leiern

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung lei-ern
Wortbildung  mit ›leiern‹ als Erstglied: ↗Leierei · ↗Leierkasten · ↗Leiermann
 ·  mit ›leiern‹ als Letztglied: ↗Geleier · ↗Geleiere · ↗ableiern · ↗anleiern · ↗ausleiern · ↗herleiern · ↗herunterleiern · ↗hochleiern · ↗nachleiern
eWDG, 1969

Bedeutung

salopp
1.
etw. mehrmals hintereinander drehen, winden
Beispiele:
sie hat bald eine halbe Stunde die Kaffeemühle, Kurbel geleiert
er leierte den Eimer aus dem Brunnen (= er wand den Eimer aus dem Brunnen nach oben)
bildlich
Beispiele:
wir konnten ihm noch einiges Geld aus dem Kreuz leiern (= wir bekamen mühsam noch einiges Geld von ihm)
und wenn ich den Hühnern die Eier aus dem Darm leiern (= holen) soll [StrittmatterTinko324]
2.
eine Melodie auf dem Leierkasten spielen
Beispiel:
Man hört eine ferne Drehorgel ... das Lied vom Schinderhannes leiern [ZuckmayerSchinderhannesIV]
3.
ohne Betonung oder ohne Wechsel der Stimmlage, eintönig, gleichförmig sprechen
Beispiele:
abwertendzum Schluss seiner Rede leierte er nur noch
abwertender spricht mit leiernder Stimme
etw. (Auswendiggelerntes) mechanisch und monoton hersagen, herunterleiern
Beispiele:
Gebete, ein Gedicht, Beschwörungsformeln leiern
sie beteten, sangen leiernd
Ein Reiseführer hat ein paar komische Namen geleiert [M. WalserSchwarzer Schwan3]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Leier · Leierkasten · leiern · ableiern · abgeleiert · ausleiern · ausgeleiert
Leier f. Die Bezeichnung für das antike, durch Zupfen oder Anschlagen zum Tönen zu bringende Saiteninstrument lat. lyra, griech. lýra (λύρα) ergibt die Entlehnung ahd. līra (9. Jh.), mhd. līre. Der Ausdruck geht im ausgehenden Mittelalter (14. Jh.) auf die mechanisch betriebene Drehleier (mlat. organistrum) über, deren Saiten durch eine Kurbel zum Klingen gebracht werden. Zur Zeit des Humanismus wird Leier wieder Bezeichnung für die antike Lyra (16. Jh.), während das weiterentwickelte mechanisch betriebene Instrument Leierkasten m. (um 1800) genannt wird. An (Dreh)leier knüpft der umgangssprachliche Gebrauch von Leier als ‘Kurbel zum Drehen, Drehvorrichtung’ (15. Jh.) an. Redensartlich (im Hinblick auf den geringen Tonumfang bzw. den ausdruckslosen, stets wiederkehrenden Vortrag) eine alte Leier ‘längst Bekanntes’ (16. Jh.), auf einer, bei seiner Leier bleiben (17. Jh.), immer die alte Leier ‘immer dasselbe’ (18. Jh.). leiern Vb. ‘monoton hersagen, gleichförmig sprechen, eine Melodie auf dem Leierkasten spielen, (eine Kurbel) drehen’, mhd. līren ‘die Leier spielen, eintönig singen oder sprechen, hinausziehen, zögern’. ableiern Vb. ‘(bis zum Überdruß) eintönig, mechanisch vortragen, hersagen, absingen’ (Ende 18. Jh.); abgeleiert Part.adj. ‘abgedroschen, abgenutzt’ (19. Jh.). ausleiern Vb. ‘durch häufigen Gebrauch, durch vieles Drehen abnutzen’ (17. Jh.); ausgeleiert Part.adj. ‘überdreht, abgenutzt’ (um 1800).

Typische Verbindungen zu ›leiern‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›leiern‹.

Verwendungsbeispiele für ›leiern‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Manchmal leierte es, dann klang das Lied wieder rein und klar wie einst.
Der Tagesspiegel, 02.07.1999
Meine Mutter hatte mir schon Tage vorher das Versprechen aus dem Kreuz geleiert, wenigstens bis Mitternacht zu bleiben.
Brussig, Thomas: Wasserfarben, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1991], S. 40
Erfahrungsgemäß macht die ROM-Port-Buchse dieses Spiel nicht beliebig lange mit, sondern leiert schnell aus.
C't, 1990, Nr. 3
Porfirio, so hieß der Verwachsene, schob sich an uns heran und leierte seinen Spruch auf Deutsch.
Thelen, Albert Vigoleis: Die Insel des zweiten Gesichts, Düsseldorf: Claassen 1981 [1953], S. 108
Heulend und zitternd, die Röcke übers Gesicht geschlagen, hätten sie dort im Stroh gehockt und Gebete geleiert.
Schaper, Edzard: Der Henker, Zürich: Artemis 1978 [1940], S. 35
Zitationshilfe
„leiern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/leiern>, abgerufen am 07.06.2020.

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