lungern

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennunglun-gern
Wortbildung mit ›lungern‹ als Erstglied: ↗Lungerer  ·  mit ›lungern‹ als Letztglied: ↗herumlungern · ↗umherlungern  ·  mit ›lungern‹ als Grundform: ↗verlungern
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
müßig umherstreichen, herumlungern
Beispiele:
ein lungerndes Gesindel, Völkchen
Vor den vier Jahrmarktsbuden lungerten einige Buben [H. Mann2,111]
bildlich
Beispiel:
überall lungern Gefahren
2.
landschaftlich nach etw., jmdm. lungernauf etw., jmdn. lauern
Beispiel:
er lungerte förmlich danach, einen Titel zu bekommen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

lungern · herumlungern
lungern Vb. ‘müßig herumstehen, sich herumtreiben’, auch ‘auf etw. gierig sein, lauern’; vgl. mnd. lungeren ‘begierig lauern’, lungerīe ‘müßiges Herumtreiben’. Das mundartlich gut bezeugte, aber erst seit dem 18. Jh. in die Schriftsprache aufgenommene Verb (doch vgl. schon ein vereinzeltes ahd. irlungarōn ‘müßig wandern, herumlungern’, um 1100) ist abgeleitet von einem Adjektiv, das in ahd. (8. Jh.), asächs. lungar ‘kräftig, begierig’ (vgl. aengl. cēaslunger ‘streitsüchtig’, lungre Adv. ‘bald, schnell’), mhd. lunger ‘hurtig, schnell’ erhalten ist. Dies läßt sich (wie ↗Lunge, ↗gelingen, s. d.) an die nasalierte Wurzelform ie. *lṇgu̯h- anschließen. Heute häufiger herumlungern Vb. (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(es sich) bequem machen · (sich) einen (faulen) Lenz machen · ↗(sich) entspannen · ↗(sich) erholen · ↗ausruhen · ↗faulenzen · ↗herumlungern · nichts tun · untätig sein  ●  (die) Füße hochlegen  fig. · (ein) Lotterleben (führen)  scherzhaft · (sich) auf die faule Haut legen  ugs. · (sich) festhalten an  ugs., scherzhaft-ironisch · Däumchen drehen  ugs., fig. · abchillen  ugs., jugendsprachlich · abflacken  ugs. · ↗abhängen  ugs. · ablockern  ugs. · ↗abschalten  ugs. · abschimmeln  derb · absicken (jugendsprachlich)  ugs. · ↗chillen  ugs. · flohnen  ugs., schweiz. · ↗gammeln  ugs. · ↗herumgammeln  ugs. · ↗herumhängen  ugs. · lungern  ugs. · nichts zu tun haben  ugs. · ↗rumfaulenzen  ugs. · ↗rumgammeln  ugs. · rumlungern  ugs.
Assoziationen
  • nichts überstürzen  ●  Eile mit Weile.  Sprichwort · Aus der Ruhe kommt die Kraft.  ugs., Sprichwort · In der Ruhe liegt die Kraft.  ugs., Sprichwort · Nur ned hudle.  ugs., schwäbisch
  • (sich) keinen Zwang antun · (sich) wie zu Hause fühlen · es sich gemütlich machen
  • bequem · entspannt · ↗formlos · ↗gelöst · ↗launig · ↗leger · ↗locker · ↗lässig · ↗unbeschwert · ↗unförmlich · ↗ungezwungen · ↗unverkrampft · ↗zwanglos  ●  chillig  ugs. · ↗geschmeidig  ugs. · ↗relaxed  ugs., engl. · relaxt  ugs. · ↗tiefenentspannt  ugs., ironisch
  • (sich) Zeit nehmen · keine Eile haben (mit)  ●  (sich) Zeit lassen  Hauptform · (sich) nicht überschlagen  ugs. · eine ruhige Kugel schieben  ugs., Redensart · es ruhig angehen lassen  ugs., Hauptform
  • (etwas) geschehen lassen · den Dingen ihren Lauf lassen · nicht aktiv werden (in einer Sache) · nichts machen · nichts tun · nichts unternehmen  ●  (die) Dinge treiben lassen  negativ · (die) Hände in den Schoß legen  fig. · keinen Finger rühren  fig. · tatenlos zusehen  negativ · untätig bleiben  Hauptform
  • (sich) hängenlassen · (sich) zu nichts aufraffen (können) · darauf warten dass ein Wunder geschieht · darauf warten, dass die Zeit vergeht · nichts tun  ●  (irgendwie) die Zeit rumkriegen  ugs.
  • (sich irgendwo) herumdrücken · ↗(sich) herumtreiben · ↗herumlungern · ↗herumstehen  ●  ↗(sich) rumtreiben  ugs. · ↗abhängen  ugs. · ↗herumgammeln  ugs. · ↗rumstehen  ugs.
  • (sich) entspannen · lungern · nichts zu tun haben · untätig sein  ●  ↗abhängen  ugs. · absicken  ugs. · ↗chillen (jugendsprachlich)  ugs. · ↗herumgammeln  ugs. · ↗herumhängen  ugs. · ↗herumlungern  ugs. · keinen Finger krumm machen  ugs. · ↗rumhängen  ugs.
  • (sich) eine Auszeit nehmen · (sich) eine schöne Zeit machen · (sich) einen lauen Lenz machen  ●  (sich) einen Bunten machen  ugs.
  • faul sein · ↗faulenzen · nichts tun  ●  (die) Arbeit nicht erfunden haben  ugs., Redensart · (einfach) dasitzen und Kaffee trinken  ugs., fig. · (sich) an den Füßen spielen  ugs., fig., Redensart · (sich) die Eier schaukeln  derb, fig., Redensart · Däumchen drehen  ugs., Redensart · abhartzen  ugs., salopp · abharzen  ugs., salopp · auf der faulen Haut liegen  ugs., Redensart · keinen Finger krumm machen  ugs., fig., Redensart · keinen Finger rühren  ugs., Redensart, fig. · keinen Handschlag tun  ugs., variabel, Redensart · keinen Schlag tun  ugs.
  • (sich) die Zeit vertreiben · Zeit verschwenden · ↗vertrödeln (Zeit) · ↗vertun (seine Zeit) · ↗vertändeln (Zeit)  ●  Zeit totschlagen  ugs.
  • Maulaffen feilhalten · dastehen und nichts tun · den anderen beim Arbeiten zusehen · untätig dabeistehen (und glotzen) · untätig danebenstehen (und zugucken) · untätig zusehen  ●  (dasitzen und) Löcher in die Luft starren  fig. · ↗(untätig) herumstehen  Hauptform · dastehen und Löcher in die Luft starren  fig. · (sich) die Beine in den Bauch stehen  ugs., fig. · ↗dabeistehen (und Däumchen drehen)  ugs.
  • (gemeinsam) (die) Freizeit verbringen · ↗(sich) treffen  ●  ↗(irgendwo) abhängen  ugs., Hauptform

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bar Dealer Ecke Eingang Gestalt Hund Hundert Jugendliche Sofa Spielplatz Straße Stuhl Typ Tür herum herumlungern rauchen rum rumlungern umher umlungern überall

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›lungern‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In schäbigen Sälen lungern tatendurstige Kinder: Sie warten auf den Dirigenten.
Die Zeit, 11.12.2006, Nr. 50
Nur unten, über dem See, lungern noch ein paar weißgoldene Nebelschwaden.
Venske, Regula: Marthes Vision, Frankfurt am Main: Eichborn Verlag 2006, S. 210
Er sagt, er sei eines Abends nach Hause gekommen, da lungerten 20 Skins vor seiner Tür.
Süddeutsche Zeitung, 11.09.1998
Angekommen, lungerten sie lange schamhaft mit schußbereiten Kameras hinter Büschen.
Morgner, Irmtraud: Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz nach Zeugnissen ihrer Spielfrau Laura, Berlin: Aufbau-Verl. 1974, S. 288
Ich lungere umher, bis die Kompagnie morgens einrückt, grau, schmutzig, verdrossen und trübe.
Remarque, Erich Maria: Im Westen nichts Neues, Berlin: Propyläen 1929, S. 192
Zitationshilfe
„lungern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/lungern>, abgerufen am 09.12.2019.

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