Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

leutselig

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung leut-se-lig
Wortzerlegung Leute selig
Wortbildung  mit ›leutselig‹ als Erstglied: Leutseligkeit
eWDG

Bedeutungen

1.
spöttisch herablassend freundlich
Beispiele:
Hergenröther hatte ihm leutselig auf die Schulter geklopft [ ZuchardtSpießrutenlauf19]
Die Polizei blieb zum Glück nicht lange, prüfte, leutselig und einem kleinen Scherze durchaus nicht abhold [ PenzoldtErdenwurm218]
2.
freundlich aufgeschlossen und mitteilsam
Beispiele:
der Großvater war ein leutseliger alter Herr
er verstand es, den Tod als einen leutseligen Gast unter den Seinen umgehen zu lassen [ HagelstangeSpielball240]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Leute · leutselig · Leutseligkeit
Leute Plur. ‘Menschen, Öffentlichkeit, Publikum, in einem Arbeits-, Dienstverhältnis stehende Personen’, ahd. liuti Plur. ‘Volk, Völkerschaft’ (8. Jh.), ‘Bevölkerung, Menschenmenge’ (9. Jh.), ‘Untergebene’ (10. Jh.), mhd. liute, asächs. liudi, mnd. lǖde, mnl. liede, lūde, nl. (fläm.) lieden, (holl.) luiden, aengl. lēode ist die Pluralform zu einem in ahd. liut m. f. n. ‘Volk, Volksstamm, Bevölkerung’ (9. Jh.), mhd. liut m. n., mnd. lǖt, aengl. lēod, anord. ljōðr, lȳðr (germ. *leudi-) belegten Substantiv. Verwandt sind lit. liáudis ‘niederes, gewöhnliches Volk’, lett. lͅaudis (Plur.) ‘Leute, Menschen’, aslaw. l’udъ ‘Volk’, Plur. l’udịje ‘Menschen, Leute, Volk, Völker’, russ. ljud (люд) ‘Volk’, Plur. ljúdi (люди) ‘Menschen, Leute’. Vergleichbar ist ahd. liotan ‘wachsen’ (9. Jh.; vgl. irliotan, 8. Jh., framirliotan ‘emporwachsen’, 8./9. Jh.), asächs. liodan, aengl. lēodan, got. liudan ‘wachsen’ sowie aind. rṓdhati ‘wächst’, rṓhati ‘wächst, steigt empor, besteigt’, toch. A lutk- ‘werden lassen’, griech. elé͞utheros (ἐλεύθερος) ‘frei, freier Mann’, lat. līber ‘frei’, līberī ‘Kinder’, air. luss ‘Pflanze’, so daß von einer Wurzel ie. *leudh- ‘emporwachsen, hochkommen’ auszugehen ist (s. auch lodern). leutselig Adj. ‘freundlich aufgeschlossen und mitteilsam, umgänglich’, mhd. liutsælec, liutsælic ‘den Menschen wohlgefällig, anmutig, niedlich, zierlich’ (s. selig), seit dem 16. Jh. ‘den einfachen Leuten wohlgesonnen’, daher heute oft spöttisch ‘herablassend freundlich’; Leutseligkeit f. mhd. liutsælecheit ‘Wohlgefälligkeit den Menschen gegenüber, Anmut’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Synonymgruppe
großzügig · gönnerhaft · jovial · leutselig
Synonymgruppe
entgegenkommend · freundlich · gesellig · soziabel · umgänglich · verträglich · wohlwollend  ●  leutselig  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›leutselig‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›leutselig‹.

Verwendungsbeispiele für ›leutselig‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er war ein leutseliger älterer Herr, der mich wie seinen Sohn angenommen hat. [Der Tagesspiegel, 29.04.2005]
Im jähen Wechsel gibt er sich jovial, gallig, leutselig oder undurchschaubar. [Der Tagesspiegel, 11.12.2000]
Der Chef gibt dann Interviews in der Pause, schüttelt Hände, reißt leutselig Witze. [Süddeutsche Zeitung, 23.10.2002]
Rundum lebensfreudig wirkte er, leutselig und herzhaft humorig dem Genuß zugetan. [Süddeutsche Zeitung, 20.01.1999]
Ein leutseliger Wachtposten empfahl uns, schleunigst das Weite zu suchen. [Reich-Ranicki, Marcel: Mein Leben, Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt 1999, S. 174]
Zitationshilfe
„leutselig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/leutselig>.

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