lebensunwert

GrammatikAdjektiv · Komparativ: lebensunwerter · Superlativ: am lebensunwertesten
Worttrennungle-bens-un-wert
WortzerlegungLebenunwert
DWDS-Vollartikel, 2019

Bedeutungen

1.
nicht lebenswert, nicht wert, gelebt zu werden; für ein menschenwürdiges Leben nicht geeignet
Beispiele:
[…] wer braucht sie nicht, die Illusion? Ohne Illusionen wäre unser Leben so viel lebensunwerter. [Hasenherz’ Blog, 27.01.2008, aufgerufen am 29.04.2016]
»Nachts traut sich hier kein Polizist hin«, schimpft Mimoun, der als Kind aus Marokko kam. »Dabei müssten die echt mal durchgreifen.« […] Slotermeer wurde jüngst zur »lebensunwertesten« unter 40 Gemeinden gewählt. [Welt am Sonntag, 12.07.2009, Nr. 28]
Es geht nun weiter mit der Forderung nach Hilfe zum Sterben auf Wunsch des betroffenen geschäftsfähigen Patienten […] Die nächste Stufe würde sein die Einleitung des Sterbens bei keineswegs sterbenden Geschäftsunfähigen, aber in den Augen der Gesunden sogenannten unbewußt Lebenden, zum Beispiel fortgeschrittenen Alzheimer-Patienten. Und als letzte Stufe wäre zu erwarten die Einleitung des Sterbens bei Behinderten mit – aus Sicht von Gesunden – lebensunwerter Lebensqualität. [die tageszeitung, 25.11.1996]
[…] kann mit ruhigem Gewissen zugelassen werden, daß die Geburtenzahlen wieder steigen, dagegen unsere Welt durch […] Abholzung der Wälder, vergiftete Nahrung usw. immer lebensunwerter wird? [konkret, 2000. Zitiert nach: konkret, 1982.]
2.
nicht wert, zu leben, am Leben zu bleiben   Terminus der Eugenik, der in der nationalsozialistischen Rassenhygiene als Rechtfertigungsgrund für die sogenannte Vernichtung lebensunwerten Lebens herangezogen wurde
Beispiele:
Schon nach dem Ersten Weltkrieg hatten Mediziner und Juristen die Tötung von »lebensunwertem Leben« gefordert. Mit Begriffen wie »Ballastexistenzen« und »leere Menschenhülsen« sprach man behinderten und psychisch kranken Menschen bereits damals ihr Menschsein ab. [Die Zeit, 01.03.2017, Nr. 01]
Dr. Heinrich Gross, NS-Arzt einer Euthanasie-Anstalt der Nationalsozialisten in Wien (Spiegelgrund) […] wird gerichtlich angeklagt: die mutmaßliche Anordnung der Tötung zweier »lebensunwerter« Kinder wird ihm vorgehalten. [Patriotisches Österreich, 06.05.2011, aufgerufen am 29.04.2016]
Eröffnet wird die vom US-Holocaust-Gedenkmuseum in Washington entwickelte Schau mit dem Titel »Tödliche Medizin – Die Schaffung der Herrenrasse« aus Anlass des Internationalen Holocaust-Gedenktags. […] Sie zeigt unter anderem […] eine handschriftliche Notiz von Adolf Hitler, in der dieser die Tötung »lebensunwerter« Patienten gestattet. [Die Welt, 27.01.2015]
»Rein zahlenmäßig«, meint Schmid-Tannwald, erreichten die Schwangerschaftsabbrüche der letzten 20 Jahre »durchaus vergleichbare Größenordnungen wie damals« – beim Völkermord im nationalsozialistischen Deutschland. Der Münchner Mediziner hat seine Gegenüberstellung […] fein säuberlich in eine Tabelle gegossen[…]. Nach 16 Kriterien vergleicht er darin die »Tötung ›lebensunwerter‹ geborener Menschen« im »3. Reich« und die »›unzumutbarer‹ Ungeborener heute«. [Süddeutsche Zeitung, 18.09.1998]
[…] Die neuen Strategien zur angeblichen Leidensverhinderung (etwa die Tötung angeblich lebensunwerter Neugeborener oder altersschwacher Menschen) lösen negative Entwicklungen aus: Sie definieren das Leben vieler Mitmenschen zu einem Negativ-Leben. Und am Ende steht die Forderung nach Tötung dieses Lebens. [Die Zeit, 11.05.1990, Nr. 20]
Im Jahre 1938 wurde das Exempel gegeben zur »Vernichtung lebensunwerter Existenz« und »erbkranken Nachwuchses«. Es begann mit einem kranken Kind und endete mit dem Tod von Millionen Menschen. [Neues Deutschland, 27.11.1972]

Typische Verbindungen
computergeneriert

Leben angeblich lebenswert

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›lebensunwert‹.

Zitationshilfe
„lebensunwert“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/lebensunwert>, abgerufen am 12.12.2019.

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