lesbisch

Grammatik Adjektiv · Komparativ: lesbischer · Superlativ: am lesbischsten
Aussprache 
Worttrennung les-bisch
formal verwandt mit Lesbierin
Wortbildung  formal verwandt mit: ↗Lesbierin
DWDS-Vollartikel

Bedeutungen

1.
von Frauen   (sexuelle) Neigung zum eigenen Geschlecht empfindend (und selbstbewusst im Verhalten zeigend), homosexuell
Kollokationen:
als Adjektivattribut: lesbische Paare, Pärchen, Lebensgemeinschaften; lesbische Frauen; eine lesbische Freundin, Partnerin
als Prädikativ: die Mutter, Tochter ist lesbisch
mit Adverbialbestimmung: offen lesbisch
als Adverbialbestimmung: (offen) lesbisch leben
in vergleichender Wort-/Nominalgruppe: sich als lesbisch outen
in Koordination: schwul und lesbisch; homosexuell, bisexuell, transsexuell und lesbisch; heterosexuell oder lesbisch
Beispiele:
Marlene und Leonie sind seit vielen Jahren zusammen. Seit Kurzem leben sie in eingetragener Lebenspartnerschaft, denn nur dann sind in Deutschland Ärzte bereit, lesbischen Paaren zu einer Schwangerschaft zu verhelfen. [Die Zeit, 22.03.2012]
Ich habe nie Ablehnung erfahren, vielleicht auch, weil ich selbstverständlich mit meiner Homosexualität umgehe. Dazu bin ich gern klassisch weiblich, was bei vielen Menschen nicht zum Bild der lesbischen Frau passt. [Der Spiegel, 04.11.2013 (online)]
übertragen, scherzhaftDie lesbischen Rennechsen [in nur aus Weibchen bestehenden Populationen] pflanzen sich durch Klonen [Parthenogenese] fort. Politisch nicht ganz korrekt. [Die Zeit, 03.02.2000]
Doch so begeistert das Publikum [bei einer Gay-Pride-Parade] […] die homosexuellen Senioren, Feuerwehrmänner und Armeeangehörigen beklatscht, so selbstverständlich schwule und lesbische Pärchen zum Stadtbild [San Franciscos] gehören, soviel Widerstand gibt es auf der konservativen Seite gegen die Gleichberechtigung […] von homosexuellen Männern und Frauen. [Süddeutsche Zeitung, 01.07.1995]
Alle sexuellen und emotionalen Wünsche von Dorothea richten sich und richteten sich immer auf Frauen. Sie sagt von sich: »Ich bin lesbisch«, hat jedoch noch nie mit einer Frau geschlafen. [Schwarzer, Alice: Der »kleine Unterschied« und seine großen Folgen, Frankfurt a. M.: Fischer-Taschenbuch-Verl. 1977 [1975], S. 40]
Wie ein solcher [homosexueller] Mann mit Schrecken gewahr wird, daß ihn sein[…] Weib nicht im mindesten geschlechtlich anzieht, […] ebenso wird die lesbisch empfindende Frau bei der Umarmung des Mannes völlig gleichgültig bleiben, wenn sie nicht gar durch diesen Liebesbeweis angewidert wird. [Gerling, Reinhold: Was muß man vor der Ehe von der Ehe wissen? In: ders., Das große Aufklärungswerk für Braut- und Eheleute, Dresden: Buchversand Gutenberg 1933 [1901], S. 291]
a)
übertragen für homosexuelle Frauen charakteristisch, sie betreffend; von weiblicher Homosexualität, Homoerotik gekennzeichnet, mit ihr zusammenhängend
Kollokationen:
als Adjektivattribut: lesbische Liebe; eine lesbische Beziehung, Affäre; lesbische Neigungen; lesbischer Sex; ein lesbisches Coming-out; eine lesbische Hochzeit
Beispiele:
[…] mir ist eigentlich ganz egal, ob jemand Mädchen oder Jungen liebt. Es wäre nur gut, mehr darüber zu lernen, wie lesbische und schwule Beziehungen sind und warum sich Homosexuelle manchmal anders verhalten. [Die Zeit, 08.02.2014]
1992 bekannte sie, dass sie als junges Mädchen lesbische Erfahrungen gemacht habe und pries die Wonnen der Bisexualität: […] [Süddeutsche Zeitung, 12.07.2004]
Hauptsächlich in lockeren Gesprächskreisen, die für jeden Homosexuellen offen sind, sollen die Grundlagen für ein schwules oder lesbisches Selbstbewußtsein geschaffen werden. [Ketman, Per u. Wissmach, Andreas: DDR – ein Reisebuch in den Alltag, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1986, S. 185]
Gabi fühlte sich wegen ihrer lesbischen Veranlagung überall unglücklich, bis sie in Berkeley mit Zoya zusammenlebte – dort wurden lesbische Neigungen toleriert wie sonst nirgendwo. [Der Spiegel, 21.12.1981]
Homosexualität, sexuelle Zuneigung zum gleichen Geschlecht; bei Frauen auch Lesbische Liebe genannt. […]. [o. A.: Das Lexikon der Hausfrau, Berlin: Ullstein 1937 [1932], S. 151]
b)
übertragen für homosexuelle Frauen bestimmt, von ihnen geschaffen, betrieben, genutzt oder geschätzt; weibliche Homosexualität oder Homoerotik thematisierend
Kollokationen:
als Adjektivattribut: ein lesbischer Sportverein
Beispiele:
In dem Verein sind schwule und lesbische Organisationen und Projekte vertreten, die die jährliche Parade zum Christopher Street Day der Homosexuellen vorbereiten, die am 23. Juni stattfindet. [Berliner Zeitung, 18.06.2001]
K[…] hat ihre Masterarbeit über den lesbischen Reisemarkt geschrieben. […] Gerade jüngere Frauen hätten wenig Bezug zur feministischen Reise‑Tradition[…]. Party machen und Flirten sei für sie ähnlich wichtig wie für die schwule Zielgruppe. [Die Zeit, 09.09.2013]
Was heißt Theorie? […] Man fängt halt an, lesbische Literatur zu lesen, ein bißchen feministisch zu werden. [die tageszeitung, 20.06.1996]
Die Produzenten [des Films] […] sahen ohne die nackte Bianca [als erotische Hauptdarstellerin] für das lesbische Lustspiel […] keinen finanziellen Erfolg […]. [Der Spiegel, 10.11.1975]
Er [der Publizist] müßte sich zwar gerade in einem Blatt [einer Zeitschrift], das von lesbischen Annoncen allein jährlich einen Tausender verdient, nicht so genieren, aber er zieht es vor, seine Eindrücke von Wien als dezentes Programm zu servieren. [Die Fackel, 2002 [1914]]
2.
bildungssprachlich, veraltend von der griechischen Insel Lesbos stammend, zu ihr gehörig
Beispiele:
So erzählen […] Fragmente des lesbischen Dichters Alkaios […] den Frevel des Aias […]. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.06.2002]
Auch die frühe Chorlyrik […] des 7. bis 5. Jahrhunderts wurden von Saiteninstrumenten begleitet. Hierhin gehören die Schöpfungen Alkmans und Pindars, ferner die der lesbischen Schule, vor allem der Dichterin und Sängerin Sappho[…]. [Schneider, Günter: Musik der Meister – Meister der Musik, Gütersloh: Bertelsmann 1977, S. 24]
Sappho und Alkaios, die beiden lesbischen Lyriker, mehrten das Erbe des Archilochos und steigerten es zu einer neuen, noch persönlicheren Form. [Dounias, Minos E. u. a.: Griechenland. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1956], S. 29933]
Mytilene war seit langem die mächtigste der lesbischen Städte. [Meyer, Eduard: Geschichte des Altertums, Bd. III. In: Geschichte des Altertums, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1901], S. 18742]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

lesbisch · Lesbierin · Lesbe
lesbisch Adj. ‘homosexuell’ von Frauen (20. Jh.), zuerst in der Fügung lesbische Liebe ‘Homosexualität zwischen Frauen’ (19. Jh.), nach der griechischen Insel Lésbos (Λέσβος) im Ägäischen Meer, wo die griechische Dichterin Sappho (um 600 v. u. Z.) die Schönheit von jungen Mädchen einer Kultgemeinschaft in leidenschaftlichen Liedern pries. Danach galt in der Antike das von griech. Lesbís (Λεσβίς) ‘Frau von Lesbos’ abgeleitete Verb griech. lesbiázein (λεσβιάζειν) ‘sich wie die Frauen von Lesbos verhalten’ auch für sexuelle Kontakte zwischen Frauen. Lesbierin f. ‘Frau, die zu einer anderen sexuelle Zuneigung empfindet’ (19. Jh.). Heute verbreitet die umgangssprachliche Rückbildung Lesbe f. (20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
lesbisch · ↗sapphisch
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›lesbisch‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›lesbisch‹.

Zitationshilfe
„lesbisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/lesbisch>, abgerufen am 08.04.2021.

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