marode
GrammatikAdjektiv
Worttrennungma-ro-de (computergeneriert)
HerkunftFranzösisch
eWDG, 1974

Bedeutung

umgangssprachlich ermattet, erschöpft, leicht krank
Beispiele:
nach der vielen Arbeit, anstrengenden Wanderung war er ganz marode
ein maroder (= schwächlicher) Kerl
Marode bin ich! Müde-matt-marode bin ich! [G. Hauptm.AngermannI]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

marode · marodieren · Marodeur
marode Adj. ‘ermüdet, erschöpft, entkräftet’ (18. Jh.), ursprünglich von Soldaten ‘marschunfähig, nach Verlust des Pferdes für den Kriegsdienst unbrauchbar’ (Ende 17. Jh.). Der Ausdruck geht letztlich auf frz. maraud ‘Vagabund, Bettler, Lump, schlechter Kerl’ zurück, dessen Etymologie nicht sicher geklärt ist. Vielleicht kann man (mit FEW 6, 1, 356 ff.) Übertragung von (nicht schriftsprachlichem) frz. maraud ‘Kater’ annehmen, einer onomatopoetischen, das Schnurren der Katzen nachahmenden Bildung, die sich (als ablautende und reduplikationslose Form) zu lautmalendem ie. *mormor-, *murmur- ‘murmeln, Gemurmel’ (s. ↗murmeln) stellen läßt und mit der pejorativen Endung frz. -aud versehen ist. An frz. maraud ‘Vagabund, Bettler’ schließt sich ein Verb frz. marauder ‘im Kriege Lebensmittel stehlen, plündern’ (älter auch ‘betteln’) und ein aus diesem rückgebildetes Femininum maraude ‘Lebensmittelbeschaffung im Kriege, Plünderung’ an. Die frz. Wortgruppe wird offenbar während des Dreißigjährigen Krieges in Deutschland bekannt, verbindet sich hier aber mit dem Namen des schwedischen Obersten v. Merode, dessen Regimentsangehörige nach einer Meuterei (1635) für vogelfrei erklärt wurden und sich als Plünderer herumtrieben. So werden Soldaten, die mit dem Heer nicht Schritt halten können und als Nachzügler plündernd umherstreifen, im Dt. seit der Mitte des 17. Jhs. Merodebrüder, Marodebrüder genannt; vgl. ferner sich auf Merode begeben (17. Jh.), auf die Maraude gehen (18. Jh.) ‘auf Plünderung, Raub ausgehen’. Während frz. maraud nur vereinzelt in Mundarten adjektivisch im Sinne von ‘grob, plump, ungeschickt, dumm’ verwendet wird, entwickelt sich marode im Dt. seit dem späten 17. Jh. zum Adjektiv. marodieren Vb. ‘als Nachzügler (auch aus vorgetäuschter Entkräftung) plündern, plündernd im Land umherstreifen’ (18. Jh.), frz. marauder (s. oben). Marodeur m. ‘plündernder Nachzügler, Plünderer’ (18. Jh.), frz. maraudeur.

Thesaurus

Synonymgruppe
(völlig) kaputt · ↗ausgeleiert · ↗baufällig · ↗brüchig · ↗defizitär · ↗entzwei · ↗fehlerhaft · ↗irreparabel · ↗lückenhaft · marode · nicht mehr zu gebrauchen · ↗unbrauchbar · verlustbehaftet · vernichtet · zerbrochen · ↗zermahlen · zermalmt · zerstört · zertrümmert · ↗zuschanden  ●  aus dem Leim gegangen  ugs. · ↗auseinander  ugs. · ↗drittklassig  ugs. · ↗hin  ugs. · ↗hinüber  ugs. · im Arsch  derb · im Eimer  ugs. · reif für den Sperrmüll  ugs. · schrottig  ugs. · völlig hinüber  ugs. · zu nichts mehr zu gebrauchen  ugs. · zum in die Tonne kloppen  ugs.
Assoziationen
  • angeknackst · ↗angeschlagen · angestoßen · ↗beschädigt · ↗defekt · in Mitleidenschaft gezogen · lädiert · ↗mitgenommen · ramponiert · ↗schadhaft · ↗wurmstichig
  • Schwingbruch · Schwingungsbruch  ●  Dauerbruch  ugs. · ↗Ermüdungsbruch  ugs.
  • dürftig · ↗lausig · ↗nachteilig · ↗negativ · ↗schädlich · ↗ungut · ↗ungünstig · von Nachteil · ↗widrig  ●  ↗schlecht  Hauptform · zu wünschen übrig lassen  ugs.
  • Schrottwagen  ●  altes Auto  Hauptform · ↗(alte) Klapperkiste  ugs. · ↗(alte) Mühle  ugs. · Abwrackkarre  ugs. · ↗Karre  ugs. · ↗Klapperkiste  ugs. · ↗Nuckelpinne  ugs. · ↗Rostbeule  ugs. · ↗Rostlaube  ugs. · ↗Schleuder  ugs. · ↗Schrottauto  ugs. · Schrottbüchse  ugs. · ↗Schrottfahrzeug  ugs. · ↗Schrotthaufen  ugs. · ↗Schrottkarre  ugs. · ↗Schrottkiste  ugs. · ↗Schrottmühle  ugs. · ↗Schüssel  ugs. · alte Blechkiste  ugs. · fahrbarer Schrotthaufen  ugs.
  • abgehalftert · ↗abgerissen · ↗abgetakelt · abgewirtschaftet · am Ende · ↗desolat · in einem schlechten Zustand · marode · ↗mies · ruiniert · ↗schäbig · ↗ungepflegt · verdorben · ↗verkommen · verlottert · verludert · verlumpt · ↗verschlissen · verwahrlost · verwildert · zerfasert · zerfleddert · ↗zerlumpt · zerschlissen  ●  ↗(äußerlich) heruntergekommen  Hauptform · (herumlaufen) wie ein Penner  derb, abwertend · ↗abgefuckt  derb, jugendsprachlich · abgeranzt  ugs. · abgewrackt  ugs. · auf den Hund gekommen  ugs. · ↗gammelig  ugs. · muchtig  ugs., berlinerisch · vergammelt  ugs.
  • außer Betrieb · funktioniert nicht (mehr) · funktionsunfähig · ↗funktionsuntüchtig · hat seine Funktion eingestellt · in die Brüche gegangen · läuft nicht · nicht funktionierend · nicht mehr benutzbar  ●  ↗defekt  Hauptform · abgekackt  ugs. · fratze  ugs. · geht nicht (mehr)  ugs. · ↗hin  ugs. · im Eimer  ugs. · ↗kaputt  ugs. · verreckt  ugs.
  • (sich selbst) zerlegen · (sich) in seine Einzelteile auflösen · ↗auseinanderbrechen · ↗auseinanderfallen · ↗durchbrechen · ↗entzweibrechen · ↗entzweigehen · in ... Teile zerbrechen · in Stücke brechen · in alle Einzelteile auseinanderfallen · in den Eimer gehen · in die Brüche gehen · in seine Einzelteile auseinanderfallen · in zwei Teile brechen · ↗kaputtgehen · mitten durchbrechen · ↗zerbröckeln · zerfetzt werden · zerstört werden  ●  (sich) in Wohlgefallen auflösen  ironisch · aus dem Leim gehen  ugs. · ↗auseinandergehen  ugs. · in Stücke gehen  ugs. · in die Binsen gehen  ugs.
  • (eine) Reparatur durchführen · (eine) Reparatur vornehmen · (einen) Mangel beheben · (einen) Mangel beseitigen · (einen) Schaden beheben · (einen) Schaden beseitigen · ↗(wieder) herrichten · (wieder) in Gang bringen · ↗(wieder) in Stand setzen · (wieder) in einen gebrauchsfähigen Zustand versetzen · (wieder) instand setzen · (wieder) zum Laufen bringen  ●  ↗reparieren  Hauptform · ↗richten  süddt. · (wieder) ganz machen  ugs. · (wieder) heil(e) machen  ugs. · ↗(wieder) hinbekommen  ugs.
  • halt dich nicht lange damit auf  ●  wirf es weg  Hauptform · (das) ist gut für die Tonne  ugs. · (das) kann weg  ugs. · (etwas) kann (zum Müll o.ä.)  ugs., variabel · (nur) weg damit  ugs. · hau weg den Scheiß (gespielt prollig)  ugs. · immer weg damit  ugs. · reif für die Tonne  ugs. · schmeiß es weg  ugs. · sieh zu, dass das wegkommt  ugs.
Synonymgruppe
abbruchreif · auf Abbruch stehen · ↗baufällig · ↗heruntergekommen · in einem erbarmungswürdigen Zustand · marode · ↗sanierungsbedürftig · ↗unbewohnbar
Assoziationen
  • menschenunwürdig · ↗unmenschlich
  • aufgelassen · dem Verfall preisgegeben · in einem desolaten Zustand · nicht unterhalten (worden) · verwahrlost (Haus, Anwesen) · verwildert · zu (...) verkommen
  • (ein) Bild des Jammers (bieten) · in einem beklagenswerten Zustand · in keinem guten Zustand  ●  (einfach nur) schrecklich aussehen  ugs., emotional
  • Schrottimmobilie · heruntergekommenes Haus
Synonymgruppe
abgewirtschaftet · ermattet · marode · verbraucht · verlustbehaftet
Synonymgruppe
abgehalftert · ↗abgerissen · ↗abgetakelt · abgewirtschaftet · am Ende · ↗desolat · in einem schlechten Zustand · marode · ↗mies · ruiniert · ↗schäbig · ↗ungepflegt · verdorben · ↗verkommen · verlottert · verludert · verlumpt · ↗verschlissen · verwahrlost · verwildert · zerfasert · zerfleddert · ↗zerlumpt · zerschlissen  ●  ↗(äußerlich) heruntergekommen  Hauptform · (herumlaufen) wie ein Penner  derb, abwertend · ↗abgefuckt  derb, jugendsprachlich · abgeranzt  ugs. · abgewrackt  ugs. · auf den Hund gekommen  ugs. · ↗gammelig  ugs. · muchtig  ugs., berlinerisch · vergammelt  ugs.
Assoziationen
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anlagen Bankensystem Bausubstanz Beton Bildungssystem Brücken Bäder Bühnentechnik DDR-Wirtschaft Dach Elektrik Fassade Förderanlagen Gebäude Gesundheitssystem Gleise Infrastruktur Kanäle Schienennetz Schulgebäude Sportstätten Staatsbetriebe Staatsfinanzen Staatsunternehmen Stadion Wasserleitungen derart gewordene veraltet ziemlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›marode‹.

DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die maroden Häuser sehen trostlos aus, die Straßen sind menschenleer.
Süddeutsche Zeitung, 16.12.1997
Und hernach ist in der Presse wieder viel von "maroder Technik" die Rede.
Die Zeit, 14.11.1997, Nr. 47
Die besonders maroden Pfeifen könne er ihm durchaus hier schon ansagen.
Schneider, Robert: Schlafes Bruder, Leipzig: Reclam 1992, S. 55
Es gibt Abende, an denen ich völlig leer und marode in der Garderobe sitze und mich nicht einmal aufraffen kann, nach Hause zu fahren.
Knef, Hildegard: Der geschenkte Gaul, Berlin: Ullstein 1999 [1970], S. 394
Ich kann den Blick nicht abwenden und fühle mich immer mehr abgestoßen von diesem maroden Haufen, von den Wonnen der Selbstquälerei.
Delius, Friedrich Christian: Ein Held der inneren Sicherheit, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1981, S. 193
Zitationshilfe
„marode“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/marode>, abgerufen am 19.01.2018.

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