Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

liederlich

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung lie-der-lich
Wortbildung  mit ›liederlich‹ als Erstglied: Liederlichkeit
eWDG

Bedeutung

unordentlich
a)
nicht fähig, Ordnung zu halten, nicht ordnungsliebend
Beispiele:
du bist ein liederlicher Mensch
umgangssprachlichdu bist ein liederlicher Kerl
sie ist ein wenig liederlich
nicht sorgfältig, nachlässig
Beispiele:
eine liederliche Arbeit
liederliche Kleidung
die Bluse war liederlich genäht
die Schleife ist liederlich gebunden
liederlich angezogen sein
unaufgeräumt
Beispiele:
in dem Zimmer sah es sehr liederlich aus
alle Sachen lagen liederlich herum
b)
abwertend moralisch nicht einwandfrei, leichtfertig und ausschweifend
Beispiele:
einen liederlichen Lebenswandel führen
in liederliche Gesellschaft geraten
saloppein liederliches Frauenzimmer, Weibsbild
so ein Hans Liederlich!
ich weiß … was man einen Bruder Liederlich nennt, einen lockeren Zeisig oder Lebemann [ Th. MannKönigl. Hoheit7,255]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

liederlich · Liederlichkeit · Liederjan
liederlich Adj. ‘unordentlich, leichtfertig, ausschweifend’, spätmhd. liederlich ‘leicht und zierlich in Wuchs und Bewegung’, frühnhd. ‘leicht, geringfügig, unwichtig’ (15. Jh.), ‘leichtfertig, ausschweifend’ (16. Jh.), etymologisierend (z. B. von Stieler) fälschlich mit Luder verbunden und oft lüderlich geschrieben; mnd. līderlīk ‘tragbar, annehmbar’, aengl. lȳþerlic ‘schlecht, gemein’, zu aengl. lȳþre ‘elend, schlecht, gemein’. Mit einer Ausgangsbedeutung ‘schlaff, schwach’ wohl verwandt mit lottern, schlottern, Schleuder (s. d.) und wie diese auf eine Dentalerweiterung ie. *(s)leut-, *(s)lūt- der Wurzel ie. *(s)leu-, *(s)lū- ‘schlaff herabhängen, schlaff’ (s. schlummern) zurückzuführen. Liederlichkeit f. ‘Unachtsamkeit, Leichtsinn, zu große Freigebigkeit’ (15. Jh.). Liederjan m. auch Liedrian ‘liederlicher Mensch’ (Mitte 19. Jh., omd.), zu Jan, Kurzform von Johann. Dazu s. Dummerjan, und Grobian.

Thesaurus

Synonymgruppe
lax · liederlich · nachlässig · schluderig · schludrig · unordentlich  ●  pfuschig  ugs. · schlampert  ugs., süddt. · schlampig  ugs. · schlurig  ugs., regional · wie bei Hempels unterm Sofa  ugs. · wie bei Luis Trenker im Rucksack  ugs., scherzhaft, fig., sehr selten · wie in einer Räuberhöhle (Wohnung)  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(moralisch) verkommen · (sittlich) verwahrlost · lasterhaft · liederlich · sittenlos · sündig · verderbt · verdorben · verrucht · verworfen  ●  versaut  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›liederlich‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›liederlich‹.

Verwendungsbeispiele für ›liederlich‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die staatlichen Häuser sind liederlich geführt, das Personal schlurft unwillig los, um ein Zimmer zu zeigen, das dann 40 Euro kosten soll. [Der Tagesspiegel, 27.06.2004]
Wer dagegen schmuddelig umherläuft, führt damit seinen sicher ebenso liederlichen Charakter spazieren. [Smolka, Karl: Gutes Benehmen von A - Z. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1957], S. 28174]
Dadurch wurde mehr Geld verbrannt, als je ein noch so liederlicher Finanzminister verschwenden kann. [Die Zeit, 10.03.2004, Nr. 11]
Morgens ist Hans Liederlich völlig aufgelöst und jagt, anscheinend ziellos, durch die Wohnung. [Braun, Anne u. Nell, Edith: Man muß sich nur zu helfen wissen, Leipzig: Verl. für die Frau 1971, S. 7]
Der Hauptvorwurf, der diesen Minister trifft, ist seine liederliche Verwaltung. [Delbrück, Hans: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte - Vierter Teil: Neuzeit, Berlin: Directmedia Publ. 2002 [1920], S. 3857]
Zitationshilfe
„liederlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/liederlich>.

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