lavieren

Grammatik Verb · laviert, lavierte, hat/ist laviert
Aussprache 
Worttrennung la-vie-ren
Wortbildung  mit ›lavieren‹ als Letztglied: ↗durchlavieren · ↗herumlavieren · ↗hineinlavieren
Herkunft aus laverenmnl nl ‘kreuzen, schwankend gehen’ < loviermfrz (louvoyerfrz) ‘gegen den Wind segeln, kreuzen’ < lofaltnorm mfrz ‘Windseite’

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. [umgangssprachlich, abwertend] sich durch Schwierigkeiten mit Geschick durchwinden
  2. 2. [veraltet, Seemannssprache] kreuzen
eWDG

Bedeutungen

1.
umgangssprachlich, abwertend sich durch Schwierigkeiten mit Geschick durchwinden
Beispiele:
er lavierte vorsichtig zwischen den Mächten
ein vorsichtiges, geschicktes Lavieren
2.
veraltet, Seemannssprache kreuzen
Beispiel:
ein lavierendes Segelboot
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

lavieren Vb. ‘sich geschickt durch etw. hindurchwinden, Schwierigkeiten vermeiden’. Mnd. lavēren ‘im Zickzack gegen den Wind ansegeln, kreuzen’ (15. Jh.) wird bereits in der 1. Hälfte des 16. Jhs. als nautischer Ausdruck in einen hd. Text aufgenommen; übertragener Gebrauch ‘sich hin und her winden, vorsichtig vorgehen’ begegnet im Mnd. im 16. Jh., im Hd. im 17. Jh. Das mnd. Verb geht über mnl. (nl.) laveren ‘kreuzen, schwankend gehen’ zurück auf (allerdings erst für das 16. Jh. nachgewiesenes) mfrz. lovier ‘gegen den Wind segeln, kreuzen’ (frz. louvoyer), eine Ableitung von altnorm. mfrz. lof ‘Windseite’, das seinerseits wohl aus der mnl. Form (nicht bezeugt, doch vgl. mnd. lōf) von nl. loef (s. ↗Luv) entlehnt ist.

Thesaurus

Synonymgruppe
Schwierigkeiten meistern · herumjonglieren · ↗jonglieren · lavieren · ↗taktieren  ●  ↗(sich) durchschlängeln  fig. · ↗herumlavieren  abwertend · Klippen umschiffen  ugs.
Assoziationen
  • (sich) nicht entscheiden können (zwischen) · (sich) nicht festlegen (wollen) · Eiertänze vollführen · Festlegungen vermeiden · sich nicht festnageln lassen  ●  unentschlossen sein  Hauptform · ↗herumeiern  ugs. · ↗herumtun  ugs. · hin- und hergerissen sein  ugs. · ↗schwanken (zwischen)  ugs.

Typische Verbindungen zu ›lavieren‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›lavieren‹.

Verwendungsbeispiele für ›lavieren‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wir haben überhaupt nicht laviert, unsere Linie war immer klar.
Süddeutsche Zeitung, 23.02.2001
So müssen sie sich denn mit kleinen Erfolgen durchs Leben lavieren.
Die Zeit, 11.11.1988, Nr. 46
Tatsächlich waren ihm beide gleichgestellt, und ich mußte immer zwischen diesen drei Instanzen lavieren, ausgleichen oder koordinieren.
o. A.: Einhundertfünfundsechzigster Tag. Donnerstag, 27. Juni 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 24263
Er lavierte, drehte und wendete sich und beutete dabei jedenfalls die von ihm geschaffene Gunst der Lage nach Kräften aus.
Goldfriedrich, Johann: Geschichte des Deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Geschichte des deutschen Buchwesens, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1909], S. 3565
Er hatte nie die Möglichkeit, war nie gezwungen, in sozialen Antagonismen zu vermitteln, zu lavieren.
Schlögel, Karl: Petersburg, München Wien: Carl Hanser Verlag 2002, S. 406
Zitationshilfe
„lavieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/lavieren>, abgerufen am 19.04.2021.

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