liebäugeln
GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennunglieb-äu-geln (computergeneriert)
Wortzerlegungliebäugeln
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
mit etw. liebäugelnmit dem Gedanken an etw. spielen, etw. gern haben wollen, tun oder sein wollen
Beispiele:
sie liebäugelte schon lange mit dem Mantel im Schaufenster, mit dieser Uhr
er liebäugelt mit dem Gedanken, ein Auto zu kaufen
daß er im geheimen damit liebäugelt, den Hengst gelegentlich auch zum Reiten zu benutzen [ZuchardtNarr410]
Uneingestanden hatte Brenten oft damit geliebäugelt, ebenfalls einmal Gewerkschaftssekretär ... zu werden [BredelVäter375]
2.
mit jmdm. liebäugelnmit jmdm. zärtliche, liebevolle Blicke tauschen
Beispiel:
du hast ganz schön mit ihm geliebäugelt
bildlich mit jmdm. sympathisieren
Beispiel:
Er verhöhnte die Fortschrittler, die mit den Fürsten liebäugelten [MehringDt. Geschichte227]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Auge · Augapfel · äugeln · liebäugeln · äugen
Auge n. Organ des Gesichtssinnes. Ahd. ouga (8. Jh.), mhd. ouge stimmt mit asächs. ōga, mnd. ōge, mnl. ōghe, nl. oog, aengl. ēage, (angl.) ēge, engl. eye, anord. auga, schwed. öga, dän. øje, got. augō überein. Die Herleitung von germ. *augan- aus ie. *okū- ‘sehen, Auge’, das sich aus aind. ákṣi, griech. ómma (ὄμμα), Dual ósse (ὄσσε), lat. oculus (s. ↗Okular), aslaw. oko, russ. (älter) óko (око), lit. akìs ‘Auge’ erschließen läßt, ist durch die germ. Lautgestalt erschwert, wird aber doch für wahrscheinlich gehalten. Allgemein nimmt man an, daß der Vokal eines regulär entwickelten germ. *agw- (dieses z. B. noch in ahd. awizoraht ‘augenscheinlich’, um 800, acsiunī ‘äußere Erscheinung’, 9. Jh.) unter dem Einfluß von germ. *auzan- ‘Ohr’, vgl. ahd. ōra und (mit grammatischem Wechsel) got. ausō (s. ↗Ohr), umgebildet wurde. Vielleicht hat dabei auch Ausgleich zwischen verschiedenen Flexionsformen eine Rolle gespielt; vgl. Feist ³64. Augapfel m. ‘kugelförmiger Sehkörper des Auges’, ahd. ougaphul (Hs. 12. Jh.), mhd. ougapfel; die durch Ähnlichkeit mit der runden Frucht motivierte übertragene Verwendung von ↗Apfel (s. d.) ebenfalls in aengl. ēagæppel, mnl. ōgheappel, nl. oogappel. Gleichbed. anord. augasteinn, schwed. ögonsten, engl. eyeball oder frz. globe de l’œil gehen von ähnlichen Vorstellungen aus. äugeln Vb. ‘jmdm. bedeutungsvolle Blicke zuwerfen’, als Ausdruck des Gartenbaus ‘okulieren’. Mhd. öugeln, wohl zur Deminutivform öugel von mhd. ouge ‘Auge’ gebildet, heißt zunächst ‘mit Augen versehen’ (so Part. Prät. geöugelt mit Bezug auf Pfauenfedern, Mitte 14. Jh.). Die Bedeutung ‘verliebte Blicke tauschen’, mhd. nur durch den substantivierten Infinitiv daʒ öugeln belegt (daneben steht mnd. ȫgelen ‘äugeln, schmeicheln’), findet sich seit dem 16. Jh. und häufiger vom 18. Jh. an. Im 16. Jh. verbreiteter als das einfache Verb ist gleichbed. liebäugeln Vb. wie älteres ↗liebkosen (s. d.) als Zusammenrückung entstanden und heute vorwiegend in übertragenem Sinne ‘mit dem Gedanken an etw. spielen’ geläufig. Die Verwendung von äugeln für das schon dem mittelalterlichen Weinbau bekannte Veredelungsverfahren, die dem übertragenen Gebrauch von Auge für ‘Knospe’ folgt, wird im 17. Jh. üblich. äugen Vb. ‘blicken’, bes. in der Jägersprache von Tieren. Ahd. ougen (8. Jh.), mhd. ougen, öugen bedeutet ‘vor Augen bringen, zeigen’ (s. ↗ereignen; außerdem ist ahd. ougen ‘Knospen ansetzen’, um 1000, bezeugt), daneben mnd. ȫgen auch ‘sehen, schauen’; in diesem Sinne im älteren Nhd. selten, seit Anfang des 19. Jhs. öfter vorkommend, namentlich als Jagdausdruck.

Thesaurus

Synonymgruppe
bebalzen · beturteln · ↗herumschäkern · herumturteln · ↗kokettieren · liebäugeln · ↗schäkern · ↗turteln  ●  ↗flirten  Hauptform · ↗poussieren  veraltet · ↗scharmutzieren  veraltend · ↗tändeln  veraltend · herummachen mit  ugs. · ↗liebeln  ugs. · rummachen mit  ugs.
Assoziationen
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anschaffung Börsengang Einstieg Fußball-Nationalspieler Gedanken Kandidatur Karriereende Kauf Kommunalpolitiker Linkspartei Medaille Posten Präsidentenamt Präsidentschaftskandidatur Rekordmeister Rückkehr Schauspielerei Schwarz-Grün Stadtväter Umstieg Umzug Vereinswechsel Wechsel Zeitlang damit insgeheim neuerdings offenbar zwischendurch zwischenzeitlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›liebäugeln‹.

DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Haben Sie jemals damit geliebäugelt, sich den bewaffneten Kämpfern anzuschließen?
Die Zeit, 07.10.2013, Nr. 40
Merkwürdigerweise liebäugeln beide damit, sich die Radieschen von unten anzusehen.
Bild, 07.10.1999
Über kurz oder lang wird man aber mit einem moderneren Gerät liebäugeln.
C't, 2000, Nr. 25
Er trat zu den Baptisten über und liebäugelte mit den Herrnhutern.
Schmidt, M.: Whiston. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 39849
Sie ist längst Zionistin, orthodox, koscher, liebäugelt mit Rußland, mit alledem gebildet und nicht eigentlich fanatisch.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1933. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1933], S. 29
Zitationshilfe
„liebäugeln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/liebäugeln>, abgerufen am 22.01.2018.

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