Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

leiblich

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung leib-lich
Wortzerlegung Leib -lich
Wortbildung  mit ›leiblich‹ als Erstglied: Leiblichkeit  ·  mit ›leiblich‹ als Grundform: verleiblichen
eWDG

Bedeutungen

1.
den Leib, Körper betreffend, körperlich
Beispiele:
sein leibliches Befinden ist zufriedenstellend
leibliche Not leiden
die leibliche Gestalt, das leibliche Sein des Menschen
für jmds. leibliches Wohl (= körperliches Wohlbefinden, besonders seine Nahrung) sorgen
etw. mit leiblichen Augen (= in Wirklichkeit, selbst) sehen
Er stammte irgendwie, wenn nicht leiblich, so doch ideell, aus der Mancha her[.] [ G. Hauptm.4,368]
2.
wirklich, blutsverwandt, eigen
Beispiele:
die leibliche Mutter, Tante
sein leiblicher Vater, Sohn
sie sorgten für das Kind wie leibliche Eltern
sie ist seine leibliche Nichte
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Leib · beileibe · leibeigen · Leibeigenschaft · leiben · einverleiben · entleiben · Entleibung · Leibrente · leibhaft · leibhaftig · leiblich · beleibt · Leibchen · Leibesübung · Leibgarde
Leib m. ‘(menschlicher, tierischer) Körper, Unterleib, Bauch, Magen’, ahd. līb ‘Leben, Lebensweise’ (8. Jh.), mhd. līp ‘Leben, Körper, Magen’, umschreibend ‘Person, Mensch’, asächs. mnd. līf, mnl. nl. lijf, aengl. līf, engl. life, anord. līf, schwed. liv gehört wie leben (s. d.) zu der unter bleiben (s. d.) angeführten Wurzel. Leib wird in seiner alten Bedeutung ‘Leben’ vom substantivierten Infinitiv Leben n. verdrängt; vgl. dazu die paarige Rechtsformel Leib und Leben (16. Jh.). beileibe Adv. ‘bestimmt, wirklich’, meist beileibe nicht ‘wahrhaftig, wirklich nicht, unter keinen Umständen’, eigentlich ‘beim Leben (nicht)’, frühnhd. (16. Jh.) bey leyb, bei leib, beyleib (nicht). leibeigen Adj. ‘persönlich unfrei, hörig’, spätmhd. līpeigen, entstanden aus der Formel mhd. eigen von dem lībe ‘mit dem Leben, dem Leibe jmdm. zugehörig’; Leibeigenschaft f. ‘völlige rechtliche Abhängigkeit der Bauern (und Handwerker) vom Feudalherrn’ (15. Jh.). leiben Vb. ‘einen Körper bilden, leben’ (16. Jh.), nur noch in der Wendung wie er leibt und lebt. einverleiben Vb. ‘zu einem Ganzen verbinden, in etw. aufgehen lassen, eingliedern’ (15. Jh.), für spätlat. incorporāre, Kontamination aus gleichbed. einleiben und verleiben (beide 15. Jh.). entleiben Vb. ‘ums Leben bringen, töten’, mhd. entlīben, mnd. entlīven, reflexiv ‘sich selbst umbringen, Selbstmord begehen’ (17. Jh., vereinzelt 14. Jh.). Entleibung f. ‘Mord, Todschlag, Selbstmord’ (16. Jh.), mhd. entlībunge ‘Tod’. Leibrente f. ‘Rente auf Lebenszeit’, frühnhd. leyprente (1400), mnd. līfrente (14. Jh.). leibhaft Adj. ‘wirklich und wahrhaftig, echt’, ahd. lībhaft(i) ‘lebend’ (um 800), mhd. līphaft ‘Leben habend, lebend, mit Körper versehen, wohlgestaltet, persönlich’. leibhaftig Adj. mhd. līphaftic. leiblich Adj. ‘den Leib betreffend, körperlich, wirklich, blutsverwandt’, ahd. līblīh ‘lebend, lebendig’ (9. Jh.), mhd. līplich ‘körperlich, persönlich, leibhaftig’. beleibt Adj. euphemistisch für ‘dick, korpulent’ (Campe 1807). Leibchen n. ‘(den Leib bedeckendes) westenartiges Kleidungsstück, Mieder’, anfangs auch ‘kleiner Körper’ (17. Jh.), wohl nach dem Vorbild frz. corselet m. (abgeleitet von frz. corps m. ‘Körper, Leib’). Leibesübung f. ‘Übung zur körperlichen Ertüchtigung, Sport’ (16. Jh.). Leibgarde f. ‘militärische Einheit zum persönlichen Schutz, besonders eines regierenden Fürsten’ (um 1600); vgl. älteres Leibgewardi (16. Jh.), mfrz. frz. garde du corps.

Thesaurus

Synonymgruppe
(mein) eigen Fleisch und Blut · biologisch verwandt · eigen · leiblich · verwandt  ●  blutsverwandt  Hauptform · genetisch verwandt  fachspr.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • direkt (miteinander) verwandt · in direkter Linie (miteinander) verwandt · in gerader Linie (miteinander) verwandt
Synonymgruppe
fleischlich · körperlich · leiblich · sinnlich

Typische Verbindungen zu ›leiblich‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›leiblich‹.

Verwendungsbeispiele für ›leiblich‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Bei aller nationalen Verehrung aber sollte man auch sein leibliches Wohl nicht vergessen. [Tucholsky, Kurt: Was wäre, wenn . . . In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1925], S. 3833]
Ihr leiblicher Vater – was fällt Ihnen als erstes zu ihm ein? [Die Zeit, 09.09.1999, Nr. 37]
Vor allem unsere deutsche Kultur spielt sich jenseits der leiblichen Genüsse ab. [Die Zeit, 20.05.1999, Nr. 21]
Die leiblichen Kinder, so überhaupt noch vorhanden, sind in jedem Fall fein raus. [Die Zeit, 30.12.1998, Nr. 1]
Mann und Frau sind anders, nicht nur leiblich, auch geistig. [Lakaschus, Carmen u. Binder, Hans-Jörg: Der Unterschied von Mann und Frau, Frankfurt: Bärmeier und Nikel 1968, S. 139]
Zitationshilfe
„leiblich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/leiblich>.

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