Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

müde

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung mü-de (computergeneriert)
Wortbildung  mit ›müde‹ als Erstglied: Müdewerden · Müdigkeit  ·  mit ›müde‹ als Letztglied: altersmüde · arbeitsmüde · daseinsmüde · hundemüde · hundsmüde · lebensmüde · nimmermüde · pflastermüde · sterbensmüde · todmüde · wegmüde · übermüde
 ·  mit ›müde‹ als Grundform: -müde
Mehrwortausdrücke  keine müde Mark · keinen müden Cent · keinen müden Euro · keinen müden Pfennig · müde wie ein Hund
eWDG

Bedeutungen

1.
ermattet und ruhebedürftig, schlafbedürftig
Beispiele:
jmd. ist am Abend (von der Arbeit, großen Anstrengung) müde
die Kinder sind vom Spielen müde
bleiern, zum Umfallen, Hinsinken müde sein
umgangssprachlicher war müde wie ein Hund
für diese Arbeit bin ich jetzt zu müde
durch Lärm, vieles Essen wird man müde
wohlig müde sein
er sieht sehr müde aus
seine Augen blicken müde
jmd. hat sich müde gearbeitet, gelaufen, getanzt
das Kind hat sich müde gespielt
ein Pferd müde reiten
jmd. kommt müde von der Arbeit, Wanderung, Feier nach Hause
das lange Stehen macht mich müde
seine müden Glieder ausstrecken
umgangssprachlicher musste seine müden Knochen ausruhen
übertragen
Beispiele:
eine Maschine, der Ventilator läuft sich müde (= wird leistungsunfähig)
ein müde gewordener Wagen
2.
matt, kraftlos
Beispiele:
der müde Gang des Alten
müde Gebärden, Worte
mit müder Gleichmut, Ergebenheit etw. tun, sagen
er sagte es mit müder Stimme
Sie machte eine kleine müde Handbewegung, die mich zum Schweigen brachte [ RinserMitte253]
3.
gehoben einer Sache, jmds. müde seineiner Sache, jmds. überdrüssig sein
Beispiele:
jmd. ist des Lebens, vielen Redens, Wartens, der Enttäuschungen, dauernden Vorwürfe müde
ich bin seiner müde
Wenn du meines Anblicks müde bist, ich bin deiner Ausschweifungen nicht weniger müde [ BrechtDon JuanI 6]
(es) müde werden, sein + Inf.
Beispiele:
sie wird nicht müde, es immer wieder zu erklären
er wird (es) nicht müde, hartnäckig sein Ziel zu verfolgen
selten eine Sache, jmdn. müde sein
Beispiel:
ich bin diese ewige Behutsamkeit des Angeklagten Hild müde [ SchaumannZwiebel11]
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat A1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

müde · ermüden · Müdigkeit
müde Adj. ‘abgespannt, schlafbedürftig’, Anord. mōðr, dän. (älter) mod sind mit dem Partizipialsuffix ie. -to-, die westgerm. Formen ahd. muodi (8. Jh.), mhd. müede, muode, asächs. mōði, mnd. mȫde, mnl. moede, nl. moede, aengl. mēþe dagegen mit dem zuweilen partizipialen Charakter tragenden Suffix ie. -ti̯o- gebildet (germ. *mōþija-). Zu ie. *mō- (s. mühen) gehörig, ist müde daher als ‘sich gemüht habend, abgemüht’ zu verstehen. – ermüden Vb. ‘müde, abgespannt werden, müde machen’, ahd. irmuodēn (11. Jh.; doch vgl. unirmuodēntlīh, 9. Jh.), mhd. ermüeden (nur intransitiv), zum Simplex mhd. müeden ‘müde machen, werden’. Müdigkeit f. ‘Abgespanntheit, Mattigkeit’, mhd. müedecheit.

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemand) kann kaum die Augen aufhalten · (jemandem) fallen die Augen zu · (sich) kaum noch auf den Beinen halten (können) · hundemüde · müde · reif fürs Bett · schlafbedürftig · schlaftrunken · schläfrig · sterbensmüde · todmüde · unter Schlafmangel leiden · verschlafen · vor Müdigkeit umfallen · übermüdet · übernächtigt  ●  (sich) Streichhölzer zwischen die Augen(lider) klemmen  ugs. · dösig  ugs. · ein fades Aug haben  ugs., wienerisch · verpennt  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
Assoziationen
Assoziationen
  • altbekannt · kennt man schon · man kennt das  ●  abgedroschen abwertend · ausgetretene Pfade fig. · (ganz) alte Leier ugs., fig. · abgegriffen geh., fig. · ausgelutscht ugs., fig., abwertend · tausendmal gehört ugs.
Synonymgruppe
erschöpft · müde  ●  ermattet  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›müde‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›müde‹.

Verwendungsbeispiele für ›müde‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Verdorbene Luft – und das ist verräucherte Luft im Wagen – macht müde. [Dillenburger, Helmut: Das praktische Autobuch, Gütersloh: Bertelsmann 1965 [1957], S. 410]
Es an diesem Abend noch einmal nachzulesen, war er zu müde. [Glavinic, Thomas: Die Arbeit der Nacht, München Wien: Carl Hanser Verlag 2006, S. 124]
Aber ich war viel zu müde, viel zu apathisch dazu. [Braun, Lily: Memoiren einer Sozialistin. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1911], S. 1712]
Ich war aber nachher zu müde, zu müde war ich. [Runge, Erika (Hg.), Bottroper Protokolle, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1968, S. 82]
Er erzählt jetzt seit fünf Stunden, aber das scheint ihn nicht müde zu machen. [Die Zeit, 02.09.1999, Nr. 36]
Zitationshilfe
„müde“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/m%C3%BCde>.

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