangen · Verlangen · länglich · langsam · Langeweile · langweilen · langweilig · Langfinger · Langmut · langmütig · Langohr · langwierig
lang Adj. räumliche und zeitliche Erstreckung bezeichnend, ahd. lang ‘langgestreckt, lange dauernd, ausführlich’ (8. Jh.), mhd. mnd. mnl. lanc ‘lang, langsam’, asächs. nl. lang, aengl. lang, long, engl. long, anord. langr, schwed. lång, got. laggs wird zusammen mit gleichbed. lat. longus, mpers. drang, pers. dirang ‘lang’ auf ie. *(d)longho-, Adjektivbildung zu einer nasalierten Gutturalerweiterung der Wurzel ie. *del- ‘lang’, zurückgeführt. Unnasaliert liegt die (ursprünglich zum Teil wohl zweisilbige) Gutturalerweiterung vor in aind. dīrgháḥ, griech. dolichós (δολιχός), aslaw. dlьgъ, russ. dólgij (долгий) ‘lang’, ebenso (mit d-Abfall) in lit. ìlgas, lett. ilgs und in got. tulgus ‘fest, standhaft’. Das erste Zeugnis des germ. Adjektivs zeigt der bei Tacitus in lat. Langobardī überlieferte Name der Langobarden, eigentlich ‘Langbärte’. Im Dt. bezeichnet lang sowohl die Erstreckung in einer Dimension, und zwar bei Körpern die der größten Ausdehnung (im Unterschied zu breit oder dick), als auch die Erstreckung in der Zeit. In festen Verbindungen, vgl. lange Finger machen ‘stehlen’, einen langen Hals machen ‘neugierig sein’, ein langes Gesicht machen ‘enttäuscht sein’. lange Adv. ‘lange Zeit, bei weitem’, ahd. lango ‘vor langer Zeit, längst’ (8. Jh.), mhd. lange, langen ‘seit langem, lange Zeit’. längs Präp. Adv. ‘an etw. entlang, der Länge nach’, mhd. langes, lenges Adv. ‘vor langer Zeit, der Länge nach’, mnd. langes, frühnhd. auch längst (mit hinzugetretenem t, s. unten) sind adverbiale Genitive Sing. des Adjektivs. Das Adverb ist in der Gegenwart kaum noch in Gebrauch (etw. längs schneiden, nordd. längs kommen); als Präp. wird längs seit dem 14. Jh. verwendet. längst Adv. ‘seit langer Zeit, schon lange, bei weitem’, frühnhd. längst, auch langest, leng(e)st. Ursprünglich identisch mit längs (s. oben), dessen adverbiale Verwendung im Sinne von ‘vor langer Zeit’ die durch sekundäres -t erweiterte Form übernimmt; entsprechend unlängst Adv. ‘vor nicht langer Zeit, vor kurzem’, mit unorganischem -t aus dem adverbiellen Genitiv frühnhd. unlang(e)s (15. Jh.), mnd. unlanges, mnl. onlanges. Länge f. ‘Ausdehnung in die Hauptrichtung, Dauer, Längengrad’, ahd. lengī (9. Jh.), mhd. lenge. Länge bezeichnet insbesondere die räumliche Erstreckung im Unterschied zu Höhe und Breite, auch die Körpergröße, und erscheint als Grundwort in Maßbezeichnungen wie Hauptes-, Pferde-, Schiffslänge. langen Vb. ‘ausstrecken, sich erstrecken, reichen, auskommen’, mhd. langen ‘lang werden oder machen, sich ausstrecken, um etw. zu erreichen, Verlangen haben’, ahd. langēn ‘Verlangen haben’ (9. Jh.). anlangen Vb. ‘ankommen’ (16. Jh.). erlangen Vb. ‘bekommen, gewinnen, erwerben, erreichen’, mhd. erlangen ‘sich sehnen, verlangen, erreichen’, auch (unpersönlich) ‘lang dünken, langweilen’. S. auch ↗gelangen, hinlangen. verlangen Vb. ‘nach etw. Sehnsucht haben, etw. begehren, fordern’, mhd. verlangen; Verlangen n. substantivierter Infinitiv, mhd. verlangen, auch ‘Verdruß, Kummer’. länglich Adj. ‘im Verhältnis zur Breite größere Länge aufweisend, ein wenig lang’, ahd. langlīh (9. Jh.), frühnhd. langelich, lengelich (15. Jh.), daneben frühnhd. langlecht, länglicht, mhd. lengeleht. langsam Adj. ‘zögernd, lange Zeit brauchend, träge’, ahd. (8./9. Jh.), asächs. langsam ‘lange dauernd’, aengl. langsum; s. ↗-sam. Daneben ahd. langseimi (10. Jh.), mhd. lancseim; das zweite Wortglied (ahd. -seimi) stellt sich zu mhd. seine ‘langsam, träge’, verwandt mit ↗seit, ↗Seite (s. d.), oder es gehört im Sinne von ‘langsam fließend, tröpfelnd’ zu dem unter ↗Seim (s. d.) behandelten Substantiv; die Bedeutung ‘zögernd, gemächlich, nach und nach’ wird von langsam übernommen. Langeweile f. ‘Gefühl des Nichtausgefülltseins, des Überdrusses, Mangel an Abwechslung’, mhd. lange wīle, Zusammenschreibung vereinzelt seit dem 14. Jh., fest im 17. Jh., doch noch bis zur Gegenwart mit Binnenflexion (aus Langerweile, der Langenweile begegnen); langweilen Vb. ‘Langeweile bereiten’, reflexiv ‘Langeweile haben’ (18. Jh.); langweilig Adj. ‘uninteressant’ (15. Jh.). Langfinger m. ‘Dieb’ (17. Jh.). Langmut f. ‘Geduld, Nachsicht’ (16. Jh.), Rückbildung (da sich ahd. langmuotī, 8. Jh., nicht fortsetzt) aus langmütig Adj. ‘geduldig’, ahd. langmuotīg (10./11. Jh.), mhd. lancmüetec, Weiterbildung des Adjektivs ahd. langmuot (8. Jh.), einer Übersetzung von gleichbed. kirchenlat. longanimis (zu lat. longus ‘lang’ und animus ‘Seele, Mut’). Langohr n. Name des Hasen (auch kleines Langohr) und des Esels (großes Langohr), wohl rotw. (16. Jh.); zu vergleichen ist die ähnliche Benennung des Hasen durch spätlat. aurītus (zu lat. auris ‘Ohr’), des Esels durch die zugehörige Deminutivform lat. aurītulus. Adjektivisches aurītus ‘(in auffälliger Weise) mit Ohren versehen’ dient zur Charakterisierung beider Tiere. langwierig Adj. ‘lange während, viel Zeit erfordernd, mühsam’, frühnhd. langwiric ‘lange dauernd, lange lebend’ (15. Jh.), Zusammensetzung mit dem Adjektiv ahd. wirīg ‘dauernd, dauerhaft’ (um 1000), mhd. wiric ‘dauerhaft’, zu ahd. werēn (s. ↗währen). Weit früher als das Adjektiv erscheint das Abstraktum ahd. langwirī̌gī ‘lange Dauer’ (um 1000).

Thesaurus

Synonymgruppe
Dauer... · ↗andauernd · ↗anhaltend · ↗bleibend · dauer... · ↗dauerhaft · langwierig  ●  ↗chronisch  fachspr.
Assoziationen
Synonymgruppe
ausgedehnt · enervierend (langsam) · ganz allmählich · geraume Zeit dauernd · ↗langatmig · lange Zeit dauernd · lange dauernd · langwierig · ↗mühsam · ↗nervtötend · quälend · ↗schleppend · ↗umständlich · viel Zeit kostend · ↗weitläufig · ↗zeitraubend  ●  ↗harzig  schweiz.
Assoziationen
  • (sehr) verzögert · im Schleichtempo · im Schritttempo · im Zeitlupentempo · in Zeitlupe · kriechend · quälend langsam · ↗schleichend · ↗schleppend · sehr langsam  ●  (kommt) langsam wie beim Ochsen die Milch  ugs., scherzhaft · im Schneckentempo  ugs.
  • bedächtig · ↗geruhsam · in langsamem Tempo · in mäßigem Tempo · ↗langsam · ↗ruhig
  • ...marathon · Endlos... · Marathon... · ↗endlos · endlos weiter · immer weiter · nicht abreißen · nicht enden wollen · nicht enden wollend · ohne dass ein Ende abzusehen ist · ↗uferlos · ↗unaufhörlich · ↗unbeschränkt · ↗unendlich · ↗unermesslich · ↗unmessbar · ↗unzählig · ↗überlang  ●  ↗ad infinitum  lat. · bis zum Gehtnichtmehr  ugs.
  • (sehr) weit ausholen(d) · ausgedehnt · ermüdend · erschöpfend (im Wortsinn) · ↗geschwätzig · in aller Ausführlichkeit · in epischer Breite · in ermüdender Ausführlichkeit · lang und breit · ↗langatmig · ↗raumgreifend · ↗seitenlang · ↗umständlich · viele Worte machen · ↗weitläufig · weitschweifend · ↗weitschweifig · ↗wortreich · überausführlich  ●  ↗abendfüllend  fig. · Oper(n) quatschen  ugs., fig. · ↗Roman  ugs., fig. · ausgreifend  geh. · des Langen und (des) Breiten  geh. · schwafelig  ugs.
  • Zangengeburt  fig. · nach zähem Ringen  fig. · schwere Geburt  fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abstimmungsprozeß Auseinandersetzung Beweisaufnahme Entscheidungsprozeß Fußverletzung Genehmigungsverfahren Gerichtsprozess Gerichtsverfahren Knieverletzung Prozedur Prozeß Rechtsstreit Rechtsstreitigkeit Rückenverletzung Unterfangen Verfahren Verhandlung Verletzung Vermittlungsverfahren Zulassungsverfahren aufwendig kompliziert kostspielig mühevoll mühsam mühselig schwierig teuer umständlich zäh

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›langwierig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das gezielte Suchen nach speziellen Informationen wird daher etwas langwierig.
Der Tagesspiegel, 29.12.1999
Ein langwieriger Prozeß widerspräche der erklärten Absicht, die IG Farben rasch zu liquidieren.
Süddeutsche Zeitung, 23.02.1999
Die Werke sind Ergebnisse langwieriger, am Ende nicht sichtbarer Prozesse.
o. A.: Lexikon der Kunst - M. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1992], S. 11931
Prozesse nach Story sind also zumindest sehr langwierig, außerdem im Ergebnis völlig unsicher.
Scheiber, Johannes: Chemie und Technologie der künstlichen Harze, Stuttgart: Wissenschaftl. Verl.-Ges. 1943, S. 444
Wir stehen vor sehr langwierigen Arbeiten und sollten daher etwas weniger beweglich vorgehen.
Scheerbart, Paul: Lesabéndio. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1913], S. 6621
Zitationshilfe
„langwierig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/langwierig>, abgerufen am 19.02.2019.

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