leidlich

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungleid-lich (computergeneriert)
eWDG, 1969

Bedeutung

gerade ausreichend, nicht besonders gut, knapp befriedigend
Beispiele:
er sprach ein leidliches Deutsch
der Junge hat leidliche Zensuren
er war ein leidlicher Schauspieler geworden
sie hat eine leidliche (= mittelmäßig gute) Figur
er betrug sich leidlich
etw. leidlich in Ordnung bringen
die Straße, das Wetter ist ganz leidlich
sie singt (ganz) leidlich
er hat eine leidlich bezahlte Stellung
etw. geht leidlich
mir geht es (so) leidlich!
einigermaßen
Beispiele:
er ist leidlich vermögend
sie ist leidlich hübsch, tüchtig, zufrieden
der Weg ist leidlich sauber, trocken, breit
es lief auch alles leidlich reibungslos ab [SchnurreRechnung83]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

leiden · erleiden · Leiden · Leidenschaft · leidenschaftlich · leidlich
leiden Vb. ‘von körperlichem oder seelischem Schmerz gequält werden’, mit Akkusativ ‘etw. ausstehen müssen, ertragen, dulden, zulassen’, daher auch (bereits frühnhd.) jmdn., etw. (nicht) leiden können; ahd. līdan ‘ertragen, erdulden’ (Otfrid, 9. Jh., doch zuvor wohl schon gilīdan ‘mit jmdm. dulden’ für spätlat. compatī, 8. Jh. in St. Gallen), mhd. līden ‘ertragen, erdulden’ (vereinzelt ‘dulden’ ohne Akkusativobjekt), mnd. mnl. līden, nl. lijden, afries. lītha, schwed. lida, dän. lide ‘ertragen, dulden’. Das gemeingerm. Verb bedeutet ursprünglich ‘sich fortbewegen, gehen, vergehen’, so got. -leiþan (in Präfixbildungen), anord. līða (auch ‘dahingehen, sterben’; daneben spät ein schwaches Verb anord. līða ‘leiden, dulden’, unter mnd. Einfluß), asächs. līðan, aengl. līþan; Reste des alten Gebrauchs sind gleichfalls ahd. līdan im Sinne von ‘fahren, vergehen’ (8. Jh., meist in präfigierten Formen; hierzu wohl bereits langobard. līd in laib ‘geh ins Erbe!’, 7. Jh.), mhd. mnd. mnl. līden ‘gehen, vorübergehen’, nl. geleden Part. Prät. ‘vergangen, verflossen’, ferner schwed. lida, dän. lide ‘fortschreiten, vergehen’ (von der Zeit); s. auch ↗leiten. Der im Ahd. zuerst nachzuweisende Bedeutungswandel setzt sich offenbar von Süden (alem., rheinfrk.) nach Norden durch, erreicht um 1300 die Küste und findet vom Nd. aus Eingang ins Nl., Fries. und in die nord. Sprachen. Diese semantische Entwicklung, die sich ebenso bei der später bezeugten Präfixbildung erleiden Vb. ‘etw. ertragen müssen, erdulden, durch etw. Schaden nehmen’ vollzieht (ahd. irlīdan ‘durchlaufen, bis zu Ende gehen, erreichen, fertigbringen’, 9. Jh., ‘durchstehen, erdulden’, um 1000, mhd. erlīden ‘bis zu Ende gehen, bestehen, erleben, ertragen’; vgl. got. usleiþan ‘weggehen, vergehen’), beruht vielleicht auf Einfluß der unter ↗Leid (s. d.) dargestellten Wortgruppe, die jedoch etymologisch von leiden zu trennen ist. Da für germ. *līþan sichere Verwandte außerhalb des Germ. fehlen, bleibt sein Ursprung trotz mehrfacher Herleitungsversuche fraglich. Möglicherweise besteht ein Zusammenhang mit toch. AB lit- ‘fortgehen’, awest. raēθ- ‘sterben’, außerdem wird auf griech. ló͞itē (λοίτη) ‘Grab’, loité͞uein (λοιτεύειν) ‘begraben’ hingewiesen; dann wäre eine gemeinsame Wurzel ie. *leit(h)- ‘gehen, fortgehen, sterben’ anzunehmen. Leiden n. ‘anhaltende Krankheit’, auch allgemeiner ‘Qual, Pein’, heute vor allem ‘seelischer Schmerz’, mhd. līden ‘Leiden Trübsal, Plage’; substantivierter Infinitiv des starken Verbs mhd. līden ‘ertragen, dulden’ (s. oben), der sich im Nhd. zunehmend verselbständigt (seit dem 18. Jh. wird dazu ein Plural gebildet), wohl begünstigt durch den biblischen Gebrauch; vgl. das Leiden Christi (häufig als Schwur- und Beteuerungsformel beim Leiden Gottes, Christi). Leidenschaft f. ‘intensive, das gesamte Verhalten bestimmende und vom Verstand nur schwer zu steuernde emotionale Reaktion’, namentlich ‘heftige Zuneigung zu einer Person, ausgeprägter Hang zu bestimmten Tätigkeiten oder Dingen’, Mitte des 17. Jhs. aufkommendes, jedoch erst im 18. Jh. geläufiges Übersetzungswort für frz. passion, auch für frz. passibilité (dieses eigentlich ‘Leidens-, Empfindungsfähigkeit’, vgl. lat. passio ‘Leiden’, spätlat. ‘Empfindsamkeit’, spätlat. passibilitās ‘Leidensfähigkeit’); Ableitung mit dem Kompositionssuffix ↗-schaft (s. d.) vom substantivierten Infinitiv Leiden (wie ↗Wissenschaft, s. d.); dazu leidenschaftlich Adj. ‘von Leidenschaft getrieben, überaus heftig, von starker Zuneigung, großer Begeisterung erfüllt’ (18. Jh.). leidlich Adj. ‘gerade noch zu dulden, erträglich, halbwegs gut’ (15. Jh.), spätmhd. līdelich ‘leidend, für körperliche Leiden empfänglich, geduldig’ (zu mhd. līden ‘ertragen, dulden’).

Thesaurus

Synonymgruppe
durchaus · ↗halb · ↗reichlich · ↗relativ · ↗vergleichsweise · ↗verhältnismäßig · ↗ziemlich  ●  ↗einigermaßen  Hauptform · ↗ganz  ugs. · ganz schön  ugs. · ↗halbwegs  ugs. · ↗hinlänglich  geh. · in Grenzen  geh. · leidlich  geh. · ↗mäßig  geh. · ↗recht  ugs. · schon ganz  ugs.
Assoziationen
  • (es ist) nicht weit her (mit) · (sich) in Grenzen halten · ↗(ziemlich) bescheiden · den Umständen entsprechend · ↗durchschnittlich · ↗durchwachsen · ↗mittelmäßig · ↗passabel  ●  ↗(so) einigermaßen  ugs. · ↗einigermaßen  ugs. · geht so  ugs. · ↗medioker  geh., bildungssprachlich · ↗mittelprächtig  ugs. · ↗mäßig  geh., Hauptform · mäßig bis saumäßig  ugs., sarkastisch · ↗na ja  ugs. · nicht (so) berauschend  ugs. · nicht (so) berühmt  ugs. · nicht besonders  ugs. · nicht so dolle  ugs. · nicht so prickelnd  ugs., fig., variabel · nicht so toll  ugs. · so lala  ugs.
  • nicht besonders gut  ●  Alles Scheiße, deine Elli.  ugs., Spruch, variabel · beschissen ist noch gestrunzt  ugs., regional, Spruch, scherzhaft-ironisch · geht so  ugs. · ging so  ugs. · ich kann nicht besser klagen  ugs., scherzhaft-ironisch · na ja okay  ugs. · so so  ugs.
  • ausgesprochen · ganz und gar · ↗gänzlich  ●  ↗betont  geh. · ↗prononciert  geh.
  • im Großen und Ganzen · in etwa · könnte man sagen · mehr oder weniger · ↗sozusagen  ●  ↗irgendwie  ugs. · keine Ahnung  ugs. · oder so  ugs. · ↗praktisch  ugs. · ↗quasi  ugs. · so ungefähr  ugs., Hauptform · so(was) in der Art  ugs. · sone Art  ugs. · sowas wie  ugs.
  • gemessen an · im Vergleich zu · im Verhältnis zu · in Relation zu · ↗neben · verglichen mit  ●  ↗dafür  ugs. · ↗dagegen  ugs.
  • bedingt · eingeschränkt · ↗relativ · ↗tendenziell · ↗vergleichsweise · ↗verhältnismäßig  ●  ↗eher  ugs.
  • in Maßen · ↗mäßig · nicht besonders · nicht sonderlich · nicht weiter
  • bis zu einem gewissen Grad(e) · ein Stück weit · in gewissem Maß(e) · in gewissem Rahmen · in gewissem Umfang · ↗teilweise · zum Teil  ●  in gewisser Hinsicht  Hauptform
  • einigermaßen ansprechend · mäßig schön · nicht unbedingt hässlich  ●  keine Begeisterungsstürme auslösen(d)  variabel · ganz okay  ugs. · leidlich schön  geh. · nicht schön, aber selten  ugs., ironisch · schön ist anders  ugs., salopp

Typische Verbindungen
computergeneriert

Auskommen Funktionieren Wohlstand Zusammenleben amüsant auskommen begabt beherrschen bequem brauchbar erhalten ernähren funktionieren funktionierend gefüllt genesen geordnet gesichert immerhin informiert intakt klappen komfortabel originell spannend sprechend stabil unterhaltsam wenigstens überstehen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›leidlich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Gerade im vergangenen halben Jahr musste er dies leidlich erfahren.
Süddeutsche Zeitung, 04.08.2004
Sie ist abwechslungsreich und voller unbekannter Namen, sie regt nicht übermäßig auf, sie stößt nicht ab, sie unterhält leidlich.
Die Welt, 27.05.2002
Jetzt war es etwa sechs Uhr nachmittags, jetzt pflegte sonst für uns der leidlichste Teil des Tages zu beginnen.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1941. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1941], S. 103
Den engeren Weg glaubt man dazu leidlich wenigstens verfolgen zu können.
Bölsche, Wilhelm: Das Leben der Urwelt, Leipzig: Dollheimer 1931 [1931], S. 317
Evas Fuß war leidlich gut, wir gingen viel, ich ließ alles Arbeiten.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1930. In: ders., Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1930], S. 204
Zitationshilfe
„leidlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/leidlich>, abgerufen am 23.10.2019.

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