maßvoll

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungmaß-voll (computergeneriert)
WortzerlegungMaß1-voll
eWDG, 1974

Bedeutung

gemäßigt, beherrscht
Beispiele:
maßvoll leben, essen, trinken, rauchen
in seinen Forderungen maßvoll sein, bleiben
von etw. maßvollen Gebrauch machen
jmdn. mit maßvollen Worten auf etw. hinweisen
daß er ... nichts in vorbedachten, maßvollen Proportionen zu halten vermag [St. ZweigBalzac365]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Maß · dermaßen · einigermaßen · gewissermaßen · Maßnahme · Maßregel · Maßstab · maßvoll · anmaßen · Anmaßung · mäßig · mäßigen · Gemäß
Maß n. ‘Einheit zum Messen von Größen, die durch Messen festgestellte Größe, Meßinstrument, die richtige Mitte, das rechte Verhältnis’, spätmhd. (bair.-öst.) māʒ n. ‘eine bestimmte Quantität, Gefäß zum Messen, Grad, Art und Weise’ (14. Jh.) ist durch Vermischung hervorgegangen aus ahd. māʒa f. (um 1000), mhd. māʒe f. ‘Maß, angemessene Menge, richtig gemessene Größe, abgegrenzte Ausdehnung in Raum, Zeit, Gewicht, Kraft, Art und Weise, das Maßhalten’ (vgl. dazu mnd. mnl. māte f., nl. maat f.) und ahd. meʒ n. ‘Maß, Meßgerät, Ordnung, Art und Weise’ (8. Jh.), mhd. meʒ n. ‘Maß, womit (Flüssigkeit, Getreide) gemessen wird, Ausdehnung, Richtung, Ziel’, das im Obd. bis ins 16. Jh. mit der Bedeutung ‘Meßgerät’ bewahrt wird. Beide sind Bildungen zu dem unter ↗messen (s. d.) behandelten Verb. Luther verwendet Maß mit fem. und neutr. Genus; im 18. Jh. hat sich das Maß durchgesetzt, während die Maß nur noch im Obd. als Hohlmaß (‘ein Liter’) gilt (vgl. eine Maß Bier). Reste fem. Flexion bewahren die ursprünglichen Genitivfügungen dermaßen Adv. ‘derart’ (15. Jh.), einigermaßen Adv. ‘in gewissem Maße, Grade, ziemlich, erträglich, ungefähr’, anfangs (17. Jh.) in genitivischer Fügung einiger Maße. gewissermaßen Adv. ‘sozusagen, gleichsam’ (18. Jh.). Maßnahme f. ‘Regelung, Anordnung’ (19. Jh.), älter Maßnehmung (18. Jh.). Maßregel f. ‘Richtlinie, Vorschrift’ (18. Jh.). Maßstab m. ‘Meßlatte’ (15. Jh.), ‘Richtlinie, nach der etw. beurteilt wird’ (17. Jh.). maßvoll Adj. ‘beherrscht, zurückhaltend’ (19. Jh.). anmaßen Vb. reflexiv ‘über das Zustehende hinausgehen, übermäßig großen Anspruch erheben’, mhd. sich anemāʒen ‘für sich als angemessen beanspruchen’; Anmaßung f. ‘unberechtigter Anspruch, Überheblichkeit’ (um 1500). mäßig Adj. ‘maßvoll, durchschnittlich, nicht überragend’ (18. Jh.), ahd. māʒīg ‘Maß haltend’ (10./11. Jh.), mhd. mæʒic ‘enthaltsam, maßvoll, klein’, mhd. frühnhd. auch ‘angemessen, gemäß, entsprechend’. In der letztgenannten Bedeutung entwickelt sich -mäßig zu einem in moderner Sprache überaus produktiven Kompositionssuffix (vgl. bedeutungs-, funktions-, wetter-, wohnungsmäßig); in dieser Funktion belegt seit dem 16. Jh. mäßigen Vb. ‘auf das rechte Maß herabmildern’, reflexiv ‘sich beherrschen, zurückhalten’, mhd. mæʒigen ‘abmessen, ermessen, veranschlagen’, reflexiv ‘sich enthalten’. Gemäß n. Maßeinheit, Meßgerät (Hohl- und Landmaß), gemes (14. Jh.), Gemeß (16. Jh.), mnd. aengl. gemet, eine Kollektivbildung zu ↗Maß (s. oben und s. ↗ge-). Heute unüblich.

Thesaurus

Synonymgruppe
gemäßigt · maßvoll · mit Augenmaß · ↗moderat · ↗mäßig · ↗verhalten
Assoziationen
Antonyme
  • überzogen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anhebung Bebauung Biergenuss Bierkonsum Gesetzesvollzug Lohnabschluß Lohnentwicklung Lohnerhöhung Lohnforderung Lohnpolitik Lohnsteigerunge Nachverdichtung Nationalbewußtsein Preispolitik Selbstbeteiligung Straffung Tarifabschluß Tariferhöhung Tarifpolitik Verdichtung Zentralismus Zinsanhebung Zinserhöhung Zinsschritt ausgewogen berechenbar besonnen schrittweise straffen vernünftig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›maßvoll‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Deshalb sollte es im Interesse eines jeden verantwortungsbewußten Managers sein, maßvoll zu handeln.
Die Welt, 28.12.2004
Die Politik hat es jedoch lange versäumt, maßvoll zu deregulieren.
Der Tagesspiegel, 13.10.1999
Ich sehe eine der wichtigsten Funktionen des wirtschaftspolitischen Beraters darin, diese Tendenzen maßvoll zu korrigieren.
Giersch, Herbert: Allgemeine Wirtschaftspolitik, Wiesbaden: Gabler 1960, S. 315
Er gab seiner Freude über die bis dahin errungenen Erfolge maßvollen Ausdruck.
Voß, Ernst: Lebenserinnerungen und Lebensarbeit des Mitbegründers der Schiffswerft von Blohm & Voß. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1924], S. 8671
Die Dominikanerregel verlangte auch eine maßvolle Höhe, die mehrfach aber übersteigert wurde.
o. A.: Lexikon der Kunst - B. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1987], S. 29044
Zitationshilfe
„maßvoll“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/maßvoll>, abgerufen am 18.02.2019.

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