linsen

Grammatik Verb
Worttrennung lin-sen
Wortbildung  mit ›linsen‹ als Letztglied: ↗anlinsen · ↗herablinsen · ↗herüberlinsen · ↗hineinlinsen · ↗hinlinsen · ↗hinüberlinsen
eWDG

Bedeutung

umgangssprachlich, scherzhaft blinzelnd, verstohlen nach etw. sehen
Beispiele:
sie linste durch die Gardine, Tür
der Junge linste auf das Heft seines Nachbarn
Und denn linst du ihr von oben ... in den Ausschnitt [ H. KantAula9]
wie du dich immer hinter dem Schirm verstecktest, wenn der linste [ FalladaBlechnapf33]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Linse · linsen · Linsengericht
Linse f. seit der Steinzeit in Mitteleuropa angebaute Hülsenfrucht und deren eßbare Samen, ahd. linsī (9. Jh.), linsin (11. Jh.), mhd. lins(e). Der Name ist ungeklärter Herkunft. Vergleichbar sind lat. lēns, kslaw. lęšta, aruss. ljača, russ. (landschaftlich) ljášča (ляща) und lit. lę̃šis. Da deren Lautformen sich nicht ohne weiteres verbinden lassen, wird jeweils unabhängige Entlehnung aus einer unbekannten nicht-ie. Sprache angenommen. Aus einer alten Sprache des Mittelmeergebiets, der Heimat der Pflanze? Seit dem 18. Jh. gilt Linse auch für ein ‘geschliffenes, in der Form dem Linsensamen ähnliches Glas’ für optische Geräte. Vgl. Linsengläser (Anfang 18. Jh.). Dazu linsen Vb. umgangssprachlich ‘genau hinsehen, spähen, verstohlen blicken’ (20. Jh.). Linsengericht n. ‘aus Linsen zubereitetes Mahl’, vornehmlich jenes, für das (nach biblischer Darstellung 1. Mos. 25,34 in Luthers Übersetzung) Esau sein Erstgeburtsrecht seinem zweitgeborenen Zwillingsbruder Jacob abtrat (vorlutherisch: speys der linsen, 15. Jh., Vulgata: lentis edūlium). Der Ausdruck Linsengericht wird zum Sinnbild (seit dem 18. Jh.) für einen Tausch von Minderwertigem gegen Höherwertiges.

Thesaurus

Synonymgruppe
(als Voyeur) spannen · (einen) verstohlenen Blick werfen (auf) · ↗(heimlich) spähen · ↗(jemanden) belauern · ↗(verbotenerweise) gucken · aus den Augenwinkeln beobachten · ↗ausspähen · ein Auge riskieren · einen Blick riskieren · heimlich beobachten · ↗lauern · lauernd mit Blicken verfolgen · ↗lugen · ↗spionieren  ●  linsen  ugs., regional · lucki-lucki machen  ugs., veraltet · lünkern  ugs., ruhrdt.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›linsen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›linsen‹.

Verwendungsbeispiele für ›linsen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wichtig beim Abschreiben ist allerdings, dass man auf keinen Fall zugeben darf, auf Nachbars Blatt gelinst zu haben.
Süddeutsche Zeitung, 07.10.2004
Uwe linst durch den Türspalt, sieht mich den Gang entlangkommen, verschwindet.
Die Zeit, 04.03.1983, Nr. 10
Einer linst zu einer Frau hinüber und versucht zu flirten.
Die Welt, 08.12.1999
Als er wieder aus dem Haus trat, linste er nach links und rechts.
Glavinic, Thomas: Die Arbeit der Nacht, München Wien: Carl Hanser Verlag 2006, S. 7
Wir inspizieren das Wrack, linsen hinein durch die offenen Luken.
Die Welt, 22.08.2003
Zitationshilfe
„linsen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/linsen>, abgerufen am 24.02.2021.

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