leidtun

Grammatik Verb · tut leid, tat leid, hat leidgetan
Aussprache  [ˈlaɪ̯ttuːn]
Worttrennung leid-tun
Wortzerlegung  leid tun
Ungültige Schreibung leid tun
Rechtschreibregeln § 34 (3), § 56 (2)

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. ⟨etw. tut jmdm. leid⟩, ⟨es tut jmdm. leid⟩ ein Gefühl des Bedauerns, der Reue erzeugen, auslösen; Bedauern, Reue empfinden
    1. a) ⟨so leid es mir (auch) tut⟩ als formelhafter Ausdruck des Bedauerns, bevor (seltener nachdem) dem Gesprächspartner eine ungünstige Entscheidung, eine negative Tatsache mitgeteilt wird
    2. b) ⟨das wird dir noch leidtun !⟩ als Drohung; als Vorhersage eines negativen Ausgangs
    3. c) [umgangssprachlich] ⟨das braucht dir nicht leidtun, leidzutun⟩ als Trost
  2. 2. ⟨jmd. tut jmdm. leid⟩ Mitgefühl, Mitleid erregen, auslösen
    1. ● [umgangssprachlich, gelegentlich abwertend] ⟨jmd. kann einem leidtun⟩
ZDL-Vollartikel

Bedeutungen

1.
etw. tut jmdm. leid, es tut jmdm. leidein Gefühl des Bedauerns, der Reue erzeugen, auslösen; Bedauern, Reue empfinden
Ob das Verb nur als Teil einer unverbindlichen, oberflächlichen bzw. ironisch gemeinten formelhaften Äußerung auftritt oder ob echtes Bedauern, tiefempfundene Reue zum Ausdruck gebracht wird, lässt sich nur aus dem Kontext oder aus der genauen Kenntnis der Umstände erschließen.
Kollokationen:
mit Adverbialbestimmung: es tut mir schrecklich, unendlich, furchbar leid; gelegentlich ironisch es tut mir herzlich leid; umgangssprachlich (es) tut mir echt leid
Beispiele:
Die Tat, die rund sechs Jahre zurückliegt, scheint dem Angeklagten sichtlich leidzutun. [Rhein-Zeitung, 14.02.2017]
Und wo willst du hingehen? [–] Ich weiß es noch nicht. Aber ich werde fortgehen und es wird dir leidtun. [–] Sicher würde es mir leidtun. Sehr sogar. [»Downton Abbey« Episode #1.6, 2010, aufgerufen am 31.10.2014]
Hi. Tut mir leid, dass ich zu spät bin. [»The Big Bang Theory« – The Table Polarization, 2014, aufgerufen am 31.10.2014]
umgangssprachlich Tut mir leid, tut mir echt leid, daß ich grob geworden bin, was sonst wirklich nicht meine Art ist. [Wondratschek, Wolf: Mozarts Friseur. München, Wien: Carl Hanser Verlag 2002, S. 128]
Ich legte mir unterwegs ein paar Gedanken zurecht, die ich am Grabe Werners sprechen wollte. Das fiel mir nicht schwer – ich hatte ihn ja gut gekannt und sehr gemocht. In der Friedhofskapelle wartete Werners Vater, Chefkonstrukteur in einem großen Werk. Er tat mir unendlich leid. [Killian, Hans: Auf Leben und Tod. München: Wilhelm Heyne Verlag 1976, S. 229]
a)
als formelhafter Ausdruck des Bedauerns, bevor (seltener nachdem) dem Gesprächspartner eine ungünstige Entscheidung, eine negative Tatsache mitgeteilt wird
Phrasem:
so leid es mir (auch) tut (= ich bedaure es zwar (aber …))
Beispiele:
So leid es mir tut, aber der Job kommt an erster Stelle. [»Desperate Housewives« – I Remember That, 2007, aufgerufen am 31.10.2014]
»Herr Landauer«, sagte sie, »so leid es mir tut, aber ihre Gertrud, die muß ich nächstens raussetzen, die macht mir das ganze Lokal rebellisch.« [Reimann, Brigitte: Franziska Linkerhand. Berlin: Neues Leben 1974, S. 149]
»Hierin muß ich Ihnen, Madame, als der einzige, der darüber Auskunft zu geben vermag, so leid es mir tut, unrecht geben,« sagte Kößling lächelnd, sehr verbindlich, aber sehr bestimmt und suchte Jettchens Blick. [Hermann, Georg [d. i. Borchardt, Georg Hermann]: Jettchen Gebert. Berlin: Fleischel 1919 [1906], S. 98]
b)
als Drohung; als Vorhersage eines negativen Ausgangs (4 c)
Phrasem:
das wird dir noch leidtun (= du wirst es noch bereuen) (= Du wirst schon sehen, was du davon hast)!
Beispiele:
Noch im Gerichtssaal hatte der Mann seiner einstigen Partnerin gedroht – das werde ihr noch leidtun. [Neue Osnabrücker Zeitung, 02.10.2018]
»Das wird dir alles noch mal furchtbar leidtun!«, hat meine Mutter auch oft gesagt. Der Satz hatte einen zweiten Teil. Einen Teil, der mit »wenn …« begann. Und der umso bedrohlicher war, weil sie ihn niemals aussprach. [Frankfurter Rundschau, 12.01.2019]
Du Natter, das wird dir noch leidtun! [Wickie und die starken Männer, 2009, aufgerufen am 31.10.2014]
c)
umgangssprachlich als Trost
Phrasem:
das braucht dir nicht leidtun, leidzutun (= du musst dich nicht entschuldigen, dafür kannst du nichts)
Beispiele:
Tut mir übrigens leid, das mit Rosi. [–] […] Braucht dir nicht leidzutun. Der eine Traum zerbricht, der andere geht in Erfüllung. [Schwere Jungs, 2006, aufgerufen am 31.10.2014]
Das braucht dir nicht leidzutun, meine Liebe. [Leseprobe: Fiona – Sterben, 02.09.2019, aufgerufen am 31.08.2020]
»Ach, der braucht dir jetzt nicht wirklich leidtun«, murrte Ron nachtragend, mit seiner gesegneten Gabe, seine Gefühle locker flockig auf einen Teelöffel füllen zu können. [Kapitel 649–650, 04.12.2018, aufgerufen am 01.09.2020]
2.
jmd. tut jmdm. leidMitgefühl, Mitleid erregen, auslösen
Kollokationen:
mit Adverbialbestimmung: jmdm. sehr, schrecklich, sichtlich leidtun
Beispiele:
Menschen, die wirklich leiden, tun mir leid. [126, 21.06.2020, aufgerufen am 01.09.2020]
Lisa Rosbach fühlt […] mit den Verlierern der Gesellschaft – den Obdachlosen oder den Nutzern der Tafeln: »Sie tun mir wirklich leid [Rhein-Zeitung, 29.04.2020]
Er [Vater mit Alkoholproblem] tut mir so leid[,] weil er nicht versteht, dass er ein ernstes Problem hat, und denkt[,] wir hätten uns alle gegen ihn verschworen und wollen ihm was Böses. [Urbia User, 09.09.2020, aufgerufen am 18.09.2020]
Arbeitende Frauen mit Kindern in der Schweiz haben mir gesagt, dass sie den Menschen leidtun, wenn sie sagen, dass sie zur Arbeit gehen. [Jill Ader: »Arbeitende Mütter bekommen in der Schweiz Mitleid«, 30.10.2019, aufgerufen am 31.08.2020]
Er hat mir als Schülerin leid getan, der griechische Held Sisyphus. [Allgemeine Zeitung, 21.01.2006] ungültige Schreibung
umgangssprachlich, gelegentlich abwertend
Phrasem:
jmd. kann einem leidtun (= jmd. ist zu bemitleiden, zu bedauern)
Beispiele:
Sicher ein tolles Motiv, aber die Braut in ihrem rückenfreien Kleid konnte einem schon ein wenig leidtun, denn es war doch recht kalt und windig. [Endlich wieder Island – Was für ein faszinierendes Land!, 05.08.2019, aufgerufen am 01.09.2020]
Der BVB ließ hinten nichts zu und so konnte einem Torwart Deubel wahrlich leidtun, der durchnässt in seinem Tor stand und ohne Bewegung doch so aussah, als würde [er] leicht frieren. [Kantersieg bringt U17 alleinige Tabellenspitze!, 03.09.2017, aufgerufen am 01.09.2020]
Sie sind ein böser alter Mann. Sie können einem leidtun. Ich wünsche Ihnen aus tiefstem Herzen, dass man einmal so mit Ihnen umgeht, wie Sie mit Ihren Patienten, und dass Sie keine Chance haben, sich zu wehren. [Amour, 2012, aufgerufen am 31.10.2014]

letzte Änderung:

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandem) leidtun · (sich seiner) Schuld bewusst sein · (sich) in Selbstkritik üben · (sich) reumütig zeigen · Reue zeigen · bereuen  ●  (sich) Asche aufs Haupt streuen  fig. · Asche auf sein Haupt streuen  fig. · im Büßergewand herumlaufen  fig. · im Büßerhemd gehen  fig. · in Sack und Asche gehen  fig., variabel · (jemanden) reuen  geh., veraltet · (sich) in Zerknirschung üben  geh., ironisierend
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemandem) leidtun · bedauern  ●  (jemandem) in der Seele weh tun  ugs., Redensart · (jemanden) dauern  geh., veraltend, literarisch
Assoziationen
  • (ich) bitte tausendmal um Entschuldigung · bedaure · bedaure sehr · ich bin untröstlich · tut mir außerordentlich leid · tut mir echt leid · tut mir leid  ●  sorry  ugs., engl.

Typische Verbindungen zu ›leidtun‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›leidtun‹.

Zitationshilfe
„leidtun“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/leidtun>, abgerufen am 29.11.2021.

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