Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

leiern

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung lei-ern
Wortbildung  mit ›leiern‹ als Erstglied: Leierei · Leierkasten · Leiermann · Leierorgel
 ·  mit ›leiern‹ als Letztglied: Geleier · Geleiere · ableiern · anleiern · ausleiern · herleiern · herunterleiern · hochleiern · nachleiern
eWDG

Bedeutung

salopp
1.
etw. mehrmals hintereinander drehen, winden
Beispiele:
sie hat bald eine halbe Stunde die Kaffeemühle, Kurbel geleiert
er leierte den Eimer aus dem Brunnen (= er wand den Eimer aus dem Brunnen nach oben)
bildlich
Beispiele:
wir konnten ihm noch einiges Geld aus dem Kreuz leiern (= wir bekamen mühsam noch einiges Geld von ihm)
und wenn ich den Hühnern die Eier aus dem Darm leiern (= holen) soll [ StrittmatterTinko324]
2.
eine Melodie auf dem Leierkasten spielen
Beispiel:
Man hört eine ferne Drehorgel … das Lied vom Schinderhannes leiern [ ZuckmayerSchinderhannesIV]
3.
ohne Betonung oder ohne Wechsel der Stimmlage, eintönig, gleichförmig sprechen
Beispiele:
abwertendzum Schluss seiner Rede leierte er nur noch
abwertender spricht mit leiernder Stimme
etw. (Auswendiggelerntes) mechanisch und monoton hersagen, herunterleiern
Beispiele:
Gebete, ein Gedicht, Beschwörungsformeln leiern
sie beteten, sangen leiernd
Ein Reiseführer hat ein paar komische Namen geleiert [ M. WalserSchwarzer Schwan3]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Leier · Leierkasten · leiern · ableiern · abgeleiert · ausleiern · ausgeleiert
Leier f. Die Bezeichnung für das antike, durch Zupfen oder Anschlagen zum Tönen zu bringende Saiteninstrument lat. lyra, griech. lýra (λύρα) ergibt die Entlehnung ahd. līra (9. Jh.), mhd. līre. Der Ausdruck geht im ausgehenden Mittelalter (14. Jh.) auf die mechanisch betriebene Drehleier (mlat. organistrum) über, deren Saiten durch eine Kurbel zum Klingen gebracht werden. Zur Zeit des Humanismus wird Leier wieder Bezeichnung für die antike Lyra (16. Jh.), während das weiterentwickelte mechanisch betriebene Instrument Leierkasten m. (um 1800) genannt wird. An (Dreh)leier knüpft der umgangssprachliche Gebrauch von Leier als ‘Kurbel zum Drehen, Drehvorrichtung’ (15. Jh.) an. Redensartlich (im Hinblick auf den geringen Tonumfang bzw. den ausdruckslosen, stets wiederkehrenden Vortrag) eine alte Leier ‘längst Bekanntes’ (16. Jh.), auf einer, bei seiner Leier bleiben (17. Jh.), immer die alte Leier ‘immer dasselbe’ (18. Jh.). leiern Vb. ‘monoton hersagen, gleichförmig sprechen, eine Melodie auf dem Leierkasten spielen, (eine Kurbel) drehen’, mhd. līren ‘die Leier spielen, eintönig singen oder sprechen, hinausziehen, zögern’. ableiern Vb. ‘(bis zum Überdruß) eintönig, mechanisch vortragen, hersagen, absingen’ (Ende 18. Jh.); abgeleiert Part.adj. ‘abgedroschen, abgenutzt’ (19. Jh.). ausleiern Vb. ‘durch häufigen Gebrauch, durch vieles Drehen abnutzen’ (17. Jh.); ausgeleiert Part.adj. ‘überdreht, abgenutzt’ (um 1800).

Typische Verbindungen zu ›leiern‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›leiern‹.

Verwendungsbeispiele für ›leiern‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Manchmal leierte es, dann klang das Lied wieder rein und klar wie einst. [Der Tagesspiegel, 02.07.1999]
Meine Mutter hatte mir schon Tage vorher das Versprechen aus dem Kreuz geleiert, wenigstens bis Mitternacht zu bleiben. [Brussig, Thomas: Wasserfarben, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1991], S. 40]
Erfahrungsgemäß macht die ROM‑Port‑Buchse dieses Spiel nicht beliebig lange mit, sondern leiert schnell aus. [C't, 1990, Nr. 3]
Dieses hatte sie vorher der Stadtverwaltung aus dem Kreuz geleiert. [Die Zeit, 08.11.2010, Nr. 45]
Dann kann er ihm in den kommenden Jahren noch viel mehr Geld aus der Tasche leiern. [Süddeutsche Zeitung, 07.07.2003]
Zitationshilfe
„leiern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/leiern>.

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