Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

männlich

Grammatik Adjektiv
Aussprache  [ˈmɛnlɪç]
Worttrennung männ-lich
Wortbildung  mit ›männlich‹ als Erstglied: Männlichkeit  ·  mit ›männlich‹ als Letztglied: unmännlich  ·  mit ›männlich‹ als Grundform: vermännlichen
eWDG

Bedeutungen

1.
dem zeugenden Geschlecht angehörend
in gegensätzlicher Bedeutung zu weiblich
Beispiele:
der männliche Erbe
die männliche Jugend
ein männliches Tier
ein männliches Kalb
Die männlichen Kollegen werden sich in dich verlieben, weil du entzückend bist [ A. ZweigJunge Frau196]
dem befruchtenden Geschlecht angehörend
Beispiel:
eine männliche Blüte, Pflanze
2.
zu einem Mann gehörend, von einem Mann
Beispiele:
männliche Vornamen
männliche Geschlechtsmerkmale
es ertönte eine männliche Stimme
Er soll … zu seiner Schwester, sie wird männlichen Schutz vertragen [ A. ZweigDe Vriendt203]
für einen Mann passend
Beispiele:
männliche Arbeiten
Ein Seemann … Ein schöner, männlicher Beruf [ H. W. RichterSpuren297]
3.
besonders typisch für einen Mann, wie es einem Mann gemäß ist
Beispiele:
er sieht ausgesprochen männlich aus
ein männliches Gesicht
sein Gesicht hat einen männlichen Ausdruck
männliche Eigenschaften
männlicher Ernst, Mut
ein männliches Verhalten, Auftreten
ein männlicher Entschluss
etw. männlich ertragen
männlich handeln
Da sie ihr Haar kurz geschoren trägt, verstärkt sich der Eindruck des Männlichen [ G. Hauptm.4,181]
4.
Sonderbedeutungen
a)
Sprachwissenschaft
Beispiele:
ein männliches (= mit dem Artikel »der« verbundenes) Substantiv
ein Substantiv mit männlichem Geschlecht
der männliche Artikel (= der Artikel »der«)
b)
Literaturwissenschaft
Beispiele:
ein männlicher (= auf eine Hebung endender) Reim
eine männliche Kadenz (= Kadenz mit einer Hebung)
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat A1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Mann · bemannen · entmannen · ermannen · übermannen · mannbar · mannhaft · männlich · Mannheit · Mannschaft · mannstoll · Mannweib · -mann · Blaumann · Flachmann · Henkelmann · Obermann
Mann m. ‘erwachsener Mensch männlichen Geschlechts, Ehemann’. Die germ. Formen ahd. (8. Jh.), mhd. man (Genitiv mannes) ‘Mensch (männlichen Geschlechts in gereiftem Alter), Krieger, Ehemann, Sohn, Diener’, asächs. mnd. mnl. nl. man, afries. mon, man ‘Mensch, Mann’, aengl. man(n), mo(n), engl. man, anord. mannr, maðr, schwed. man, got. manna sind vergleichbar mit aind. mánuḥ (mánu-, mánuṣ-) ‘Mensch, Mann, Menschheit’ und lat. (aus dem Germ.) Mannus Stammvater, Gott der Germanen (Tacitus) und führen großenteils auf ie. *manu- oder *monu- (nordgerm. oder westgerm. -nn- daher aus -nu̯-, während die got. Form möglicherweise einen alten n-Stamm germ. *mannan- voraussetzt). Demgegenüber weisen aslaw. mǫžь, russ. muž (муж) ‘Ehemann, Gatte’ auf ein ie. Gutturalsuffix in Verbindung mit -i̯a-. Man stellt die genannten Bildungen meist zur Wurzel ie. *men(ə)- ‘denken, geistig erregt sein’ (s. mahnen) und nimmt eine Ausgangsbedeutung ‘denkendes Wesen’ an. Aber auch Anknüpfung an die Wurzel ie. *men- ‘hervorragen, emporragen’ (wozu lat. mōns ‘Berg’) wird erwogen, so daß Mann ‘Mensch’ als ‘das Aufragende, das aufrecht gehende Wesen’ zu erklären wäre. Die alte Bedeutung ‘Mensch’ ist erhalten in jemand, niemand und im Indefinitivpronomen man (s. d.). Zur Bezeichnung von ‘Kriegern, Kampfgenossen, Dienern, Gefolge’ ist historisierend der sonst veraltete Plural Mannen noch geläufig. bemannen Vb. ‘mit einer Mannschaft besetzen’, spätmhd. bemannen ‘mit Mannschaft besetzen’, reflexiv ‘einen Mann nehmen’, entmannen Vb. ‘kastrieren’, mhd. entmannen ‘der Mannschaft berauben’, ermannen Vb. (in neuerer Zeit nur reflexiv) ‘sich aufraffen’, mhd. ermannen ‘Mut fassen’ und übermannen Vb. ‘überwältigen’ (16. Jh.) sind Präfixverben zu ungebräuchlich gewordenem mannen Vb., mhd. mannen ‘zum Mann werden, sich als Mann zeigen, zum Mann nehmen, den Lehnseid leisten’, transitiv ‘mit einem Mann versehen’. mannbar Adj. ‘heiratsfähig, geschlechtsreif’ (vornehmlich vom Mann), mhd. manbære ‘eines Mannes fähig, ehefähig, erwachsen’ von Mädchen, später (15. Jh.) von beiden Geschlechtern. mannhaft Adj. ‘wie ein Mann, tapfer, mutig’, mhd. manhaft ‘standhaft, tapfer’. männlich Adj. ‘wie ein Mann, zu einem Mann gehörend oder passend, tapfer, unerschrocken, das Geschlecht eines Mannes habend’, ahd. man(a)līh (9. Jh.), mhd. manlich; in der Grammatik männliches Geschlecht (15. Jh.), nach lat. genus masculīnum. Mannheit f. ‘Männlichkeit, Tapferkeit’, mhd. manheit, auch ‘mannhafte Tat, Mannesalter, Verhältnis eines Dienst- oder Lehnsmannes’. Mannschaft f. ‘Abteilung, Belegschaft, Gesamtheit der Soldaten niedriger Dienstgrade’, mhd. manschaft ‘Verhältnis eines Lehnsmannes zum Lehnsherrn, Lehnspflicht, -huldigung, Hörige, Gefolgsleute’. mannstoll Adj. ‘scharf auf Männer’, spätmhd. mannes tol. Mannweib n. ‘Zwitter’ (17. Jh.), Übersetzung von griech. andrógynos (ἀνδρόγυνος), seit dem 19. Jh. für Amazone ‘männlich wirkende Frau’ (s. d.). In der Sprache der wandernden Handwerksburschen und der Gauner entwickelt sich Mann zum Kompositionssuffix -mann und bildet umschreibende Bezeichnungen für Gebrauchsgegenstände allgemeiner Art, vgl. Blaumann m. ‘dunkelblauer Arbeitsanzug’, Flachmann m. ‘kleine Schnapsflasche für die Jackentasche’, Henkelmann m. ‘Essenskrug’, Obermann m. ‘Hut’.

Thesaurus

Synonymgruppe
maskulin · männlich  ●  viril  fachspr.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›männlich‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›männlich‹.

Verwendungsbeispiele für ›männlich‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ihr männliches Kind begreift sie noch nicht als sexuell, das bedeutet, noch nicht als Mann. [Pilgrim, Volker Elis: Manifest für den freien Mann - Teil 1, Reinbek b. Hamburg: Rowohlt 1983 [1977], S. 76]
Auch anderwärts wird dem weiblichen Partner der soziale Rang des männlichen Partners von der gesamten Gruppe ohne weiteres zuerkannt. [Natzmer, Gert von: Tierstaaten und Tiergesellschaften, Berlin: Safari-Verl. 1967, S. 226]
Den brasilianischen Mura gilt er 14 Tage als männlich, 14 Tage als weiblich. [Eliade, M.: Mond. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 18025]
Auch die teilweise berufsständischen Titel weisen auf männliche Benutzer hin. [Piersig, Fritz: Männerchor. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1960], S. 43405]
Frauen erreichen hier schneller hohe Positionen als in der traditionell männlich dominierten Wirtschaft. [Die Zeit, 24.09.1998, Nr. 40]
Zitationshilfe
„männlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/m%C3%A4nnlich>.

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