mäßigen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungmä-ßi-gen
Wortbildung mit ›mäßigen‹ als Erstglied: ↗Mäßigung
eWDG, 1974

Bedeutung

etw. zügeln, mildern, verringern
Beispiele:
sie kann ihr Temperament nicht mäßigen
mäßige deinen Zorn, deine Stimme, Streitlust, Worte!
der mäßigende Einfluss meines Freundes
er mäßigte seine Ansprüche in keiner Weise
du musst dein Tempo etwas mäßigen
die gemäßigte (= nicht alle Wörter erfassende) Kleinschreibung
Geografie die gemäßigte Zone (= Zone zwischen Wendekreis und Polarkreis)
sich mäßigensich zügeln, beherrschen
Beispiele:
mäßige dich!
er kann sich in der Erregung nicht mäßigen
du musst dich beim Essen und Trinken mäßigen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Maß · dermaßen · einigermaßen · gewissermaßen · Maßnahme · Maßregel · Maßstab · maßvoll · anmaßen · Anmaßung · mäßig · mäßigen · Gemäß
Maß n. ‘Einheit zum Messen von Größen, die durch Messen festgestellte Größe, Meßinstrument, die richtige Mitte, das rechte Verhältnis’, spätmhd. (bair.-öst.) māʒ n. ‘eine bestimmte Quantität, Gefäß zum Messen, Grad, Art und Weise’ (14. Jh.) ist durch Vermischung hervorgegangen aus ahd. māʒa f. (um 1000), mhd. māʒe f. ‘Maß, angemessene Menge, richtig gemessene Größe, abgegrenzte Ausdehnung in Raum, Zeit, Gewicht, Kraft, Art und Weise, das Maßhalten’ (vgl. dazu mnd. mnl. māte f., nl. maat f.) und ahd. meʒ n. ‘Maß, Meßgerät, Ordnung, Art und Weise’ (8. Jh.), mhd. meʒ n. ‘Maß, womit (Flüssigkeit, Getreide) gemessen wird, Ausdehnung, Richtung, Ziel’, das im Obd. bis ins 16. Jh. mit der Bedeutung ‘Meßgerät’ bewahrt wird. Beide sind Bildungen zu dem unter ↗messen (s. d.) behandelten Verb. Luther verwendet Maß mit fem. und neutr. Genus; im 18. Jh. hat sich das Maß durchgesetzt, während die Maß nur noch im Obd. als Hohlmaß (‘ein Liter’) gilt (vgl. eine Maß Bier). Reste fem. Flexion bewahren die ursprünglichen Genitivfügungen dermaßen Adv. ‘derart’ (15. Jh.), einigermaßen Adv. ‘in gewissem Maße, Grade, ziemlich, erträglich, ungefähr’, anfangs (17. Jh.) in genitivischer Fügung einiger Maße. gewissermaßen Adv. ‘sozusagen, gleichsam’ (18. Jh.). Maßnahme f. ‘Regelung, Anordnung’ (19. Jh.), älter Maßnehmung (18. Jh.). Maßregel f. ‘Richtlinie, Vorschrift’ (18. Jh.). Maßstab m. ‘Meßlatte’ (15. Jh.), ‘Richtlinie, nach der etw. beurteilt wird’ (17. Jh.). maßvoll Adj. ‘beherrscht, zurückhaltend’ (19. Jh.). anmaßen Vb. reflexiv ‘über das Zustehende hinausgehen, übermäßig großen Anspruch erheben’, mhd. sich anemāʒen ‘für sich als angemessen beanspruchen’; Anmaßung f. ‘unberechtigter Anspruch, Überheblichkeit’ (um 1500). mäßig Adj. ‘maßvoll, durchschnittlich, nicht überragend’ (18. Jh.), ahd. māʒīg ‘Maß haltend’ (10./11. Jh.), mhd. mæʒic ‘enthaltsam, maßvoll, klein’, mhd. frühnhd. auch ‘angemessen, gemäß, entsprechend’. In der letztgenannten Bedeutung entwickelt sich -mäßig zu einem in moderner Sprache überaus produktiven Kompositionssuffix (vgl. bedeutungs-, funktions-, wetter-, wohnungsmäßig); in dieser Funktion belegt seit dem 16. Jh. mäßigen Vb. ‘auf das rechte Maß herabmildern’, reflexiv ‘sich beherrschen, zurückhalten’, mhd. mæʒigen ‘abmessen, ermessen, veranschlagen’, reflexiv ‘sich enthalten’. Gemäß n. Maßeinheit, Meßgerät (Hohl- und Landmaß), gemes (14. Jh.), Gemeß (16. Jh.), mnd. aengl. gemet, eine Kollektivbildung zu ↗Maß (s. oben und s. ↗ge-). Heute unüblich.

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemanden) zur Besinnung bringen · (jemanden) zur Vernunft bringen · ↗drosseln · mäßigen · mäßigend einwirken (auf jemanden) · zur Räson bringen · ↗zügeln  ●  dafür sorgen, dass jemand (wieder) Vernunft annimmt  variabel
Assoziationen
  • (jemandem) die Flausen austreiben  ●  (jemandem) den Kopf zurechtrücken  fig. · (jemandem) den Kopf zurechtsetzen  fig.
  • (einen) Dämpfer verpassen · (jemandem) die Flausen im Kopf austreiben · ↗(jemanden) bremsen · (jemanden) in seinem Überschwang dämpfen · auf den Boden der Tatsachen (zurück)holen  ●  (die) Flügel stutzen  fig. · (jemanden) (wieder) auf Normalmaß bringen  fig., variabel
  • (jemanden) bremsen · ↗(jemanden) stoppen · ↗(jemanden) zurückpfeifen
  • (sich) besinnen · (wieder) Verstand annehmen · Vernunft annehmen · einsichtig werden · zur Besinnung kommen · zur Räson kommen · zur Vernunft kommen  ●  (wieder) vernünftig werden  ugs.
  • gefügig machen · gefügsam machen · unter (seine) Kontrolle bringen · ↗zähmen  ●  an die Kandare nehmen  ugs.
Synonymgruppe
(die) Kontrolle behalten (über) · im Zaum halten · in Schach halten · in Zaum halten · mäßigen · unter Kontrolle halten · ↗zügeln
Assoziationen
  • (die) Contenance wahren · ↗(sich) beherrschen · (sich) im Griff haben · (sich) im Zaum halten · (sich) mäßigen · (sich) nicht gehen lassen · (sich) unter Kontrolle haben · ↗(sich) zusammennehmen · ↗(sich) zusammenreißen · ↗(sich) zügeln · an sich halten · nicht die Selbstbeherrschung verlieren · seinen Emotionen (Temperamenten o.ä.) nicht freien Lauf lassen  ●  (dreimal) tief schlucken  ugs. · (seine) Zunge hüten  geh., veraltend, literarisch · den Ball flach halten  ugs., fig. · den Ball flachhalten  ugs., fig. · nicht ausklinken  ugs. · nicht ausrasten  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anspruch Arroganz Ausdrucksweise Drang Empörung Erwartung Forderung Geschwindigkeit Gewerkschaft Haltung Kritik Lohnforderung Rhetorik Sprache Stil Taliban Tempo Ton Tonfall Tonlage Verhalten Zorn Zugriff bald eher kontrollieren Äußerung

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›mäßigen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Bitte sehr, Herr Koch, ich bitte Sie, sich auch zu mäßigen.
Der Tagesspiegel, 26.03.2002
Man tut überhaupt gut, sich in seinen Fragen zu mäßigen.
Berliner Tageblatt (Morgen-Ausgabe), 05.03.1916
Es war klug genug, später nur mäßigen Gebrauch von dem Verbotsrecht zu machen.
Bebel, August: Aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1910], S. 8051
Wer ständig zu viel ißt oder trinkt, muß lernen, sich zu mäßigen.
Giesder, Gabriele: Gutes Benehmen, Düsseldorf: Econ-Taschenbuch-Verl. 1991 [1986], S. 12
Die Sätze hielten sich auch zunächst in sehr mäßigen Grenzen.
Friedländer, Hugo: Der König der Spieler Rudolf Stallmann und Genossen auf der Anklagebank. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1913], S. 3805
Zitationshilfe
„mäßigen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/mäßigen>, abgerufen am 22.10.2019.

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