leibhaftig

GrammatikAdjektiv
Worttrennungleib-haf-tig
WortzerlegungLeib-haftig
Wortbildung mit ›leibhaftig‹ als Grundform: ↗Leibhaftige
eWDG, 1969

Bedeutung

gegenständlich, real (vorhanden)
a)
Beispiele:
er stellte sich [Dativ] das Erzählte leibhaftig vor
sie sah ihn leibhaftig vor sich
plötzlich stand er leibhaftig vor ihnen
er war ihm leibhaftig noch nicht begegnet
er war froh, als er tief im Gebirge leibhaftige Menschen traf
sie waren so gierig, als verkaufte er ihnen das leibhaftige Leben [AichingerHoffnung17]
b)
umgangssprachlich wirklich, echt
Beispiele:
er ist der leibhaftige Satan!
er wurde bleich wie der leibhaftige Tod
das Kind stand vor der Mutter wie das leibhaftige schlechte Gewissen
sie sieht wie eine leibhaftige Hexe aus
es schmeichelte ihm ja sehr, einen leibhaftigen Grafen im Laboratorium zu haben [BahrHimmelfahrt10]
c)
umgangssprachlich wirklich und wahrhaftig, tatsächlich
Schreibung ‘leibhaftig’
Beispiele:
er ist es leibhaftig!
sie machten ihm leibhaftig den Prozess
Die Tür öffnet sich wieder, und ... Lotte kommt leibhaftig noch einmal herein! [KästnerLottchen26]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Leib · beileibe · leibeigen · Leibeigenschaft · leiben · einverleiben · entleiben · Entleibung · Leibrente · leibhaft · leibhaftig · leiblich · beleibt · Leibchen · Leibesübung · Leibgarde
Leib m. ‘(menschlicher, tierischer) Körper, Unterleib, Bauch, Magen’, ahd. līb ‘Leben, Lebensweise’ (8. Jh.), mhd. līp ‘Leben, Körper, Magen’, umschreibend ‘Person, Mensch’, asächs. mnd. līf, mnl. nl. lijf, aengl. līf, engl. life, anord. līf, schwed. liv gehört wie ↗leben (s. d.) zu der unter ↗bleiben (s. d.) angeführten Wurzel. Leib wird in seiner alten Bedeutung ‘Leben’ vom substantivierten Infinitiv Leben n. verdrängt; vgl. dazu die paarige Rechtsformel Leib und Leben (16. Jh.). beileibe Adv. ‘bestimmt, wirklich’, meist beileibe nicht ‘wahrhaftig, wirklich nicht, unter keinen Umständen’, eigentlich ‘beim Leben (nicht)’, frühnhd. (16. Jh.) bey leyb, bei leib, beyleib (nicht). leibeigen Adj. ‘persönlich unfrei, hörig’, spätmhd. līpeigen, entstanden aus der Formel mhd. eigen von dem lībe ‘mit dem Leben, dem Leibe jmdm. zugehörig’; Leibeigenschaft f. ‘völlige rechtliche Abhängigkeit der Bauern (und Handwerker) vom Feudalherrn’ (15. Jh.). leiben Vb. ‘einen Körper bilden, leben’ (16. Jh.), nur noch in der Wendung wie er leibt und lebt. einverleiben Vb. ‘zu einem Ganzen verbinden, in etw. aufgehen lassen, eingliedern’ (15. Jh.), für spätlat. incorporāre, Kontamination aus gleichbed. einleiben und verleiben (beide 15. Jh.). entleiben Vb. ‘ums Leben bringen, töten’, mhd. entlīben, mnd. entlīven, reflexiv ‘sich selbst umbringen, Selbstmord begehen’ (17. Jh., vereinzelt 14. Jh.). Entleibung f. ‘Mord, Todschlag, Selbstmord’ (16. Jh.), mhd. entlībunge ‘Tod’. Leibrente f. ‘Rente auf Lebenszeit’, frühnhd. leyprente (1400), mnd. līfrente (14. Jh.). leibhaft Adj. ‘wirklich und wahrhaftig, echt’, ahd. lībhaft(i) ‘lebend’ (um 800), mhd. līphaft ‘Leben habend, lebend, mit Körper versehen, wohlgestaltet, persönlich’. leibhaftig Adj. mhd. līphaftic. leiblich Adj. ‘den Leib betreffend, körperlich, wirklich, blutsverwandt’, ahd. līblīh ‘lebend, lebendig’ (9. Jh.), mhd. līplich ‘körperlich, persönlich, leibhaftig’. beleibt Adj. euphemistisch für ‘dick, korpulent’ (Campe 1807). Leibchen n. ‘(den Leib bedeckendes) westenartiges Kleidungsstück, Mieder’, anfangs auch ‘kleiner Körper’ (17. Jh.), wohl nach dem Vorbild frz. corselet m. (abgeleitet von frz. corps m. ‘Körper, Leib’). Leibesübung f. ‘Übung zur körperlichen Ertüchtigung, Sport’ (16. Jh.). Leibgarde f. ‘militärische Einheit zum persönlichen Schutz, besonders eines regierenden Fürsten’ (um 1600); vgl. älteres Leibgewardi (16. Jh.), mfrz. frz. garde du corps.

Thesaurus

Synonymgruppe
in Menschengestalt · in natürlicher Größe · in voller Lebensgröße · ↗lebensgroß · leibhaftig  ●  (so) wie er leibt und lebt  ugs., männl. · (so) wie sie leibt und lebt  ugs., weibl.
Assoziationen
Synonymgruppe
höchstpersönlich · in Person · leibhaftig  ●  ↗höchstselbst  geh. · in höchsteigener Person (ggf. ironisch, veraltet)  geh. · ↗in persona  geh.
Assoziationen
  • (ich) für meine Person · für mich · ich für meinen Teil · ich meinerseits · ich persönlich · ↗meinerseits · soweit es mich angeht · soweit es mich betrifft · um meinetwillen · von meiner Seite · was mich anbetrifft · was mich betrifft  ●  was mich angeht  Hauptform · (ich,) der ich (...)  geh. · meinereiner  ugs. · von mir aus  ugs. · wenn du mich fragst (Floskel)  ugs.
  • allein(e) · ↗eigenhändig · mit eigenen Augen · ↗selbständig  ●  ↗selbst  Hauptform · ↗selber  ugs.
  • in Menschengestalt · in natürlicher Größe · in voller Lebensgröße · ↗lebensgroß · leibhaftig  ●  (so) wie er leibt und lebt  ugs., männl. · (so) wie sie leibt und lebt  ugs., weibl.
  • Fleisch geworden · ↗Verkörperung (einer Sache) · ↗fleischgeworden · lebend · personifiziert · ↗selbst  ●  wandelnd  fig. · Leibwerdung  geh., fig. · ↗Personifikation (einer Sache)  geh.
  • (jemanden) so kennen · ↗typisch (...)  ●  (...) wie er leibt und lebt  ugs., männl. · (...) wie sie leibt und lebt  ugs., weibl.
  • der unvergleichliche (...) · es ist (...) höchstselbst (der / die ...) · kein Geringerer als · niemand Geringeres als
  • (das) sieht ihm ähnlich · (jemanden) so kennen · kann nur ihm passieren · kann nur ihr passieren · ↗typisch (...) · ↗typisch (für jemanden)  ●  ein typischer (Adenauer)  variabel · ↗ganz (der) (Onkel Karl)  variabel · ↗typisch (Onkel Karl)  variabel · (...) wie er leibt und lebt  ugs., männl. · (...) wie sie leibt und lebt  ugs., weibl. · (mal wieder) typisch (sein)  ugs. · ↗echt (Nico)  ugs., variabel · ein echter (Klaus)  ugs., variabel
Antonyme
  • leibhaftig
Synonymgruppe
aus Fleisch und Blut · leibhaftig · ↗real
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Adventskalender Anachronismus Antichrist Antithese Anwesenheit Auferstehung Bundesminister Dinosaurier Elefant Engel Erscheinen Gestalt Gottseibeiuns Hexe Karikatur Luzifer Messias Nobelpreisträger Prinzessin Präsenz Satan Teufel Tiger Verkörperung Weihnachtsmann anwesend auferstehen begegnen gegenübersitzen gegenübertreten

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›leibhaftig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wenn das geschafft ist, wird man sie dort sicher auch einmal leibhaftig am Strand sehen.
Der Tagesspiegel, 06.08.1999
In seiner frühesten Zeit hätte er solch einen Bau für einen leibhaftigen Palast gehalten.
Berliner Tageblatt (Morgen-Ausgabe), 02.03.1904
Der Tanz war stets die erste und leibhaftigste Form, auszufahren.
Bloch, Ernst: Das Prinzip Hoffnung Bd. 1, Berlin: Aufbau-Verl. 1954, S. 426
Man glaubt die wirklichen Gestalten der Handlung und diese selbst leibhaftig an Ort und Stelle zu sehen.
Goldmark, Karl: Erinnerungen aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1922], S. 28372
Tatsächlich, ein Teil meiner Vergangenheit stand plötzlich leibhaftig vor mir.
Kerner, Charlotte: Blueprint Blaupause, Weinheim: Beltz & Gelberg 1999, S. 159
Zitationshilfe
„leibhaftig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/leibhaftig>, abgerufen am 09.12.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
leibhaft
Leibgürtel
Leibgericht
Leibgedinge
Leibgardist
Leibhaftige
Leibhusar
Leibjäger
Leibkoch
Leibkutscher