leihen

GrammatikVerb · lieh, hat geliehen
Aussprache
Worttrennunglei-hen
Wortbildung mit ›leihen‹ als Erstglied: ↗Leihanstalt · ↗Leiharbeiter · ↗Leihbibliothek · ↗Leihbücherei · ↗Leihfahrzeug · ↗Leihfrack · ↗Leihgabe · ↗Leihgeber · ↗Leihgebühr · ↗Leihhaus · ↗Leihmutter · ↗Leihschein · ↗Leihverkehr · ↗Leihverpackung · ↗Leihvertrag · ↗Leihwagen · ↗leihweise
 ·  mit ›leihen‹ als Letztglied: ↗ausleihen · ↗darleihen · ↗herleihen
 ·  mit ›leihen‹ als Grundform: ↗Leihe · ↗entleihen · ↗verleihen
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
sich [Dativ] von jmdm. etw. leihenmit dem Versprechen der Rückgabe etw. von jmdm. vorübergehend annehmen, sich etw. borgen
Beispiele:
er lieh sich von, bei ihr ein Buch, fünf Euro
das Fahrrad habe ich nur, ist nur geliehen
2.
jmdm. etw. leihenunter dem Versprechen der Rückgabe jmdm. etw. vorübergehend geben, borgen
Beispiele:
er lieh ihm Geld, sein Fahrrad
kannst du mir bitte dein Taschenmesser leihen?
3.
gehoben jmdm. etw. zuteilwerden lassen, geben
Beispiele:
jmdm. seine Hilfe, Unterstützung, Aufmerksamkeit, seinen Beistand, sein Vertrauen leihen
jmdm., einer Sache ein williges Ohr leihen (= jmdn., etw. anhören)
jmdm. seine Stimme leihen (= für jmdn. eintreten, bei einer Wahl stimmen)
etw. verleihen
Beispiele:
die dicken Wände liehen dem Raum angenehme Kühle
Ich glaube nicht an die Fähigkeiten, die uns die Todesangst leihen soll [S. LenzBrot166]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

leihen · entleihen · verleihen · Verleihung · Verleiher · Verleih · Anleihe
leihen Vb. ‘gegen die Verpflichtung zur Rückgabe jmdm. etw. geben oder etw. von jmdm. annehmen, borgen’, ahd. līhan ‘(ver)leihen, geben’ (9. Jh.), mhd. līhen ‘auf Borg nehmen’, selten ‘auf Borg geben’, asächs. līhan, mnd. līen, aengl. lēon, anord. ljā, got. leiƕan wird mit ↗Lehen und davon abgeleitetem ↗lehnen (s. d.) und den außergerm. Verwandten aind. riṇákti ‘läßt, überläßt, gibt auf, entbindet, läßt los’, rikthá- ‘Nachlaß, Erbschaft’, rḗkṇaḥ ‘ererbter Besitz, Eigentum, Habe’, atirēkaḥ ‘Überschuß, Überbleibsel’, griech. lé͞ipein (λιμπάνειν) ‘verlassen, zurück-, hinterlassen’ (s. ↗Ellipse), limpánein (λιμπάνειν) ‘(ver)lassen’, loipós (λοιπός) ‘übriggelassen, übrig’, lé͞imma (λεῖμμα) ‘Rest’, lat. relinquere ‘zurücklassen’ (s. ↗Relikt), reliquus ‘zurückgelassen, übrig’ (s. ↗Reliquie), aslaw. otъlěkъ ‘das Übrige, Rest’, lichъ ‘übermäßig, über etw. hinaus, Mangel habend’, russ.-kslaw. lěkъ ‘Überbleibsel, Rest’, russ. lichój (лихой) ‘böse, arg, kühn, tapfer’ auf eine Wurzel ie. *leiku̯- ‘lassen, zurück-, übriglassen’ zurückgeführt. Das Germ. hat den ursprünglichen Bedeutungsumfang auf ‘überlassen’ eingeschränkt. Die Bedeutung ‘übriglassen, -bleiben’ findet sich bei Formen, die jetzt zu ie. *leip- (s. ↗bleiben) gestellt werden, möglicherweise aber auf ie. *leiku̯- zurückgehen (s. ↗elf). entleihen Vb. ‘sich leihen, borgen’, ahd. intlīhan ‘aus-, ver-, entleihen’ (8. Jh.), mhd. entlīhen ‘auf Borg nehmen oder geben’. verleihen Vb. ‘zeitweise zum Gebrauch überlassen, leihen, verborgen, als Auszeichnung feierlich übergeben, auszeichnen’, ahd. firlīhan ‘leihweise, als Geschenk geben, gewähren’ (um 800), mhd. verlīhen ‘als Darlehen, als Lehen oder in Miete geben, schenken, geben, zuteil werden lassen’; Verleihung f. ‘feierliche Zusprechung, Übertragung’ (16. Jh.); Verleiher m. ‘wer etw. (gewerbsmäßig) verborgt’, mhd. verlīher; Verleih m. ‘Unternehmen, das etw. gewerbsmäßig gegen eine Gebühr verleiht’ (1. Hälfte 20. Jh.). Anleihe f. ‘(langfristige) Aufnahme einer Geldschuld’, übertragen ‘Verwendung fremden geistigen Eigentums’ (18. Jh.), anstelle des älteren Anlehen n., ahd. analēhan ‘Anleihe’ (um 800), mhd. anlēhen.

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich etwas) ausborgen · ↗(sich etwas) ausleihen · ↗(sich etwas) borgen · (sich etwas) leihen · ↗entlehnen  ●  ↗(sich etwas) pumpen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemandem etwas) ausborgen · ↗(jemandem etwas) ausleihen · ↗(jemandem etwas) borgen · (jemandem etwas) leihen · (jemandem etwas) leihweise zur Verfügung stellen
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ausrüstung Auto Bank Bekannter Fahrrad Finanzmarkt Freund Geld Geldmarkt Geschäftsbank Kapitalmarkt Kondition Kreditinstitut Leerverkauf Name Ohr Ski Stimme Synchronsprecher Verwandter Zentralbank Zins Zinssatz anleihen ausleihen gegenseitig herleihen kurzfristig untereinander zurückzahlen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›leihen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Zuletzt verzockte ich in eineinhalb Jahren etwa 50000 Mark, natürlich größtenteils geliehen.
Süddeutsche Zeitung, 28.03.2003
Dadurch wird es für das Unternehmen teurer, Geld zu leihen.
Der Tagesspiegel, 04.12.2000
Da wir den Zimmern auch das nicht bieten konnten, liehen wir ihnen wenigstens schöne Namen.
Thelen, Albert Vigoleis: Die Insel des zweiten Gesichts, Düsseldorf: Claassen 1981 [1953], S. 455
Vielleicht kann ich mal ein Photo geliehen bekommen und dann möchte ich hiervon nette Aufnahmen machen.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 16.08.1943, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Ich hätte mir bisher nur nicht erlaubt, ihm Worte zu leihen.
Sudermann, Hermann: Das Bilderbuch meiner Jugend. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1922], S. 977
Zitationshilfe
„leihen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/leihen>, abgerufen am 21.05.2019.

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