legitimieren

GrammatikVerb · legitimierte, hat legitimiert
Aussprache
Worttrennungle-gi-ti-mie-ren
HerkunftLatein
Wortzerlegunglegitim-ieren
Wortbildung mit ›legitimieren‹ als Erstglied: ↗Legitimierung · ↗legitimierbar  ·  mit ›legitimieren‹ als Letztglied: ↗delegitimieren
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2017

Bedeutung

bildungssprachlich
1.
a)
jmd., etw. legitimiert etw.für legitim erklären, als rechtmäßig anerkennen
Beispiele:
Die Reform [des Bundesnachrichtendienstes] war umstritten, weil sie […] aus Sicht von Kritikern bislang ungeregelte bis illegale Praktiken nachträglich legitimiert. [Die Zeit, 10.11.2016 (online)]
[…]Es ist nicht die Herkunft, die Gewalt an Frauen legitimiert, sondern es sind die traditionellen Wertvorstellungen, die mit traditionellen Geschlechterrollen einhergehen […]. [Der Standard, 09.03.2016]
[Präsident] Bush sieht Krieg durch [seine] Wiederwahl legitimiert [Überschrift] [Spiegel, 16.01.2005 (online)]
Ist seine [Kostunicas] Machtübernahme [in Serbien] demokratisch legitimiert? Sie ist legitimiert durch einen eindeutigen Wahlsieg. [Der Tagesspiegel, 06.10.2000]
Das Glücksspiel ist gesetzlich legitimiert. [die tageszeitung, 24.12.1998]
Kollokationen:
mit Adverbialbestimmung: etw. demokratisch, moralisch, politisch, völkerrechtlich, nachträglich legitimieren
mit Akkusativobjekt: Gewalt, Herrschaft, Herrschaftsansprüche, ein [bestimmtes] Handeln, Vorgehen legitimieren
hat Präpositionalgruppe/-objekt: etw. durch eine Volksabstimmung, durch Wahlen legitimieren
in Koordination: legalisieren und legitimieren; rechtfertigen und legitimieren
b)
jmd., etw. legitimiert jmdn.mit einem bestimmten Recht, einer Vollmacht ausstatten; befugen
Beispiele:
Klopfen Sie mal bei Schwester Nancy. Aber weder Nancy noch jene Fachärztin fühlten sich legitimiert, mir das Rezept auszustellen. [Berliner Zeitung, 03.11.2003]
Eine neue demokratisch legitimierte politische Führung steht [in Haiti] bereit. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.11.1993]
SPIEGEL: Ist die Legitimation der Parlamente denn wirklich […] höher zu bewerten als die der Gerichte? BISCHOFF: Wir haben eine repräsentative Demokratie. Jeder Funktionsträger ist unmittelbar legitimiert. [Der Spiegel, 01.08.1977, Nr. 32]
Der Fremde [der Eisenbahnminister inkognito] griff in die Tasche, zog eine Visitenkarte heraus und überreichte sie dem Beamten mit der Erklärung, daß sie ihn wohl hinlänglich legitimiere [im Nichtraucherabteil zu rauchen]. [Berliner Zeitung 1/183, 1945]
2.
jmd. legitimiert sichsich ausweisen
Beispiele:
Medienvertreter […] hatten sich zu legitimieren, die Ausweise wurden […] fotografiert. [Der Standard, 21.11.2016]
Erstkunden [der Bank] müssen sich legitimieren. [Der Standard, 08.03.2007]
Wenn die sich legitimieren können, einen ordentlichen Ausweis dabeihaben, kein Problem. [die tageszeitung, 17.01.1987]
Im Münchner Hotel »Regina« legitimierte sich der Mann […] als illegaler Waffenhändler von großem Kaliber. Ein Kontoauszug […] bewies seinen Geschäftspartnern die Bonität, ein international renommierter italienischer Waffenschieber diente als Referenz. [Der Spiegel, 09.05.1977, Nr. 20]
Doch konnte er sich als rechtmäßiger Käufer des Bildes legitimieren. [Bode, Wilhelm von: Mein Leben, 2 Bde. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1930], S. 1870]
Kollokation:
hat Präpositionalgruppe/-objekt: sich mit einem Ausweis legitimieren
3.
jmd. legitimiert jmdn.für legitim erklären
Beispiele:
Im Wahlkampf diskutiert wurde unter anderem die Befugnis des Bundespräsidenten, uneheliche Kinder zu »legitimieren« […]. [Der Standard, 22.06.2016]
Trotz der Differenzen erfüllte der Alte Fritz dem sterbenden Baumeister 1753 seinen letzten Wunsch. Er legitimierte seine beiden unehelichen Töchter. [Bild, 15.02.1999]
Ganz offensichtlich standen aber die dynastischen Interessen des Vaters im Vordergrund, da er seine Nachkommen wiederholt legitimieren ließ. [Der Tagesspiegel, 23.11.1997]
4.
jmd., etw. legitimiert jmdn., etw., sichbegründen, rechtfertigen, als berechtigt erscheinen lassen
Beispiele:
Der demokratisch legitimierten Forderung der Griechen nach einem Politikwechsel stehen die ebenfalls demokratisch legitimierten Interessen der Geldgeber im Rest des Kontinents entgegen. [Die Zeit, 19.02.2015, Nr. 08]
Aber haben es Künstler nicht heutzutage zunehmend schwerer, sich zu legitimieren? [Der Tagesspiegel, 17.04.2001]
Damit [mit dem Verweis auf den Willen der Basis] lassen sich auch Forderungen legitimieren, die zunächst aussichtslos scheinen […]. Was aber unter dieser letztverbindlichen Instanz zu verstehen ist, läßt sich nur schwer beantworten. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.03.1993]
Theorien sind der Treibstoff des Wissenschaftsbetriebs. Sie legitimieren neue Experimente. [Die Zeit, 01.09.1995, Nr. 36]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

legitim · illegitim · Legitimation · legitimieren · Legitimität
legitim Adj. ‘rechts-, gesetzmäßig, gesetzlich zulässig, anerkannt’. Lat. lēgitimus (zu lat. lēx ‘Gesetz’) geht mit lat. Flexion in dt. rechtssprachlichen Gebrauch ein und dringt von dort aus in eingedeutschter Form in die Allgemeinsprache (18. Jh.). Dazu das Antonym illegitim Adj. ‘unrechtmäßig, gesetzlich nicht anerkannt’, auch ‘unehelich’ (18. Jh.), aus lat. illēgitimus ‘ungesetzlich, gesetzwidrig, unerlaubt’. Legitimation f. ‘Berechtigung, Beglaubigung, Ausweis’ (16. Jh.), auch ‘Beglaubigungsdokument’ (18. Jh., für älteres Legitimationsbrief, 17. Jh.) und ‘rechtliche Anerkennung eines unehelichen Kindes’, aus gleichbed. mfrz. frz. légitimation, mlat. legitimatio. legitimieren Vb. ‘für legitim erklären, berechtigen, beglaubigen, rechtlich anerkennen’ (16. Jh.), reflexiv ‘sich ausweisen’ (17. Jh.), unter Einfluß von mfrz. frz. légitimer aus mlat. legitimare ‘rechtlich anerkennen’. Legitimität f. ‘Rechtmäßigkeit’ (Anfang 19. Jh.), aus gleichbed. frz. légitimité, in der speziellen Bedeutung ‘Gesetzlichkeit der Erb- und Thronfolge des angestammten Herrscherhauses’ durch Talleyrand auf dem Wiener Kongreß (1814/15) allgemein geworden; mlat. legitimitas (Genitiv legitimitatis) ‘Ehelichkeit’.

Thesaurus

Synonymgruppe
autorisieren · ↗befugen · ↗berechtigen · ↗bevollmächtigen · ↗ermächtigen · legitimieren  ●  ↗mandatieren  veraltet
Synonymgruppe
(eine) Begründung abgeben · Argumente aufzählen · Argumente darlegen · Argumente finden (für) · Argumente liefern · Argumente vorbringen · Gründe anführen · Gründe beibringen · Gründe finden · Gründe liefern · Gründe nennen · Gründe vorbringen · Gründe vortragen · argumentativ untermauern · ↗argumentieren · ↗begründen · ↗erklären · legitimieren · ↗rechtfertigen · verargumentieren
Assoziationen
Synonymgruppe
ausweisen · legitimieren

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ausweis Enteignung Existenz Führungsanspruch Gewaltanwendung Handeln Herrschaft Herrschaftsanspruch Koran Machtanspruch Militäreinsatz Militärschlag Monarchie Rechtsbruch Regime Rückgriff SED-Regime Staatsvolk UN UN-Sicherheitsrat Vertreibung Volksabstimmung Wehrpflicht Widerstandsrecht Wählervotum dadurch demokratisch legalisieren nachträglich völkerrechtlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›legitimieren‹.

Zitationshilfe
„legitimieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/legitimieren>, abgerufen am 22.02.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
legitimierbar
legitimerweise
legitimatorisch
Legitimationsproblem
Legitimationspapiere
Legitimierung
Legitimismus
Legitimist
legitimistisch
Legitimität