lose

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung lo-se
Wortbildung  mit ›lose‹ als Erstglied: ↗Loseblattausgabe · ↗Loseblattbuchführung · ↗Loseblattsammlung
 ·  mit ›lose‹ als Grundform: ↗Lose
Mehrwortausdrücke lose Zunge · ↗loses Mundwerk
eWDG, 1969

Bedeutung

siehe auch los
1.
mangelhaft befestigt, nur leicht haftend, locker
Gegenwort zu fest
Beispiele:
ein loser Nagel, Bolzen
ein Knopf ist lose
die Dachziegel, Schnürsenkel waren lose
eine lose gebundene Schleife
lose aufgesteckte Haare
lose zusammengeheftete Bogen, Blätter
die beiden Teile sind nur lose miteinander verbunden, hängen lose zusammen
prasselnd stürzte ihnen loses Geröll nach [ ViebigWeiberdorf5]
Carla ... wippte mit einer Fußspitze, auf der lose ein Schuh hing [ S. LenzBrot134]
übertragen
Beispiele:
ein loser Zusammenschluss, Zusammenhang
ein loser Verband verschiedener Staaten
lose Beziehungen zu jmdm. haben
die Fäden der Handlung waren nur lose miteinander verknüpft
2.
nicht eng anliegend
Beispiele:
ein loses Oberteil über einem engen Rock
ein loses Kleid
Die Jacke hängten wir ihm nur lose über [ Hausm.Abschied251]
3.
aufgelockert, nicht dicht
Beispiele:
in losen Gruppen stehen
sich in losen Reihen aufstellen
[ein Dorf] das die Form einer lose und weitläufig gebauten Ansiedlung besaß [ MehringDt. Geschichte4]
4.
nicht in einem dafür bestimmten Behältnis
Beispiele:
er trug das Geld lose in der Tasche
Milch lose oder in Flaschen verkaufen
er zog eine lose Zigarette aus der Tasche [ BöllWort31]
nicht verpackt
Beispiel:
lose Ware, Marmelade, Bonbons
5.
zügellos, leichtfertig
Beispiele:
ein loses Mundwerk, eine lose Zunge haben
salopp, derbein loses Maul haben
lose Reden führen
jmdm. einen losen Streich spielen
lose Mädchen
umgangssprachlichein loser Vogel (= junger Mensch)
Sie hörte die losen Späße und Anzüglichkeiten der Kameraden nicht [ FedererBerge132]

Mehrwortausdrücke

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

los · lose · -los · los-
los Adj. (prädikativ) ‘nicht (mehr) befestigt, abgelöst, befreit von’, Adv. ‘weg’, als Aufforderung ‘vorwärts!, schnell!, ab!’. Ahd. lōs ‘befreit, beraubt, leichtfertig, listig, zuchtlos, böse’ (9. Jh.), mhd. asächs. mnd. lōs ‘frei, ledig, bar, beraubt, mutwillig’, mnl. nl. loos ‘frei, ledig, schlau, listig’, aengl. lēas ‘frei’, auch ‘falsch, lügnerisch, unwahr’, anord. lauss ‘frei, ungebunden’, schwed. lös, got. laus ‘los, leer’ führen mit ablautenden ↗verlieren, ↗Verlust, ↗Verlies (s. d.) und möglicherweise mit lett. lauska ‘Splitter, Scherbe’, lit. luskà, lùskos ‘Lumpen’ auf eine s-Erweiterung der Wurzel ie. *leu-, auch *lēu-, *leu̯ə ‘abschneiden, trennen, lösen’, zu der griech. lýein (λὺειν) ‘lösen, befreien, auflösen, vernichten, bezahlen’, lat. luere ‘büßen, zahlen’, solvere (aus *se-luere) ‘lösen, aufbinden, ablösen, befreien, bezahlen’, vielleicht auch aind. lunā́ti ‘schneidet, schneidet ab’ sowie ↗Lohe2 (s. d.) gehören (sofern man nicht aus semantischen und formalen Gründen Wörter mit der Grundbedeutung ‘abschneiden’ unter einem eigenen Wurzelansatz zusammenfaßt). Als Bedeutung für germ. *lausa- ist ‘losgelöst, ungebunden, frei’ anzunehmen. lose Adj. ‘nicht (mehr) fest anhaftend, nicht eng anliegend, locker, unverpackt, einzeln, leichtfertig’. Das zum Adjektiv ahd. lōs (s. oben) gehörende Adverb ahd. lōso ‘leichtfertig’ (9. Jh.), mhd. lōse ‘auf anmutige, liebliche Weise, leichtfertig’, entwickelt im Frühnhd., ausgehend von einer Bedeutung ‘der Tugend ledig, locker’, adjektivischen Gebrauch im Sinne von ‘locker’ (15. Jh.), ‘sittenlos’ (16. Jh.) und geht danach in die oben genannte Bedeutung über. -los ist seit alter Zeit (vgl. ahd. asächs. -lōs, aengl. -lēas, anord. -lauss, got. -laus) Grundwort in Adjektivkomposita im Sinne von ‘frei von, mangelnd’; der Kompositionstyp bleibt bis in die Gegenwart produktiv, und -los nimmt dadurch den Charakter eines Kompositionssuffixes an; vgl. ahd. brōtelōs ‘hungrig’, helfelōs ‘hilflos, machtlos’, suntilōs ‘ohne Sünde, unschuldig’, mhd. gruntlōs ‘unergründlich’, herzelōs ‘gefühllos, grausam’, hoffelōs ‘ohne Hoffnung’, nhd. energielos, kontaktlos, staatenlos. los- seit dem Frühnhd. erstes Glied in Verbalkomposita, hervorgegangen aus adverbiellem Gebrauch von mhd. lōs (s. oben), ‘eine Bindung lösend, Haftendes abtrennend’ (losbinden, -lösen, -reißen), ‘frei’ (loskaufen, -kommen, -lassen), ‘plötzlich beginnend’ (losbrüllen, -lachen, -schreien, -laufen).

Thesaurus

Synonymgruppe
(zu viel) Spiel haben · Luft haben · ↗gelöst · ↗klapperig · ↗klapprig · ↗locker · lose · ↗wackelig · ↗wacklig

Typische Verbindungen zu ›lose‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

aneinandergereihtBeispielsätze anzeigen assoziiertBeispielsätze anzeigen aufgeschüttetBeispielsätze anzeigen aufliegenBeispielsätze anzeigen aufliegendBeispielsätze anzeigen baumelnBeispielsätze anzeigen flatterndBeispielsätze anzeigen gebundenBeispielsätze anzeigen gefügtBeispielsätze anzeigen geknüpftBeispielsätze anzeigen gekoppeltBeispielsätze anzeigen gewebtBeispielsätze anzeigen herabhängenBeispielsätze anzeigen herabhängendBeispielsätze anzeigen herumhängenBeispielsätze anzeigen herumliegenBeispielsätze anzeigen herumliegendBeispielsätze anzeigen herunterhängenBeispielsätze anzeigen hängendBeispielsätze anzeigen organisiertBeispielsätze anzeigen strukturiertBeispielsätze anzeigen verbundenBeispielsätze anzeigen verknüpftBeispielsätze anzeigen verkoppeltBeispielsätze anzeigen verlegtBeispielsätze anzeigen zusammengebundenBeispielsätze anzeigen zusammengefügtBeispielsätze anzeigen zusammengehaltenBeispielsätze anzeigen zusammengewürfeltBeispielsätze anzeigen zusammenhängendBeispielsätze anzeigen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›lose‹.

Verwendungsbeispiele für ›lose‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ihre langen blonden Haare hat sie zu einem losen Zopf gebunden.
Die Zeit, 16.06.2012, Nr. 24
Soweit er sehen konnte, lagen in dem Container nur lose Blätter.
Düffel, John von: Houwelandt, Köln: DuMont Literatur und Kunst Verlag 2004, S. 109
Die WELT präsentiert in den nächsten Tagen in loser Reihenfolge die bedeutendsten Begriffe für Investoren.
Die Welt, 16.04.2003
Es ist weitgeschnitten, fällt lose herab und braucht nicht plump zu wirken.
o. A.: Das Lexikon der Hausfrau, Berlin: Ullstein 1937 [1932], S. 383
Langsam ging ich dem Ausgang zu, schlendernd, hier und da im Vorübergehen ein Bild betrachtend, mit lose herabhängenden Händen.
Lenz, Siegfried: Deutschstunde, Hamburg: Hoffmann u. Campe 1997 [1968], S. 468
Zitationshilfe
„lose“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/lose>, abgerufen am 29.11.2020.

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