luftig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungluf-tig
Wortbildung mit ›luftig‹ als Erstglied: ↗Luftigkeit
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
so beschaffen, dass die (erforderliche) Zufuhr von Luft möglich ist
Beispiele:
ein lichter, luftiger Raum
die Wohnung ist luftig und gut heizbar
die Garben auf dem Feld standen nicht luftig genug
etw. luftig aufhängen, stapeln
Wohl fiel von der luftigen Galerie, durch die wir kamen, helles Licht ein [H. Mann8,38]
von frischer, freier Luft umgeben
Beispiele:
ein luftiger Platz, Aufenthalt
wir befanden uns auf, in luftiger Höhe
2.
leicht, nur locker aufliegend
Beispiele:
ein luftiger Anzug
luftige Kleider, Gewänder
im Sommer sind alle luftig gekleidet
eine luftige Plane
3.
umgangssprachlich
a)
leichtsinnig, flatterhaft
Beispiele:
ein luftiges Bürschchen
abwertend luftiges Gesindel
b)
nicht ernst zu nehmen
Beispiele:
ein luftiger Vorwand
eine luftige Beweisführung
luftige Worte über Demokratie und Freiheit
das sind luftige Phantasien
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Luft · lüften1 · lüften2 · Lüftung · luftig · Luftikus · Luftballon · Luftpumpe · Luftschloß · Luftschiff
Luft f. ‘die Erde umgebendes Gasgemenge, Atmosphäre, leichter Wind, freier Raum, Zwischenraum’, ahd. luft m. f. (8. Jh.), mhd. asächs. luft m. f. ‘Luft, Wind, Himmel’, aengl. lyft m. f. n. ‘Luft, Himmel’, dann auch ‘Dachstube’, anord. lopt n. ‘Luft, Himmel, Dachstube’, schwed. loft ‘Dachstube’, got. luftus m. ‘Luft’, daneben (mit nd.-nl. cht für ft, s. ↗anrüchig) mnd. lucht ‘(Tages)licht, Luft(raum), oberes Stockwerk eines Hauses, Boden’, mnl. lucht, locht ‘Luft, Rauch, oberes Stockwerk eines Hauses’, nl. lucht ‘Luft’. Die Herkunft ist ungewiß. Wenn man der vorgenannten Zusammenstellung der germ. Ausdrücke folgt und annimmt, daß die Bezeichnungen für ‘Luft’ und ‘oberes Stockwerk, Dachstube’ aus einer gemeinsamen Vorstufe hervorgegangen sind, dann darf eine ursprüngliche Bedeutung ‘Bedeckung, Rinden- oder Schindeldach’ vermutet werden, aus der sich Luft als ‘nach oben abschließende Decke’, gleichsam ‘Dach der Welt’, entwickelt haben könnte. Als Verwandte wären vergleichbar ↗Laub, ↗Laube und die unter ↗Rotlauf (s. d.) genannten Formen sowie außergerm. griech. lȳ́pē (λύπη) ‘Kummer, Trauer’, lat. liber (aus *luber) ‘Bast, Buch’, lit. lúoba ‘Baumrinde’, lùpti ‘schälen, abhäuten’, russ. lub (луб) ‘Baumrinde, Bast’, lupít’ (лупить) ‘schälen, enthülsen’. Germ. *luftu- m. bzw. *lufti- f. könnte dann an die Labialerweiterungen ie. *leup-, *leub(h)- ‘abschälen, entrinden, abbrechen, beschädigen’ der Wurzel ie. *leu- ‘abschneiden, trennen, loslösen’ (s. ↗los) angeschlossen werden. Fem. Genus setzt sich im Dt. aus md. Gebrauch seit dem 16. Jh. unter dem Einfluß Luthers in der Schriftsprache durch. lüften1 Vb. ‘hochheben (in die Luft)’, mhd. lüften ‘in die Luft heben, auf-, emporheben’, frühnhd. auch ‘eine Erleichterung, eine Ausnahme gestatten’, mnd. lüchten, mnl. luchten, anord. lypta ‘hochheben’ (s. ↗Lift, ↗liften). lüften2 Vb. ‘Luft einwirken lassen, der Luft aussetzen’ (17. Jh.); dazu Lüftung f. ‘Ventilation’ (17. Jh.). luftig Adj. ‘voller Luft, locker’, mhd. luftec, luftic, lüftic; vgl. ahd. luftīg ‘in der Luft befindlich’ (11. Jh.). Luftikus m. ‘leichtsinniger Mensch, Windbeutel’ (19. Jh.), in der Studentensprache latinisierend zu luftig ‘leichtsinnig’. Luftballon m. ‘mit Heißluft oder Gas gefüllter Ballon für die Luftfahrt’ (18. Jh.), s. ↗Ballon; auch als Kinderspielzeug (20. Jh.). Luftpumpe f. ‘Pumpe zum Einpressen von Luft’ (1719), gebildet analog zu Wasserpumpe (16. Jh.). Luftschloß n. ‘Wunschvorstellung, Phantasie-, Traumgebilde’ (17. Jh.); vgl. ein Schloß in den Lufft bawen (16. Jh.). Luftschiff n. ‘Luftfahrzeug’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
luftig · ↗lässig
Synonymgruppe
dem Wind ausgesetzt · luftdurchströmt · luftdurchweht · luftig · ↗windig · ↗zugig  ●  von Wind umbraust (lit.)  geh. · windumtost (lit.)  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Dachterrasse Gebilde Gespinst Hochsitz Höhe Innenhof Klangbild Kleid Kleidung Konstruktion Layout Leichtigkeit Oberdeck Oberteil Raumgefühl Sandale Schaum Sommerkleid Sommerkleidung Teig Zeltdach bedruckt bekleidet durchbrochen gekleidet geräumig hell licht schwerelos transparent

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›luftig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Immer mehr setzt sich das Cape als luftige Alternative zum Mantel durch.
Die Zeit, 19.04.2010, Nr. 16
Da können die Arbeiter in luftiger Höhe gewiß nur lächeln.
Süddeutsche Zeitung, 24.06.1997
Trotz des nahenden Winters trug sie eine enge kurze Hose und ein luftiges, grünes Top.
Goosen, Frank: Liegen lernen, Frankfurt am Main: Eichborn AG 2000, S. 262
Das Zimmer sollte groß und luftig sein, sauber möbliert und nicht zu teuer.
Ury, Else: Nesthäkchen fliegt aus dem Nest, Stuttgart: K. Thienemanns 1997 [1920], S. 37
Ist dann der Begriff Erde, der Name der Form eines flüchtigen Viertelstündchens, auch noch mehr als ein luftiges Wort?
Mauthner, Fritz: Wörterbuch der Philosophie. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1910], S. 26925
Zitationshilfe
„luftig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/luftig>, abgerufen am 11.12.2019.

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