lynchen

GrammatikVerb · lyncht, lynchte, hat gelyncht
Aussprache
Worttrennunglyn-chen
Herkunftaus gleichbedeutend lynchamerik-engl, zum Personennamen Lynch
Wortbildung mit ›lynchen‹ als Erstglied: ↗Lynchgericht · ↗Lynchjustiz · ↗Lynchmob · ↗Lynchmord
DWDS-Vollartikel, 2018

Bedeutung

jmdn. wegen einer tatsächlich begangenen oder nur behaupteten Straftat ohne Einbeziehung der zuständigen Justizorgane eigenmächtig und auf zumeist grausame Art und Weise töten oder misshandeln (oft durch eine aufgebrachte oder aufgehetzte Volksmenge)
Beispiele:
In Indonesien hat eine aufgebrachte Menschenmenge einen mutmaßlichen Dieb gelyncht. Der 30-Jährige soll […] einen Verstärker aus einer Moschee gestohlen haben[…]. Er sei daraufhin durch die Straßen gejagt, verprügelt, mit Benzin übergossen und angezündet worden. [Spiegel, 03.08.2017 (online)]
Eine wütende Menschenmenge hat in Südafrika eine Frau aus Simbabwe gelyncht und bei lebendigem Leib verbrannt, weil sie einen Jungen getötet haben soll. [Die Zeit, 17.03.2015 (online)]
Tausende Afroamerikaner sind in den USA […] zwischen 1877 und 1950 gelyncht worden[…]; damit [wurde] über einen Zeitraum von 73 Jahren mehr als ein Schwarzer pro Woche in den Vereinigten Staaten grausam misshandelt oder getötet. [Die Zeit, 10.02.2015 (online)]
Vermummte Palästinenser haben am Montag in der Stadt Tulkarem im nördlichen Westjordanland acht der Kollaboration mit Israel Verdächtige gelyncht. […] Nach der Ermordung der Gefangenen hätten die Täter die Leichen auf die Straße gezerrt[…]. Die Gefängnisinsassen seien der Zusammenarbeit mit Israel verdächtigt gewesen, jedoch noch nicht offiziell angeklagt worden. [Der Standard, 01.04.2002]
Balugdgitsch [der frühere Sekretär des serbischen Königs] wurde nachmittags von einer großen Menge überfallen, die ihn lynchen wollte, und konnte sich nur durch die Flucht in ein nahegelegenes Hotel retten. [Vossische Zeitung (Morgen-Ausgabe), 01.02.1906]
scherzhaft, übertrieben Während jede Konstanzerin von ihren Nachbarn sofort wahlweise gelyncht oder standrechtlich erschossen würde, wenn sie die umgehende Beseitigung der Exkremente ihres Fiffis mal vergessen sollte, finden Millionen von Berliner Hundebesitzern überhaupt nichts dabei, ihre wauwaulosen Mitmenschen tagtäglich mit stinkendklebrigen Hinterlassenschaften zu terrorisieren. [die tageszeitung, 25.02.1995]
Kollokationen:
hat Präpositionalgruppe/-objekt: von einem Mob, einer Menschenmenge gelyncht werden; wegen Hexerei gelyncht werden
in Koordination: jagen, entführen und lynchen; erschießen oder lynchen
mit Aktivsubjekt: ein Mob, eine Menschenmenge lyncht jmdn.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

lynchen · Lynchjustiz
lynchen Vb. ‘einen (vermeintlichen) Täter ungesetzlich richten und töten oder grausam mißhandeln’, entlehnt (19. Jh.) aus amerik.-engl. to lynch, gebildet aus dem Eigennamen Lynch, vielleicht eines Farmers in Virginia (18. Jh.), der eigenmächtig mit einem selbsternannten Gremium Rechtsprechung geübt haben soll. Lynchjustiz f. ‘Tötung oder Mißhandlung eines (vermeintlichen) Täters ohne gültiges Gerichtsurteil’, besonders durch eine aufgebrachte Volksmenge (19. Jh.), amerik.-engl. lynch law.
Zitationshilfe
„lynchen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/lynchen>, abgerufen am 26.05.2019.

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