leid

In Verbindung mit sein und werden (seltener auch haben) wird leid als Adjektiv kleingeschrieben. In Verbindung mit tun werden Adjektiv und Verb in Kontaktstellung zusammengeschrieben (leidtun). Die Partizipform leidtragend wird immer zusammengeschrieben.
Grammatik Adjektiv · nur prädikativ, ohne Steigerung
Aussprache  [laɪ̯t]
Rechtschreibregeln § 35, § 56 (1)
Wortbildung  mit ›leid‹ als Erstglied: leiderfüllt · leidtun

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. jmds., einer Sache überdrüssig
  2. 2. [veraltend] so, dass man etw. bereut
eWDG und ZDL

Bedeutungen

1.
jmds., einer Sache überdrüssig
Kollokationen:
als Prädikativ: es, jmdn., etw. leid sein, werden
mit Akkusativobjekt: jmdn., eine Sache leid sein, werden
mit Genitiv-/Akkusativ-/Dativobjekt: gehoben jmds., einer Sache leid sein, werden
Beispiele:
Mama möchte auch immer etwas von anderen lernen. Sie ist einfach super darin, auf Menschen zuzugehen. Außerdem kann sie prima kochen. Aber manchmal bin ich es auch ein bisschen leid, wenn sie sich überall einmischt. [Danke, Mama!, 09.05.2020, aufgerufen am 01.09.2020]
Thomas war es leid, für seinen Vater unterschreiben zu müssen – »im Auftrag«, als hätte er mit den »Aufträgen« seines Vaters nicht schon Ärger genug! [Düffel, John von: Houwelandt. Köln: DuMont Literatur und Kunst Verlag 2004, S. 12]
[…] Du bist ein guter Lügner, und deshalb werde ich dich hier behalten. Fürs Erste. Bis ich deine Geschichten leid bin. [Funke, Cornelia: Tintenherz. Hamburg: Cecilie Dressler Verlag 2003, S. 365]
Sie ist das unnütze Gerede leid[.] [ KolbSchaukel55]WDG
[…] ich werde es nicht leid, ihr Gesicht anzusehen […] [ BöllWort204]WDG
gehoben Es wird nicht nur Zeit für die Kinder – manche Eltern sind bereits am Anschlag und brauchen die schnelle Öffnung der [Kindertagesstätten][…]. Das nicht, weil sie ihrer Kinder leid sind, sagt die Kinderhausleiterin, sondern weil [wegen der Corona-Pandemie] bereits alle Überstunden und der gesamte Jahresurlaub genommen worden sind, um die Betreuung zu Hause zu sichern. [Mittelbayerische, 06.05.2020]
gehoben Wo bisher in der bildenden Kunst aus dem Körper – vornehmlich aus dem weiblichen Körper – die Wahrheit, die Natur, die Schönheit selbst zu sprechen hatten, ist der Körper nun dieser Botschaft leid geworden. [Neue Zürcher Zeitung, 20.01.1996]
umgangssprachlichIm Mai 2006 hatte ich mich dazu entschlossen[,] mit Muskelaufbautraining zu beginnen und war dementsprechend bis in die Haarspitzen motiviert. Ich hatte es […] leid[,] wie ein »dünner Hecht« auszusehen. [Clifford Opoku-Afari – Geprüfter Personal Trainer, 28.05.2020, aufgerufen am 01.09.2020] ungewöhnl.
2.
veraltend so, dass man etw. bereut
Grammatik: mit Dativ
siehe auch leidtun
Beispiele:
mein Versprechen ist mir leidWDG
die bösen Worte waren ihm bald leidWDG
Um die Bank war ihm nicht leid gewesen, im Reisebüro wäre er aber gern geblieben. [Rosendorfer, Herbert: Großes Solo für Anton. Zürich: Diogenes 2000 [1976], S. 12]
Daß ich das Haus des reichen Mannes verlassen hatte, war mir nicht einen Augenblick leid geworden. [Sudermann, Hermann: Das Bilderbuch meiner Jugend. In: Simons, Oliver (Hg.): Deutsche Autobiographien 1690–1930. Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1922], S. 66398]
Ein herbes Lächeln überflog sein Gesicht. Die bösen Geister des Unmuts und der Verdrossenheit regten sich. Nun war ihm doch leid, daß er gesprochen hatte, und wieder dachte er selbstquälerisch: Wozu? Warum? … Eine Erklärung schien ihm nötig, eine Entschuldigung vor ihr und vor sich selbst. [Ebner-Eschenbach, Marie von: Der Herr Hofrat. In: Deutsche Literatur von Frauen. Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1912], S. 20766]

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Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Leid · leid · leidig · beleidigen · Beleidigung · verleiden · Beileid · leider
Leid n. ‘großer Kummer, seelischer Schmerz’, ahd. leid (9. Jh.), mhd. leit ‘das angetane Böse, Unrecht, Schädigung, Kränkung, Beleidigung, Sünde’, dann auch ‘durch Schädigung hervorgerufener Kummer, Schmerz, Betrübnis, Sorge’, asächs. lēð ‘Leid, Böses, Sünde’, mnd. lēt ‘Leid, Schmerz’, mnl. leet, nl. leed ‘Böses, Beleidigung, Verdruß, Kummer, Schaden’, aengl. lāþ ‘Leid, Schmerz, Unglück, Beleidigung, Plage’. Das Neutrum ist eine Substantivierung des in nhd. leid (s. unten) vorliegenden germ. Adjektivs *laiþa-; vgl. die an dieses ebenfalls anzuschließenden femininen Bildungen anord. leiða ‘Unlust, Widerwille’, schwed. leda, dän. lede ‘Überdruß, Ekel’, im Westgerm. ahd. leida ‘Anklage, Verfolgung’ (8. Jh.), mhd. leide ‘Leid, Schmerz, Feindseligkeit’, mnd. lēde ‘Leid, Schmerz, Trauer, Angst, Bangigkeit’, mnl. lēde ‘Leid, Verdruß, Böses’. leid Adj. ‘schmerzlich, bedauerlich, widerwärtig’, ahd. leid (8. Jh.), mhd. leit ‘nicht lieb, betrübend, widerwärtig, verhaßt, schmerzlich’, asächs. lēð ‘verhaßt, feindlich, widerwärtig, böse’, mnd. lēt ‘betrübend, böse, verhaßt’, mnl. leet, nl. leed ‘unangenehm, lästig, verhaßt’, aengl. lāþ ‘verhaßt, feindlich, boshaft, schädlich’, engl. loath, loth ‘abgeneigt, nicht willens’, anord. leiðr ‘feindlich, verhaßt’, schwed. led ‘überdrüssig, böse, leidig’, dän. led ‘häßlich, widerlich’. Das für das Westgerm. und Nordgerm. allgemein bezeugte Adjektiv germ. *laiþa- ‘schädigend, kränkend, widerwärtig, unangenehm’ läßt sich mit griech. alé͞itēs (ἀλείτης) ‘Frevler’, alité͞in (ἀλιτεῖν) ‘freveln, fehlen, sündigen’, air. li(u)s ‘Ekel, Widerwille’ vergleichen und daher wohl zur Wurzel ie. *leit- ‘verabscheuen, freveln, Böses tun’ stellen. Während in den frühen dt. Sprachstufen auch attributiver Gebrauch durchaus üblich ist (so noch schweiz. im Sinne von ‘unangenehm, schlecht, böse’), bleibt leid heute auf die festen Fügungen leid tun, sein, werden (mit Dativ der Person) beschränkt, die bis zum Zusammenfall beider Formen im älteren Nhd. ein Schwanken zwischen prädikativem Adjektiv ahd. leid, mhd. leit, frühnhd. leid (dieses nicht sicher zu scheiden vom gleichlautenden Substantiv, das an der Entstehung der Fügungen vermutlich auch beteiligt ist) und Adverb ahd. leido (um 1000), mhd. frühnhd. leide zeigen: etw., jmd. tut jmdm. leid ‘jmd. bedauert etw., jmdn.’ (mhd. daʒ tuot mir leit ‘das schmerzt mich’, daneben aber einem leit/leide tuon ‘jmdm. Schaden zufügen’); etw. ist, wird jmdm. leid ‘etw. ist, wird jmdm. lästig, zuwider, verhaßt’ (bereits ahd.), dann auch ‘jmd. bedauert, bereut etw.’. Dazu kommt in jüngster Zeit die Wendung jmd. ist, wird etw., jmdn. leid ‘jmd. ist, wird einer Sache, Person überdrüssig’ (zunächst in Sätzen wie ich bin es leid, wo das ursprünglich genitivische es als Akkusativ aufgefaßt wird). leidig Adj. ‘lästig, unangenehm’ (nur attributiv, in dieser Verwendung leid ablösend), ahd. leidīg, leidag ‘betrübt, beunruhigt, verwirrt, einer Sache überdrüssig’ (um 1000), mhd. leidec, leidic ‘betrübt, schmerzend, böse, widerwärtig’, abgeleitet vom Substantiv (s. oben); seit dem 18. Jh. in der jetzigen Bedeutung. beleidigen Vb. ‘kränken, verletzend behandeln’, spätmhd. beleidegen ‘verletzen, schädigen’; präfigierte Variante von ahd. leidigōn ‘Leid zufügen, betrüben, verwirren’ (um 1000), mhd. leidegen, leidigen ‘betrüben, kränken, verletzen’ (dieses vom Adjektiv ahd. leidīg, mhd. leidec, s. oben); dazu Beleidigung f. ‘Kränkung’, spätmhd. beleidigunge ‘Schädigung, Kränkung’ neben älterem ahd. leidigunga ‘Schaden, Unheil’ (um 1000), spätmhd. leidegunge ‘Beleidigung, Verletzung’. verleiden Vb. ‘die Freude an etw. verderben, die Sympathie für jmdn. nehmen’ (mit Dativ der Person), mhd. verleiden ‘verhaßt machen’, Präfixbildung zu gleichbed. ahd. (8. Jh.), mhd. leiden, Faktitivum zu ahd. leid Adj. (s. oben); vgl. dagegen ahd. firleidōn (um 1000), mhd. verleiden ‘anklagen, beschuldigen’, das zu ahd. leidōn (8. Jh.), mhd. leiden ‘anklagen, Leid zufügen’ gehört (zu unterscheiden von nhd. leiden, s. d.). Beileid n. ‘Mitgefühl, Anteilnahme an einem Todesfall’, zuerst in der Bedeutung ‘mitempfundenes Leid’ mehrfach bei Fleming (1631/32) nachzuweisen, im 18. Jh. noch allgemein für ‘Mitleid, Bedauern, Anteilnahme am Schicksal anderer’ im weitesten Sinne, doch gelegentlich schon mit Bezug auf Todesfälle verwendet, gegen Ende des 18. Jhs. eingeengt auf das den Hinterbliebenen gegenüber zum Ausdruck gebrachte Mitgefühl. leider Adv. ‘bedauerlicherweise, unglücklicherweise’, ahd. leidōr (9. Jh.), mhd. leider, mnd. lēder, leider, eigentlich Komparativ des Adverbs (ahd. leido, mhd. leide, s. oben) mit verstärkender Funktion, seit Beginn der Überlieferung oft als Ausruf des Bedauerns und der Klage gebraucht; auffällig ist die steigernde Fügung leider Gottes (17. Jh.), die nach Andresen in: ZfdA (1886) 417 f. wahrscheinlich auf Umbildung der Beteuerungsformel (beim) Leiden Gottes beruht (s. Leiden).

Typische Verbindungen zu ›leid‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›leid‹.

Zitationshilfe
„leid“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/leid>, abgerufen am 07.12.2021.

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