lichten

GrammatikVerb · lichtete, hat gelichtet
Aussprache
Worttrennunglich-ten
Wortbildung mit ›lichten‹ als Letztglied: ↗ablichten · ↗auflichten · ↗auslichten · ↗durchlichten
 ·  mit ›lichten‹ als Grundform: ↗belichten
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
sich lichtenweniger dicht werden, mit weiten Zwischenräumen, Lücken gefügt sein
Beispiele:
der Wald, das Gehölz, Dickicht lichtet sich
der dichte Nebel lichtete sich
jmds. Haar lichtet sich (immer mehr), beginnt sich schon zu lichten
ein (stark) gelichteter Scheitel
die Reihen der Zuschauer lichteten sich (= von den Zuschauern gingen mehrere nach und nach weg)
der Kreis, die Runde, Zahl der Besucher lichtete sich
Am ... Rande des hohen Feldes, wo die Föhren sich lichteten [G. KellerGr. Heinrich4,169]
bildlich
Beispiel:
durch die Epidemie war die Bevölkerung sehr gelichtet (= waren viele zugrunde gegangen)
2.
einen Wald lichteneinen Wald von (unnötigen) Bäumen befreien, ausholzen
Beispiele:
den Baumbestand lichten
ein stark gelichtetes Waldgebiet, Dickicht
später haben die Axt und die Säge große Strecken des prächtigen Waldes gefällt und gelichtet [BebelAus meinem Leben45]
gehoben, bildlich
Beispiel:
Je mehr der Tod die Kinderscharen lichtet (= viele von den Kindern tötet) [TollerMaschinenstürmerVorsp.]
3.
gehoben sich lichtenheller werden, sich aufhellen
Beispiele:
das Dunkel lichtet sich
Er sah, daß der Morgen zum Fenster hereinschien ... Daß der Himmel sich gelichtet [C. Hauptm.Einhart1,244]
bildlich
Beispiel:
jmds. Blick, Gesicht lichtet sich
klarer, verständlicher werden
Beispiele:
jmds. Verstand, Bewusstsein lichtet sich
Ignoranz ... die sich erst mit den Jahren langsam gelichtet hat [Th. Mann11,311]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

licht · Licht · lichten1 · Lichtung · belichten · Belichtung · lichterloh · Lichtblick · Lichtjahr
licht Adj. ‘hell, leuchtend, strahlend, klar, dünn, gelichtet, mit weiten Zwischenräumen’, ahd. (8. Jh.), asächs. lioht, mhd. lieht, mnd. mnl. licht, lecht, nl. licht, aengl. lēoht, līht, engl. light. Das mit Dentalsuffix gebildete Adjektiv gehört mit ↗leuchten und ↗Lohe (s. d.) sowie aind. rṓcatē ‘leuchtet, scheint, glänzt’, rōcaná- ‘hell, licht’, rōcíṣ- ‘Licht, Glanz’, griech. leukós (λευκός) ‘leuchtend, glänzend, weiß’ (s. ↗leuko-, ↗Levkoje), lýchnos (λύχνος) ‘Leuchte, Lampe’, lat. (mit monophthongischem ū aus ie. eu bzw. ou) lūx (Genitiv lūcis) ‘Licht’, lūcēre ‘hell sein, leuchten, strahlen, glänzen’, lūcus ‘Hain’, eigentlich ‘(Wald)lichtung’, lūmen ‘Licht, Leuchte’ (s. ↗illuminieren), lūna ‘Mond’, eigentlich ‘die Leuchtende’, lūstrāre ‘hell machen, beleuchten’, auch ‘reinigen, weihen’ (s. ↗illuster, ↗illustrieren), (mit ungeklärtem u) lucerna ‘Leuchte, Lampe’ (s. ↗Luzerne), air. lōchet ‘Blitz’, lit. laũkas ‘mit einem weißen Fleck auf der Stirn, Feld, Acker, Land (Lichtung)’, aslaw. luča, russ. luč (луч) ‘Strahl’ zur Wurzel ie. *leuk- ‘leuchten, licht’. Licht n. ‘Helligkeit, heller Schein, Tageslicht, Beleuchtung, Kerze’, ahd. (8. Jh.), asächs. lioht, mhd. lieht, mnd. licht, lecht, mnl. licht, lecht, liecht, lucht, nl. licht, aengl. lēoht, engl. light ist eine Substantivierung des oben genannten Adjektivs oder eine got. liuhaþ ‘Licht’ entsprechende Bildung mit Dentalsuffix zur Wurzel. Licht bezeichnet zunächst Helligkeit und Glanz, die von einem Gegenstand ausstrahlen, dann auch die ‘brennende, Licht gebende Kerze’ (15. Jh.). lichten1 Vb. ‘hell machen, erhellen, (einen Wald) von (unnötigen) Bäumen befreien, ausholzen’, reflexiv ‘heller werden, sich aufhellen, klarer, verständlicher werden’, Bildung (17. Jh.) zum Adjektiv licht, unabhängig von älterem mhd. liehten ‘hell werden, sein, leuchten, tagen’; dazu Lichtung f. ‘ausgeholzte oder baumlose Stelle im Wald’ (18. Jh.). belichten Vb. ‘dem Licht aussetzen’ (15. Jh.), in der Fotografie ‘Licht auf ein lichtempfindliches Material kurz einwirken lassen’ (19. Jh., für älteres fachsprachliches exponieren); Belichtung f. ‘Beleuchtung’ (16. Jh.), ‘Lichteinwirkung auf fotografisches Material’ (20. Jh.). lichterloh Adv. ‘mit heller Flamme’ (16. Jh.), zusammengebildet aus dem adverbialen Genitiv frühnhd. li(e)chter Loh, Lohe (s. ↗Lohe); adjektivische Verwendung (18. Jh.) bleibt selten. Lichtblick m. ‘kurzes Leuchten der Sonne’, übertragen ‘lichter Augenblick, Hoffnungsschimmer’; vgl. mhd. liehtblic ‘Blitz’. Lichtjahr n. in der Astronomie Maßeinheit für eine Strecke, die das Licht in einem Jahr zurücklegt (19. Jh.).

lichten2 Vb. ‘leicht(er) machen, (an-, hoch)heben’, besonders in der Wendung den Anker lichten ‘den Anker hochziehen’ aus dem Nd. (1. Hälfte 17. Jh., anfangs auch in der dem Hd. angeglichenen Lautform leichten); vgl. mnd. dat, den anker lüchten, lichten. Mnd. lüchten, entrundet lichten ‘nach oben heben, an-, aufheben, aufnehmen’ entspricht (mit nd. cht für hd. ft) nhd.lüften ‘hochheben’ (s. d.). Entrundetes mnd. lichten fällt mit nachfolgender semantischer Vermischung lautlich zusammen mit von mnd. licht (s. ↗leicht) abgeleitetem mnd. lichten ‘leicht(er) machen’, vgl. ēn schip lichten ‘ein Schiff von Ladung oder Ballast befreien’; dazu mnl. nl. lichten sowie ahd. līhten ‘erleichtern, gering machen’ (9. Jh.), mhd. līhten ‘leicht machen, werden, sich erleichtern’, nhd. leichten ‘leicht werden’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(he)runtergehen · (sich) lichten · ↗(sich) reduzieren · ↗(sich) verkleinern · ↗(sich) vermindern · ↗(sich) verringern · ↗(zahlenmäßig / prozentual) abnehmen · kleiner werden · nach unten gehen · ↗schrumpfen · ↗sinken · weniger werden · ↗zurückgehen  ●  (die) Reihen lichten sich  Redensart, floskelhaft
Assoziationen
  • (stark) einbrechen  fig., variabel · (stark) sinken (Kurse, Preise)  Hauptform · ↗abstürzen  fig. · in den Keller rauschen  fig. · in den Keller gehen  ugs., fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Atrium Bergwald Birkenhain Birkenwald Blau Buchenwald Eichenwald Eingangshalle Farbigkeit Foyer Gefilde Grau Grün Haar Haarkranz Hain Halle Haupthaar Höhe Innenhof Kiefernwald Laubwald Mischwald Moment Raumhöhe Steineichenwald Wald Weite hell luftig

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Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und wenn sie zu sich kam, in den lichten Momenten, wollte sie nach Hause.
Der Tagesspiegel, 15.11.2002
In lichten Räumen ist zu sehen, was aktuell ist in der Welt.
Die Zeit, 27.02.1984, Nr. 09
In der lichten Öffnung wurden sie ihm so seltsam deutlich.
Schaper, Edzard: Der Henker, Zürich: Artemis 1978 [1940], S. 69
Es beherbergte in großen lichten Sälen mehr als hundert Kinder.
Werfel, Franz: Die Vierzig Tage des Musa Dagh I, Stockholm: Bermann - Fischer 1947 [1933], S. 378
Immer lag die lichte Höhe vor uns, immer mußte sie »gleich« erreicht sein.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1929. In: ders., Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1929], S. 114
Zitationshilfe
„lichten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/lichten#1>, abgerufen am 17.09.2019.

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lichten

GrammatikVerb · lichtete, hat gelichtet
Aussprache
Worttrennunglich-ten
eWDG, 1969

Bedeutung

den Anker lichtenden Anker hochziehen
Beispiele:
die Matrosen, Schiffe lichten die Anker
der Anker wird gelichtet
aufs Meer hinausfahren
Beispiel:
nach mehrtägigem Aufenthalt im Hafen lichtete das Schiff die Anker
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

licht · Licht · lichten1 · Lichtung · belichten · Belichtung · lichterloh · Lichtblick · Lichtjahr
licht Adj. ‘hell, leuchtend, strahlend, klar, dünn, gelichtet, mit weiten Zwischenräumen’, ahd. (8. Jh.), asächs. lioht, mhd. lieht, mnd. mnl. licht, lecht, nl. licht, aengl. lēoht, līht, engl. light. Das mit Dentalsuffix gebildete Adjektiv gehört mit ↗leuchten und ↗Lohe (s. d.) sowie aind. rṓcatē ‘leuchtet, scheint, glänzt’, rōcaná- ‘hell, licht’, rōcíṣ- ‘Licht, Glanz’, griech. leukós (λευκός) ‘leuchtend, glänzend, weiß’ (s. ↗leuko-, ↗Levkoje), lýchnos (λύχνος) ‘Leuchte, Lampe’, lat. (mit monophthongischem ū aus ie. eu bzw. ou) lūx (Genitiv lūcis) ‘Licht’, lūcēre ‘hell sein, leuchten, strahlen, glänzen’, lūcus ‘Hain’, eigentlich ‘(Wald)lichtung’, lūmen ‘Licht, Leuchte’ (s. ↗illuminieren), lūna ‘Mond’, eigentlich ‘die Leuchtende’, lūstrāre ‘hell machen, beleuchten’, auch ‘reinigen, weihen’ (s. ↗illuster, ↗illustrieren), (mit ungeklärtem u) lucerna ‘Leuchte, Lampe’ (s. ↗Luzerne), air. lōchet ‘Blitz’, lit. laũkas ‘mit einem weißen Fleck auf der Stirn, Feld, Acker, Land (Lichtung)’, aslaw. luča, russ. luč (луч) ‘Strahl’ zur Wurzel ie. *leuk- ‘leuchten, licht’. Licht n. ‘Helligkeit, heller Schein, Tageslicht, Beleuchtung, Kerze’, ahd. (8. Jh.), asächs. lioht, mhd. lieht, mnd. licht, lecht, mnl. licht, lecht, liecht, lucht, nl. licht, aengl. lēoht, engl. light ist eine Substantivierung des oben genannten Adjektivs oder eine got. liuhaþ ‘Licht’ entsprechende Bildung mit Dentalsuffix zur Wurzel. Licht bezeichnet zunächst Helligkeit und Glanz, die von einem Gegenstand ausstrahlen, dann auch die ‘brennende, Licht gebende Kerze’ (15. Jh.). lichten1 Vb. ‘hell machen, erhellen, (einen Wald) von (unnötigen) Bäumen befreien, ausholzen’, reflexiv ‘heller werden, sich aufhellen, klarer, verständlicher werden’, Bildung (17. Jh.) zum Adjektiv licht, unabhängig von älterem mhd. liehten ‘hell werden, sein, leuchten, tagen’; dazu Lichtung f. ‘ausgeholzte oder baumlose Stelle im Wald’ (18. Jh.). belichten Vb. ‘dem Licht aussetzen’ (15. Jh.), in der Fotografie ‘Licht auf ein lichtempfindliches Material kurz einwirken lassen’ (19. Jh., für älteres fachsprachliches exponieren); Belichtung f. ‘Beleuchtung’ (16. Jh.), ‘Lichteinwirkung auf fotografisches Material’ (20. Jh.). lichterloh Adv. ‘mit heller Flamme’ (16. Jh.), zusammengebildet aus dem adverbialen Genitiv frühnhd. li(e)chter Loh, Lohe (s. ↗Lohe); adjektivische Verwendung (18. Jh.) bleibt selten. Lichtblick m. ‘kurzes Leuchten der Sonne’, übertragen ‘lichter Augenblick, Hoffnungsschimmer’; vgl. mhd. liehtblic ‘Blitz’. Lichtjahr n. in der Astronomie Maßeinheit für eine Strecke, die das Licht in einem Jahr zurücklegt (19. Jh.).

lichten2 Vb. ‘leicht(er) machen, (an-, hoch)heben’, besonders in der Wendung den Anker lichten ‘den Anker hochziehen’ aus dem Nd. (1. Hälfte 17. Jh., anfangs auch in der dem Hd. angeglichenen Lautform leichten); vgl. mnd. dat, den anker lüchten, lichten. Mnd. lüchten, entrundet lichten ‘nach oben heben, an-, aufheben, aufnehmen’ entspricht (mit nd. cht für hd. ft) nhd.lüften ‘hochheben’ (s. d.). Entrundetes mnd. lichten fällt mit nachfolgender semantischer Vermischung lautlich zusammen mit von mnd. licht (s. ↗leicht) abgeleitetem mnd. lichten ‘leicht(er) machen’, vgl. ēn schip lichten ‘ein Schiff von Ladung oder Ballast befreien’; dazu mnl. nl. lichten sowie ahd. līhten ‘erleichtern, gering machen’ (9. Jh.), mhd. līhten ‘leicht machen, werden, sich erleichtern’, nhd. leichten ‘leicht werden’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(he)runtergehen · (sich) lichten · ↗(sich) reduzieren · ↗(sich) verkleinern · ↗(sich) vermindern · ↗(sich) verringern · ↗(zahlenmäßig / prozentual) abnehmen · kleiner werden · nach unten gehen · ↗schrumpfen · ↗sinken · weniger werden · ↗zurückgehen  ●  (die) Reihen lichten sich  Redensart, floskelhaft
Assoziationen
  • (stark) einbrechen  fig., variabel · (stark) sinken (Kurse, Preise)  Hauptform · ↗abstürzen  fig. · in den Keller rauschen  fig. · in den Keller gehen  ugs., fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anker Dickicht Dschungel Dunkel Frühnebel Förderdschungel Gestrüpp HSV-Lazarett Haupthaar Krankenlager Lazarett Morgennebel Nebel Nebelschleier Nebelschwaden Preisdschungel Pulverdampf Schilderwald Staubwolke Steuerdschungel Subventionsdschungel Tarifdschungel Unterholz Wildwuchs Zuschauerreihe ablichten auflichten auslichten durchlichten zusehends

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›lichten‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und wenn sie zu sich kam, in den lichten Momenten, wollte sie nach Hause.
Der Tagesspiegel, 15.11.2002
In lichten Räumen ist zu sehen, was aktuell ist in der Welt.
Die Zeit, 27.02.1984, Nr. 09
In der lichten Öffnung wurden sie ihm so seltsam deutlich.
Schaper, Edzard: Der Henker, Zürich: Artemis 1978 [1940], S. 69
Es beherbergte in großen lichten Sälen mehr als hundert Kinder.
Werfel, Franz: Die Vierzig Tage des Musa Dagh I, Stockholm: Bermann - Fischer 1947 [1933], S. 378
Immer lag die lichte Höhe vor uns, immer mußte sie »gleich« erreicht sein.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1929. In: ders., Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1929], S. 114
Zitationshilfe
„lichten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/lichten#2>, abgerufen am 17.09.2019.

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