Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

mäßig

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung mä-ßig
GrundformMaß1
Wortbildung  mit ›mäßig‹ als Erstglied: Mäßigkeit
eWDG

Bedeutungen

1.
das rechte Maß einhaltend, nicht übertreibend, maßvoll
Beispiele:
mäßig essen, trinken, leben
er war sehr mäßig in seinen Ausdrücken
von etw. einen mäßigen Gebrauch machen
gegen mäßiges Rauchen ist nichts einzuwenden
eine mäßige Ernährung ist der Gesundheit förderlich
2.
nicht besonders groß, gerade angemessen
Beispiele:
mäßige Forderungen, Preise
er fuhr mit mäßigem Tempo durch die Stadt
mäßige Schneefälle setzten ein
sein Vater hatte ihm ein mäßiges Vermögen hinterlassen
er betrat ein mäßig großes Zimmer
der erste Rang war nur mäßig besetzt
Er ließ ihn zuerst in ein mäßig beleuchtetes … Vorzimmer treten [ C. F. MeyerJenatsch1,108]
3.
umgangssprachlich nicht besonders gut, wenig befriedigend
Beispiele:
der Film, das neue Bild ist nur mäßig
die Leistungen der Schwimmer sind in diesem Jahr mäßig
er hat bei den Prüfungen nur mäßig abgeschnitten
sein Schulwissen ist mäßig
dieser Stoff ist von mäßiger Qualität
Ein Rechtspraktikant, der als Volontär mäßig bezahlt war, bat ihn um Gehaltsaufbesserung [ Kellerm.Totentanz59]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Maß · dermaßen · einigermaßen · gewissermaßen · Maßnahme · Maßregel · Maßstab · maßvoll · anmaßen · Anmaßung · mäßig · mäßigen · Gemäß
Maß n. ‘Einheit zum Messen von Größen, die durch Messen festgestellte Größe, Meßinstrument, die richtige Mitte, das rechte Verhältnis’, spätmhd. (bair.-öst.) māʒ n. ‘eine bestimmte Quantität, Gefäß zum Messen, Grad, Art und Weise’ (14. Jh.) ist durch Vermischung hervorgegangen aus ahd. māʒa f. (um 1000), mhd. māʒe f. ‘Maß, angemessene Menge, richtig gemessene Größe, abgegrenzte Ausdehnung in Raum, Zeit, Gewicht, Kraft, Art und Weise, das Maßhalten’ (vgl. dazu mnd. mnl. māte f., nl. maat f.) und ahd. meʒ n. ‘Maß, Meßgerät, Ordnung, Art und Weise’ (8. Jh.), mhd. meʒ n. ‘Maß, womit (Flüssigkeit, Getreide) gemessen wird, Ausdehnung, Richtung, Ziel’, das im Obd. bis ins 16. Jh. mit der Bedeutung ‘Meßgerät’ bewahrt wird. Beide sind Bildungen zu dem unter messen (s. d.) behandelten Verb. Luther verwendet Maß mit fem. und neutr. Genus; im 18. Jh. hat sich das Maß durchgesetzt, während die Maß nur noch im Obd. als Hohlmaß (‘ein Liter’) gilt (vgl. eine Maß Bier). Reste fem. Flexion bewahren die ursprünglichen Genitivfügungen dermaßen Adv. ‘derart’ (15. Jh.), einigermaßen Adv. ‘in gewissem Maße, Grade, ziemlich, erträglich, ungefähr’, anfangs (17. Jh.) in genitivischer Fügung einiger Maße. gewissermaßen Adv. ‘sozusagen, gleichsam’ (18. Jh.). – Maßnahme f. ‘Regelung, Anordnung’ (19. Jh.), älter Maßnehmung (18. Jh.). Maßregel f. ‘Richtlinie, Vorschrift’ (18. Jh.). Maßstab m. ‘Meßlatte’ (15. Jh.), ‘Richtlinie, nach der etw. beurteilt wird’ (17. Jh.). maßvoll Adj. ‘beherrscht, zurückhaltend’ (19. Jh.). anmaßen Vb. reflexiv ‘über das Zustehende hinausgehen, übermäßig großen Anspruch erheben’, mhd. sich anemāʒen ‘für sich als angemessen beanspruchen’; Anmaßung f. ‘unberechtigter Anspruch, Überheblichkeit’ (um 1500). mäßig Adj. ‘maßvoll, durchschnittlich, nicht überragend’ (18. Jh.), ahd. māʒīg ‘Maß haltend’ (10./11. Jh.), mhd. mæʒic ‘enthaltsam, maßvoll, klein’, mhd. frühnhd. auch ‘angemessen, gemäß, entsprechend’. In der letztgenannten Bedeutung entwickelt sich -mäßig zu einem in moderner Sprache überaus produktiven Kompositionssuffix (vgl. bedeutungs-, funktions-, wetter-, wohnungsmäßig); in dieser Funktion belegt seit dem 16. Jh. mäßigen Vb. ‘auf das rechte Maß herabmildern’, reflexiv ‘sich beherrschen, zurückhalten’, mhd. mæʒigen ‘abmessen, ermessen, veranschlagen’, reflexiv ‘sich enthalten’. Gemäß n. Maßeinheit, Meßgerät (Hohl- und Landmaß), gemes (14. Jh.), Gemeß (16. Jh.), mnd. aengl. gemet, eine Kollektivbildung zu Maß (s. oben und s. ge-). Heute unüblich.

Masse · massig · massiv · Massiv
Masse f. ‘dickflüssiger Brei, Menge, Fülle, Gesamtheit, überwiegender Teil, physikalische Eigenschaft stofflicher Materie’, ahd. massa (9. Jh.), mhd. masse ‘ungestalteter Stoff, Klumpen, Teig’ ist Entlehnung aus lat. massa ‘Teig, Klumpen’, das seinerseits aus griech. mā́za (μᾶζα) ‘aus Gerstenmehl hergestellter, getrockneter Teig, Gerstenbrei, -brot, (Metall)klumpen’ stammt. Die Bedeutung ‘Menge’ (von Sachen, auch von Menschen) entsteht schon im Lat. bzw. Spätlat. Durch das in der 2. Hälfte des 18. Jhs. in dieser Bedeutung häufige (gleichfalls auf lat. massa beruhende) frz. masse, (Plural) les masses (zur Bezeichnung revolutionärer Volksmassen) wird nhd. Masse semantisch entscheidend beeinflußt. – massig Adj. ‘schwer, wuchtig’ (19. Jh.). massiv Adj. ‘schwer, gediegen, roh, wuchtig’ (17. Jh.), aus frz. massif. Substantiviert Massiv n. ‘Block, Gebirgsstock’ (19. Jh.), frz. massif ‘Grundmauer, dichtes Gebüsch, Häuserblock, Gebirgsstock’.

Thesaurus

Synonymgruppe
gemäßigt · maßvoll · moderat · mäßig · verhalten  ●  mit Augenmaß  fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
durchaus · eher · halb · nicht un... · reichlich · relativ · vergleichsweise · verhältnismäßig · ziemlich  ●  einigermaßen (Gradadverb)  Hauptform · ganz  ugs. · ganz schön  ugs. · halbwegs  ugs. · hinlänglich  geh. · in Grenzen  geh. · leidlich  geh. · mäßig  geh. · recht  ugs. · schon ganz  ugs.
Assoziationen
  • (es ist) nicht weit her (mit) · (sich) in Grenzen halten · (ziemlich) bescheiden · den Umständen entsprechend · durchschnittlich · durchwachsen · mittelmäßig · passabel  ●  einigermaßen  ugs. · geht so  ugs. · medioker  geh., bildungssprachlich · mittelprächtig  ugs. · mäßig  geh., Hauptform · mäßig bis saumäßig  ugs., sarkastisch · na ja  ugs. · nicht (so) berauschend  ugs. · nicht (so) berühmt  ugs. · nicht besonders  ugs. · nicht so dolle  ugs. · nicht so prickelnd  ugs., fig., variabel · nicht so toll  ugs. · so einigermaßen  ugs. · so lala  ugs.
  • nicht besonders gut  ●  Alles Scheiße, deine Elli.  derb, Spruch, variabel · beschissen ist noch gestrunzt  ugs., regional, Spruch, scherzhaft-ironisch · geht so  ugs. · ging so  ugs. · ich kann nicht besser klagen  ugs., scherzhaft-ironisch · na ja okay  ugs. · so so  ugs.
  • (ganz) anständig · annehmbar · ausreichend · brauchbar · guter Durchschnitt · hinreichend · reicht (aus)  ●  (da) gibt's nichts zu meckern  ugs. · (da) kann man nicht meckern  ugs. · (da) kann man nichts sagen  ugs. · (ganz) akzeptabel  ugs. · (ist) auch schön!  ugs., ironisierend · ganz gut  ugs. · ganz ordentlich  ugs. · geht in Ordnung  ugs. · gut und schön (aber)  ugs. · jetzt nicht (der absolute Hit o.ä.)  ugs. · kann angehen  ugs. · kann sich sehen lassen  ugs. · keine Offenbarung (aber ...)  ugs. · könnte schlimmer sein  ugs., ironisch · leidlich gelungen  geh. · nicht schlecht  ugs. · nicht übel  ugs. · passt schon  ugs., süddt. · schon in Ordnung  ugs. · schon okay  ugs. · schön und gut (aber)  ugs.
Synonymgruppe
(von) schlechter Qualität · Billig... · drittklassig · dürftig · geringwertig · halbwertig · medioker · minderwertig · mäßig · schlecht · zweiten Ranges  ●  billig (geringwertig)  Hauptform · zweitklassig  verhüllend · (von) minderer Güte  geh. · Arme-Leute-...  ugs., fig. · inferior  geh. · inferior (Gut)  fachspr.
Assoziationen
Synonymgruppe
(es ist) nicht weit her (mit) · (sich) in Grenzen halten · (ziemlich) bescheiden · den Umständen entsprechend · durchschnittlich · durchwachsen · mittelmäßig · passabel  ●  einigermaßen  ugs. · geht so  ugs. · medioker  geh., bildungssprachlich · mittelprächtig  ugs. · mäßig  geh., Hauptform · mäßig bis saumäßig  ugs., sarkastisch · na ja  ugs. · nicht (so) berauschend  ugs. · nicht (so) berühmt  ugs. · nicht besonders  ugs. · nicht so dolle  ugs. · nicht so prickelnd  ugs., fig., variabel · nicht so toll  ugs. · so einigermaßen  ugs. · so lala  ugs.
Assoziationen
  • akzeptabel · hinnehmbar · tolerierbar · tragbar · vertretbar · zumutbar  ●  annehmbar  Hauptform · tolerabel  geh.
  • (ganz) anständig · annehmbar · ausreichend · brauchbar · guter Durchschnitt · hinreichend · reicht (aus)  ●  (da) gibt's nichts zu meckern  ugs. · (da) kann man nicht meckern  ugs. · (da) kann man nichts sagen  ugs. · (ganz) akzeptabel  ugs. · (ist) auch schön!  ugs., ironisierend · ganz gut  ugs. · ganz ordentlich  ugs. · geht in Ordnung  ugs. · gut und schön (aber)  ugs. · jetzt nicht (der absolute Hit o.ä.)  ugs. · kann angehen  ugs. · kann sich sehen lassen  ugs. · keine Offenbarung (aber ...)  ugs. · könnte schlimmer sein  ugs., ironisch · leidlich gelungen  geh. · nicht schlecht  ugs. · nicht übel  ugs. · passt schon  ugs., süddt. · schon in Ordnung  ugs. · schon okay  ugs. · schön und gut (aber)  ugs.
Synonymgruppe
in Maßen · mäßig · nicht besonders · nicht sonderlich · nicht weiter
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›mäßig‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›mäßig‹.

Verwendungsbeispiele für ›mäßig‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Noch schwieriger als bei mäßig begabten wird die Frage bei besonders begabten, womöglich mit Talenten ausgestatteten Kindern. [Die Landfrau, 04.04.1925]
Über dem sehr schlichten Grabe erhob sich ein hölzernes griechisches Kreuz von mäßiger Höhe. [Bergengruen, Werner: Der letzte Rittmeister, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1956 [1952], S. 330]
Das Ergebnis ist mäßig, was nicht anders zu erwarten war. [C’t, 2000, Nr. 22]
Für seine mäßige Geschwindigkeit ist das Gerät allerdings viel zu laut. [C’t, 1999, Nr. 23]
Die Bewertung durch die Medien fällt tatsächlich in allen vier Fällen eher mäßig aus. [Die Zeit, 02.04.1998, Nr. 15]
Zitationshilfe
„mäßig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/m%C3%A4%C3%9Fig>.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
mäzenatisch
mäuseln
mäuschenstille
mäuschenstill
mästen
mäßigen
möblieren
möbliert
möchte
möchtegern-