lieben

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennunglie-ben (computergeneriert)
Wortbildung mit ›lieben‹ als Erstglied: ↗Liebling  ·  mit ›lieben‹ als Letztglied: ↗wiederlieben  ·  Ableitung von ›lieben‹: ↗belieben  ·  mit ›lieben‹ als Grundform: ↗geliebtliebend  ·  formal verwandt mit: ↗beliebig
eWDG, 1969

Bedeutung

Liebe, ein starkes Gefühl der Zuneigung empfinden
a)
für jmdn., besonders eine Person anderen Geschlechts Liebe, ein starkes Gefühl der Zuneigung empfinden
Beispiele:
er liebt das Mädchen
der Mann liebt seine Frau
sie lieben sich, einander sehr
die Eltern lieben ihre Kinder
jmdn. zärtlich, innig, heiß, leidenschaftlich, abgöttisch lieben
sie liebt ihn heimlich, im Stillen, aus tiefem, von (ganzem) Herzen, über die Maßen
die beiden lieben das Mädchen wie eine Tochter
eine liebende Frau
veraltend dein dich liebender Vater (= Briefschluss)
gehoben die Liebenden (= das Liebespaar)
mein geliebter Bruder, Freund (= Anrede, besonders in Briefen)
er schloss die geliebte Frau in seine Arme
sprichwörtlich was sich liebt, das neckt sich
O lieb', solang' du lieben kannst [Freiligrath1,221]
Glücklich allein / Ist die Seele, die liebt [GoetheEgmontIII]
Das Lieben bringt groß Freud (= Die Liebe bringt große Freude) [Volkslied]
b)
für eine Sache, Idee Liebe, ein starkes Gefühl der Zuneigung empfinden
Beispiele:
das Leben, die Natur, Heimat, Kunst lieben
dieses Volk liebt den Frieden
die Freiheit, Gerechtigkeit, Wahrheit lieben
c)
in abgeblasster Bedeutung   etw. gern haben
Beispiele:
sie liebt schöne Kleider, grelle Farben, den Luxus
lieben Sie Blumen?
er hat schon immer den Alkohol, die Bequemlichkeit über alles geliebt
er musste einige Tage auf seine geliebte Zigarre verzichten
etw. liebt etw.etw. bevorzugt etw.
Beispiele:
diese Pflanze liebt einen trockenen Standort
umgangssprachlich ich bleibe zu Hause, ich liebe mir meine Ruhe
jmd. liebt (es), etw. zu tunjmd. tut etw. gern
Beispiele:
er liebt (es) nicht, wenn ihm widersprochen wird
Sie liebte es, das Lorgnon zu gebrauchen [J. RothRechts und links75]
liebend gern umgangssprachlich sehr gern
Beispiel:
sie würde liebend gern zu uns kommen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

lieb · Lieb · Liebchen · Liebe · lieben · verlieben · Verliebtheit · liebeln · lieblich · Liebling · Liebschaft · liebenswert · liebenswürdig · Liebeserklärung · Liebhaber · Liebhaberei · lieblos · Liebreiz · liebreizend
lieb Adj. ‘geliebt, wert, herzlich, liebenswert, freundlich, angenehm, artig’, ahd. liob (um 800), mhd. liep, asächs. liof, mnd. lēf, mnl. nl. lief, aengl. lēof, engl. (älter) lief, anord. ljūfr, schwed. ljuv, got. liufs (germ. *leuba-) führt mit den verwandten (ablautenden) Verben ↗erlauben, ↗glauben, ↗loben (s. d.) und mit aind. lúbhyati ‘ist gierig, empfindet Verlangen’, lōbha- ‘Gier, Habsucht’, lubdha- ‘gierig, habsüchtig’, lat. libēre ‘belieben, gefällig sein’, libēns, lubēns ‘willig, gern’, libīdo, lubīdo ‘Lust, Begierde’, lit. liaupsẽ ‘Lob(lied)’, liáupsinti ‘loben, lobpreisen, verherrlichen’, aslaw. l’ubъ ‘lieb, wert’, russ. (umgangssprachlich) ljúbo (любо) ‘lieb, angenehm, geliebt, freundlich’, aslaw. l’ubiti, russ. ljubít’ (любить) ‘lieben, mögen’, aslaw. l’uby, russ. ljubóv’ (любовь) ‘Liebe’ auf eine Wurzel ie. *leubh- ‘gern haben, begehren, lieb’, auch ‘gutheißen, loben’ und (im Germ.) ‘Zutrauen, Vertrauen, Glaube’. lieb hat im älteren Sprachgebrauch die allgemeinere Bedeutung ‘angenehm, erfreulich’, vgl. noch heute es ist mir lieb. Lieb n. heute nur noch dichterisch für ‘Geliebte(r)’, besonders in der Fügung mein Lieb, ahd. liob n. (9. Jh.), mhd. liep ‘das Liebe, Angenehme, Erfreuliche, Freude, Geliebte(r)’, Substantivierung des Adjektivs; dazu das Deminutivum Liebchen n. ‘Liebste, Geliebte, Schatz’ (15. Jh. liebchin). Liebe f. ‘starkes Gefühl der Zuneigung, Barmherzigkeit, Mildtätigkeit’, auch als Objekt der Zuneigung ‘geliebte Person’, ahd. liubī (9. Jh.), lioba (11. Jh.), mhd. liebe ‘das Wohlgefallen, das man über oder durch etw. empfindet, das Liebsein, Freude, das Liebhaben, Freundlichkeit, Gunst’, dann (15./16. Jh.) in den heutigen Sinn übergehend, älteres, anstößig gewordenes ↗Minne (s. d.) verdrängend. Abstraktbildung zum Adjektiv. lieben Vb. ‘ein starkes Gefühl der Zuneigung empfinden, gern haben’, ahd. liobōn (8. Jh.), liuben (9. Jh.) ‘angenehm, lieb machen oder sein, empfehlen, begehren, wohltun’, mhd. lieben ‘angenehm, lieb machen, sein oder werden, gefallen, Freundlichkeit erweisen’; in heutiger Bedeutung seit dem 16. Jh. üblich, zuvor dafür mhd. liep haben, älteres ↗minnen (s. d.) verdrängend. verlieben Vb. reflexiv ‘von Liebe ergriffen werden, in Liebe entbrennen, liebgewinnen’ (2. Hälfte 16. Jh.), anfangs transitiv ‘als angenehm anstreben, belieben’ (16. Jh.); Verliebtheit f. (19. Jh.). liebeln Vb. ‘mit der Liebe spielen, flirten’ (18. Jh.), zuvor ‘seine Liebe bezeugen, liebkosen, schmeicheln’ (16. Jh.); Iterativum zu lieben. lieblich Adj. ‘anmutig, reizvoll, entzückend, hübsch und zart, heiter und freundlich’, ahd. liublīh (8. Jh.), mhd. lieplich ‘freundlich, angenehm’; vgl. ahd. liublīhho Adv. ‘freundlich, zärtlich’ (9. Jh.). Liebling m. ‘Geliebte(r), vor allen geliebte, bevorzugte, begünstigte Person’ (17. Jh.), anfangs im Sinne von ‘Günstling’ (eines Fürsten). Liebschaft f. ‘Liebesverhältnis’, mhd. liebeschaft, liepschaft. liebenswert Adj. ‘von gewinnender Art, sympathisch’ (17. Jh.). liebenswürdig Adj. ‘freundlich, höflich, zuvorkommend’ (18. Jh.), zuvor Liebens würdig (Opitz), vermutlich Wiedergabe von nl. liefwaardig. Liebeserklärung f. ‘Geständnis der Liebe’ (18. Jh.). Liebhaber m. ‘Mann, der mit einer Frau ein Liebesverhältnis hat, Geliebter einer Frau’ (oft abschätzig), auch ‘Mann, der eine Frau liebt und sich um sie bewirbt, wer für etw. eine Vorliebe hat, Amateur’, mhd. liephaber ‘Liebender, Freund, Anhänger’, gebildet zu mhd. liep haben; Liebhaberei f. ‘aus Neigung, Freude an der Sache ausgeübte Tätigkeit, Steckenpferd’ (Adelung 1777). lieblos Adj. ‘unfreundlich, herzlos’, mhd. liebelōs ‘ohne Liebe, freudlos’. Liebreiz m. ‘Anmut, reizendes Aussehen, bezauberndes Wesen, Grazie, Charme’, liebreizend Adj. (beide 17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(eine) Schwäche haben für · (jemandes) Ein und Alles sein · ↗(sehr) mögen · (sehr) sympathisch finden · (sich) hingezogen fühlen (zu) · (von jemandem) eingenommen sein · Gefallen finden an · ↗gefallen · gernhaben · ins Herz geschlossen haben · lieben · sein Herz gehängt haben (an) · ↗vergöttern · verliebt sein (in)  ●  (an jemandem) einen Narren gefressen haben  ugs. · auf jemanden stehen  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • begeistert (von) · berauscht · entflammt · ↗enthusiastisch · entzückt · erregt · ↗euphorisch · fasziniert · gebannt · glühend vor Begeisterung · ↗hochgestimmt · im Überschwang der Gefühle · in Hochstimmung · mit glänzenden Augen · mit strahlenden Augen · mitgerissen · rasend vor Begeisterung · tobend vor Begeisterung · verzückt · voller Begeisterung · wie im Rausch · wie von Sinnen · ↗überschwänglich  ●  (ganz) aus dem Häuschen  ugs. · Feuer und Flamme (sein)  ugs. · ↗angetan  ugs. · ↗dithyrambisch  geh. · enthusiasmiert  geh., bildungssprachlich · hellauf begeistert  ugs. · ↗high  ugs. · himmelhoch jauchzend  ugs. · hin und weg  ugs. · hingerissen  ugs. · von den Socken  ugs. · wie auf Droge  ugs. · wild begeistert  ugs.
Biologie
Synonymgruppe
(seinen) ehelichen Pflichten nachkommen · (sich) lieben · Geschlechtsverkehr haben · Verkehr haben · intim werden (mit) · ↗verkehren  ●  Sex haben  Hauptform · den Beischlaf vollführen  Amtsdeutsch · ↗erkennen  biblisch · es kommt zum Geschlechtsverkehr  Amtsdeutsch · mit jemandem schlafen  verhüllend · (den) Lachs buttern  derb · (ein) Rohr verlegen  derb · (eine) Nummer schieben  ugs. · ↗(es) treiben (mit)  ugs. · ↗(jemanden) flachlegen  ugs. · ↗(jemanden) vernaschen  ugs. · Liebe machen  ugs. · Sex machen  ugs. · ↗begatten  fachspr. · ↗bimsen  derb · ↗bumsen  ugs. · einen wegstecken  ugs. · ↗ficken  vulg. · ↗kohabitieren  geh. · ↗koitieren  geh. · ↗kopulieren  fachspr. · ↗nageln  derb · ↗pimpern  derb · ↗poppen  ugs. · ↗pudern  ugs., österr. · ↗rammeln  ugs. · schnackseln  ugs. · ↗vögeln  ugs.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • nehmen, was übrig bleibt (für Sex)  ●  Reste ficken  vulg., abwertend
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Beruf Fans Frau Fußball Kinder Leser Leute Mann Musik Nächsten Publikum Sport abgöttisch alle besonders bewundert dich er euch hassen ich innig kennen liebt mehr sehr sie verehrt wir wirklich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›lieben‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Um Hand in Hand zu arbeiten, braucht man sich nicht zu lieben.
Kurz, Robert: Schwarzbuch Kapitalismus, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 373
Und infolge dieser grandiosen Leistung liebt es sich selbst auch noch.
o. A.: DER "AUTORITÄRE CHARAKTER" - AUFKLÄRUNG ÜBER DIE GRÜNDE DES "MITMACHENS". In: Marxistische Zeit- und Streitschrift 1980-1991, München: Gegenstandpunkt Verl. 1998 [1988]
Ich fragte sie: Liebst du mich oder liebst du ihn?
Frisch, Max: Stiller, Rheda-Wiedenbrück: Bertelsmann 1997 [1954], S. 43
Ich liebe es, so mit den Mächten im Bunde zu sein.
Thelen, Albert Vigoleis: Die Insel des zweiten Gesichts, Düsseldorf: Claassen 1981 [1953], S. 455
Also ihr habt geliebt, und ihr - ich sehe keinen an - liebt noch.
Tucholsky, Kurt: Gefühle nach dem Kalender. In: Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1919]
Zitationshilfe
„lieben“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/lieben>, abgerufen am 28.05.2018.

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