lieblich
GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennunglieb-lich (computergeneriert)
Wortbildung mit ›lieblich‹ als Erstglied: ↗Lieblichkeit
eWDG, 1969

Bedeutung

angenehm und reizvoll
a)
anmutig und bezaubernd
Beispiele:
ein liebliches Mädchen, Kind, Gesicht
eine liebliche Gestalt, Erscheinung
lieblich aussehen
Im Mondlicht schimmernd, glich sie [Wera] einer der marmornen Najaden, die lieblich das Wasser bevölkerten [HartungWunderkinder88]
b)
heiter und freundlich
Beispiele:
eine liebliche Landschaft
ein liebliches Tal
In diesen Wäldern ist der Herbst buntfarbiger und fast lieblicher als der Lenz [RoseggerWaldschulmeister1,111]
c)
zart und weich klingend
Beispiele:
ein lieblicher Gesang, Klang
liebliche Vogelstimmen
lieblich erklingen
Leise zieht durch mein Gemüt / Liebliches Geläute [Heine]
d)
aromatisch und süß
Beispiel:
die Blume, der Flieder, die Rose strömt einen lieblichen Duft aus
aromatisch und mild
Beispiel:
der Wein schmeckt lieblich
e)
lecker und appetitlich
Beispiel:
der liebliche Duft des Bratens
f)
umgangssprachlich, spöttisch unangenehm, unerfreulich
Beispiele:
das sind ja liebliche Aussichten
Das kann ja lieblich werden, dachte Hans [SpoerlFeuerzangenbowle45]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

lieb · Lieb · Liebchen · Liebe · lieben · verlieben · Verliebtheit · liebeln · lieblich · Liebling · Liebschaft · liebenswert · liebenswürdig · Liebeserklärung · Liebhaber · Liebhaberei · lieblos · Liebreiz · liebreizend
lieb Adj. ‘geliebt, wert, herzlich, liebenswert, freundlich, angenehm, artig’, ahd. liob (um 800), mhd. liep, asächs. liof, mnd. lēf, mnl. nl. lief, aengl. lēof, engl. (älter) lief, anord. ljūfr, schwed. ljuv, got. liufs (germ. *leuba-) führt mit den verwandten (ablautenden) Verben ↗erlauben, ↗glauben, ↗loben (s. d.) und mit aind. lúbhyati ‘ist gierig, empfindet Verlangen’, lōbha- ‘Gier, Habsucht’, lubdha- ‘gierig, habsüchtig’, lat. libēre ‘belieben, gefällig sein’, libēns, lubēns ‘willig, gern’, libīdo, lubīdo ‘Lust, Begierde’, lit. liaupsẽ ‘Lob(lied)’, liáupsinti ‘loben, lobpreisen, verherrlichen’, aslaw. l’ubъ ‘lieb, wert’, russ. (umgangssprachlich) ljúbo (любо) ‘lieb, angenehm, geliebt, freundlich’, aslaw. l’ubiti, russ. ljubít’ (любить) ‘lieben, mögen’, aslaw. l’uby, russ. ljubóv’ (любовь) ‘Liebe’ auf eine Wurzel ie. *leubh- ‘gern haben, begehren, lieb’, auch ‘gutheißen, loben’ und (im Germ.) ‘Zutrauen, Vertrauen, Glaube’. lieb hat im älteren Sprachgebrauch die allgemeinere Bedeutung ‘angenehm, erfreulich’, vgl. noch heute es ist mir lieb. Lieb n. heute nur noch dichterisch für ‘Geliebte(r)’, bes. in der Fügung mein Lieb, ahd. liob n. (9. Jh.), mhd. liep ‘das Liebe, Angenehme, Erfreuliche, Freude, Geliebte(r)’, Substantivierung des Adjektivs; dazu das Deminutivum Liebchen n. ‘Liebste, Geliebte, Schatz’ (15. Jh. liebchin). Liebe f. ‘starkes Gefühl der Zuneigung, Barmherzigkeit, Mildtätigkeit’, auch als Objekt der Zuneigung ‘geliebte Person’, ahd. liubī (9. Jh.), lioba (11. Jh.), mhd. liebe ‘das Wohlgefallen, das man über oder durch etw. empfindet, das Liebsein, Freude, das Liebhaben, Freundlichkeit, Gunst’, dann (15./16. Jh.) in den heutigen Sinn übergehend, älteres, anstößig gewordenes ↗Minne (s. d.) verdrängend. Abstraktbildung zum Adjektiv. lieben Vb. ‘ein starkes Gefühl der Zuneigung empfinden, gern haben’, ahd. liobōn (8. Jh.), liuben (9. Jh.) ‘angenehm, lieb machen oder sein, empfehlen, begehren, wohltun’, mhd. lieben ‘angenehm, lieb machen, sein oder werden, gefallen, Freundlichkeit erweisen’; in heutiger Bedeutung seit dem 16. Jh. üblich, zuvor dafür mhd. liep haben, älteres ↗minnen (s. d.) verdrängend. verlieben Vb. refl. ‘von Liebe ergriffen werden, in Liebe entbrennen, liebgewinnen’ (2. Hälfte 16. Jh.), anfangs trans. ‘als angenehm anstreben, belieben’ (16. Jh.); Verliebtheit f. (19. Jh.). liebeln Vb. ‘mit der Liebe spielen, flirten’ (18. Jh.), zuvor ‘seine Liebe bezeugen, liebkosen, schmeicheln’ (16. Jh.); Iterativum zu lieben. lieblich Adj. ‘anmutig, reizvoll, entzückend, hübsch und zart, heiter und freundlich’, ahd. liublīh (8. Jh.), mhd. lieplich ‘freundlich, angenehm’; vgl. ahd. liublīhho Adv. ‘freundlich, zärtlich’ (9. Jh.). Liebling m. ‘Geliebte(r), vor allen geliebte, bevorzugte, begünstigte Person’ (17. Jh.), anfangs im Sinne von ‘Günstling’ (eines Fürsten). Liebschaft f. ‘Liebesverhältnis’, mhd. liebeschaft, liepschaft. liebenswert Adj. ‘von gewinnender Art, sympathisch’ (17. Jh.). liebenswürdig Adj. ‘freundlich, höflich, zuvorkommend’ (18. Jh.), zuvor Liebens würdig (Opitz), vermutlich Wiedergabe von nl. liefwaardig. Liebeserklärung f. ‘Geständnis der Liebe’ (18. Jh.). Liebhaber m. ‘Mann, der mit einer Frau ein Liebesverhältnis hat, Geliebter einer Frau’ (oft abschätzig), auch ‘Mann, der eine Frau liebt und sich um sie bewirbt, wer für etw. eine Vorliebe hat, Amateur’, mhd. liephaber ‘Liebender, Freund, Anhänger’, gebildet zu mhd. liep haben; Liebhaberei f. ‘aus Neigung, Freude an der Sache ausgeübte Tätigkeit, Steckenpferd’ (Adelung 1777). lieblos Adj. ‘unfreundlich, herzlos’, mhd. liebelōs ‘ohne Liebe, freudlos’. Liebreiz m. ‘Anmut, reizendes Aussehen, bezauberndes Wesen, Grazie, Charme’, liebreizend Adj. (beide 17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(bewundernde) Blicke auf sich ziehen · (ein) herrlicher Anblick · (eine) Wohltat fürs Auge · (eine) wahre Pracht · ↗Hingucker · ↗allerliebst · ↗attraktiv · ein erfreulicher Anblick · eine Augenweide · ↗entzückend · ↗gut aussehend · ↗herrlich · hinreißend · ↗hübsch · hübsch anzusehen · ↗liebreizend · ↗reizend · ↗schmuck · schön anzusehen · wie gemalt  ●  ↗fesch  österr. · ↗schön  Hauptform · ↗Augenschmaus  geh. · Augenschmeichler  geh. · ↗ansehnlich  geh. · ↗hold  geh., veraltet
Assoziationen
Synonymgruppe
entzückend · ↗reizend · ↗wonnig
Assoziationen
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Auen Auenlandschaft Bläue Duft Flußlandschaft Flußtal Gefilde Geläute Gestaden Hügel Hügelland Hügellandschaft Landschaft Lustbarkeiten Madonna Melodien Mittelgebirgslandschaft Paduanen Rheintal Sopran Tal Taubertal Vogelgezwitscher Wachau anmutig duftenden duftet halbtrocken hügelige zwitschern

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›lieblich‹.

DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Als feinherbe Note grenzt sich der Brut von den damals üblichen lieblichen Weinen ab.
Die Welt, 28.05.1999
Wie lieblich es klingt, wenn man sie herausnimmt, vor allem in der business class.
Süddeutsche Zeitung, 20.07.1996
Wann haben sie euch eigentlich aus dem lieblichen Frankreich vertrieben?
Fries, Fritz Rudolf: Der Weg nach Oobliadooh, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1966, S. 17
Und rundum in der alten Blauen Stube duftete es immer lieblicher und glänzte es immer bunter und zauberhafter.
Raabe, Wilhelm: Altershausen, Göttingen: Vandenhoek & Ruprecht 1968 [1911], S. 288
Ihre Weine sind lieblich und mundig, frisch und bekömmlich, dabei keineswegs immer schwer.
Schwarz, Peter-Paul (Hg.), Gepflegte Gastlichkeit, Wiesbaden: Falken-Verl. Sicker 1967, S. 128
Zitationshilfe
„lieblich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/lieblich>, abgerufen am 28.06.2017.

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