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leidenschaftlich

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung lei-den-schaft-lich
Wortzerlegung Leidenschaft -lich
Wortbildung  mit ›leidenschaftlich‹ als Erstglied: Leidenschaftlichkeit
eWDG

Bedeutung

von Leidenschaft erfasst, getrieben
a)
überaus heftig, ungestüm
Beispiele:
ein leidenschaftlicher Wunsch, Hass, Zorn, Trotz, Protest, Schmerz, Streit
eine leidenschaftliche Abneigung, Anklage, Parteinahme
leidenschaftliche Menschen
er ist eine leidenschaftliche Natur
etw. in leidenschaftlicher Erregung, mit leidenschaftlicher Hingabe, Anteilnahme, in einem leidenschaftlichen Ausbruch tun
etw. leidenschaftlich, mit leidenschaftlichem Ton sagen, verteidigen, verneinen, ablehnen
»ich glaube das nicht«, rief er leidenschaftlich
jmdn. leidenschaftlich verfolgen, hassen
etw. leidenschaftlich diskutieren, fordern, anklagen
er ist ein leidenschaftlicher (= enthusiastischer) Patriot
voll überaus heftiger, starker Zuneigung, Liebe
Beispiele:
jmdn. leidenschaftlich lieben, umarmen, küssen
sie betrachtete das Kind mit leidenschaftlicher Zärtlichkeit, Innigkeit
eine leidenschaftliche Liebe
b)
umgangssprachlich von großer Begeisterung für etw. erfüllt, überaus begeistert
Beispiele:
er ist ein leidenschaftlicher Raucher, Reiter, Jäger, Wassersportler, Theaterfreund, Sammler
er trieb leidenschaftlich Sport, sammelte leidenschaftlich Briefmarken, fuhr leidenschaftlich gern Auto
sie isst leidenschaftlich gern Schokolade
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

leiden · erleiden · Leiden · Leidenschaft · leidenschaftlich · leidlich
leiden Vb. ‘von körperlichem oder seelischem Schmerz gequält werden’, mit Akkusativ ‘etw. ausstehen müssen, ertragen, dulden, zulassen’, daher auch (bereits frühnhd.) jmdn., etw. (nicht) leiden können; ahd. līdan ‘ertragen, erdulden’ (Otfrid, 9. Jh., doch zuvor wohl schon gilīdan ‘mit jmdm. dulden’ für spätlat. compatī, 8. Jh. in St. Gallen), mhd. līden ‘ertragen, erdulden’ (vereinzelt ‘dulden’ ohne Akkusativobjekt), mnd. mnl. līden, nl. lijden, afries. lītha, schwed. lida, dän. lide ‘ertragen, dulden’. Das gemeingerm. Verb bedeutet ursprünglich ‘sich fortbewegen, gehen, vergehen’, so got. -leiþan (in Präfixbildungen), anord. līða (auch ‘dahingehen, sterben’; daneben spät ein schwaches Verb anord. līða ‘leiden, dulden’, unter mnd. Einfluß), asächs. līðan, aengl. līþan; Reste des alten Gebrauchs sind gleichfalls ahd. līdan im Sinne von ‘fahren, vergehen’ (8. Jh., meist in präfigierten Formen; hierzu wohl bereits langobard. līd in laib ‘geh ins Erbe!’, 7. Jh.), mhd. mnd. mnl. līden ‘gehen, vorübergehen’, nl. geleden Part. Prät. ‘vergangen, verflossen’, ferner schwed. lida, dän. lide ‘fortschreiten, vergehen’ (von der Zeit); s. auch leiten. Der im Ahd. zuerst nachzuweisende Bedeutungswandel setzt sich offenbar von Süden (alem., rheinfrk.) nach Norden durch, erreicht um 1300 die Küste und findet vom Nd. aus Eingang ins Nl., Fries. und in die nord. Sprachen. Diese semantische Entwicklung, die sich ebenso bei der später bezeugten Präfixbildung erleiden Vb. ‘etw. ertragen müssen, erdulden, durch etw. Schaden nehmen’ vollzieht (ahd. irlīdan ‘durchlaufen, bis zu Ende gehen, erreichen, fertigbringen’, 9. Jh., ‘durchstehen, erdulden’, um 1000, mhd. erlīden ‘bis zu Ende gehen, bestehen, erleben, ertragen’; vgl. got. usleiþan ‘weggehen, vergehen’), beruht vielleicht auf Einfluß der unter Leid (s. d.) dargestellten Wortgruppe, die jedoch etymologisch von leiden zu trennen ist. Da für germ. *līþan sichere Verwandte außerhalb des Germ. fehlen, bleibt sein Ursprung trotz mehrfacher Herleitungsversuche fraglich. Möglicherweise besteht ein Zusammenhang mit toch. AB lit- ‘fortgehen’, awest. raēθ- ‘sterben’, außerdem wird auf griech. ló͞itē (λοίτη) ‘Grab’, loité͞uein (λοιτεύειν) ‘begraben’ hingewiesen; dann wäre eine gemeinsame Wurzel ie. *leit(h)- ‘gehen, fortgehen, sterben’ anzunehmen. – Leiden n. ‘anhaltende Krankheit’, auch allgemeiner ‘Qual, Pein’, heute vor allem ‘seelischer Schmerz’, mhd. līden ‘Leiden Trübsal, Plage’; substantivierter Infinitiv des starken Verbs mhd. līden ‘ertragen, dulden’ (s. oben), der sich im Nhd. zunehmend verselbständigt (seit dem 18. Jh. wird dazu ein Plural gebildet), wohl begünstigt durch den biblischen Gebrauch; vgl. das Leiden Christi (häufig als Schwur- und Beteuerungsformel beim Leiden Gottes, Christi). Leidenschaft f. ‘intensive, das gesamte Verhalten bestimmende und vom Verstand nur schwer zu steuernde emotionale Reaktion’, namentlich ‘heftige Zuneigung zu einer Person, ausgeprägter Hang zu bestimmten Tätigkeiten oder Dingen’, Mitte des 17. Jhs. aufkommendes, jedoch erst im 18. Jh. geläufiges Übersetzungswort für frz. passion, auch für frz. passibilité (dieses eigentlich ‘Leidens-, Empfindungsfähigkeit’, vgl. lat. passio ‘Leiden’, spätlat. ‘Empfindsamkeit’, spätlat. passibilitās ‘Leidensfähigkeit’); Ableitung mit dem Kompositionssuffix -schaft (s. d.) vom substantivierten Infinitiv Leiden (wie Wissenschaft, s. d.); dazu leidenschaftlich Adj. ‘von Leidenschaft getrieben, überaus heftig, von starker Zuneigung, großer Begeisterung erfüllt’ (18. Jh.). leidlich Adj. ‘gerade noch zu dulden, erträglich, halbwegs gut’ (15. Jh.), spätmhd. līdelich ‘leidend, für körperliche Leiden empfänglich, geduldig’ (zu mhd. līden ‘ertragen, dulden’).

Thesaurus

Synonymgruppe
emotional erregt · feurig · heißblütig · leidenschaftlich · mit Verzückung · temperamentvoll · ungestüm · voller Leidenschaft  ●  frenetisch  geh. · hitzig  ugs.
Synonymgruppe
aufopferungsvoll · hingebungsvoll · leidenschaftlich
Synonymgruppe
(sehr) engagiert · enthusiastisch · fleißig · glühend · heiß und innig (lieben) · hingebungsvoll · intensiv · leidenschaftlich · mit (viel) Herzblut · mit Hingabe · mit Leib und Seele (dabei) · mit ganzer Seele · mit großem Einsatz · mit großem Engagement · rückhaltlos · vehement · voller Hingabe · voller Leidenschaft  ●  Vollblut...  mediensprachlich · begeistert (leidenschaftlich)  Hauptform · fanatisch  negativ · flammend  geh., fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›leidenschaftlich‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›leidenschaftlich‹.

Verwendungsbeispiele für ›leidenschaftlich‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und plötzlich packte sie ein leidenschaftliches Verlangen, ihm zu gehören, sich ihm für immer zu schenken. [Knittel, John: Via Mala, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1957 [1934], S. 423]
Die Männer unterhielten sich wie leidenschaftliche Fachleute über militärische Dinge. [Werfel, Franz: Die Vierzig Tage des Musa Dagh I, Stockholm: Bermann – Fischer 1947 [1933], S. 171]
Die leidenschaftliche Sprache dieser Architektur wiederholt sich in der Dichtung. [Spengler, Oswald: Der Untergang des Abendlandes, München: Beck 1929 [1918], S. 230]
Er übernahm allmählich viele der hergebrachten Formen einer studentischen Verbindung, wenn auch oft unter leidenschaftlichen Kämpfen. [Staats, J. F.: Studentenverbände. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 39684]
Man legt vieles bloß, wenn man so obsessiv ist, so leidenschaftlich. [Die Zeit, 14.01.1999, Nr. 3]
Zitationshilfe
„leidenschaftlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/leidenschaftlich>.

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