marode

Grammatik Adjektiv
Worttrennung ma-ro-de
Herkunft zu maraudfrz ‘Vagabund, Bettler, Lump, schlechter Kerl’
eWDG

Bedeutung

umgangssprachlich ermattet, erschöpft, leicht krank
Beispiele:
nach der vielen Arbeit, anstrengenden Wanderung war er ganz marode
ein maroder (= schwächlicher) Kerl
Marode bin ich! Müde‑matt‑marode bin ich! [ G. Hauptm.AngermannI]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

marode · marodieren · Marodeur
marode Adj. ‘ermüdet, erschöpft, entkräftet’ (18. Jh.), ursprünglich von Soldaten ‘marschunfähig, nach Verlust des Pferdes für den Kriegsdienst unbrauchbar’ (Ende 17. Jh.). Der Ausdruck geht letztlich auf frz. maraud ‘Vagabund, Bettler, Lump, schlechter Kerl’ zurück, dessen Etymologie nicht sicher geklärt ist. Vielleicht kann man (mit FEW 6, 1, 356 ff.) Übertragung von (nicht schriftsprachlichem) frz. maraud ‘Kater’ annehmen, einer onomatopoetischen, das Schnurren der Katzen nachahmenden Bildung, die sich (als ablautende und reduplikationslose Form) zu lautmalendem ie. *mormor-, *murmur- ‘murmeln, Gemurmel’ (s. murmeln) stellen läßt und mit der pejorativen Endung frz. -aud versehen ist. An frz. maraud ‘Vagabund, Bettler’ schließt sich ein Verb frz. marauder ‘im Kriege Lebensmittel stehlen, plündern’ (älter auch ‘betteln’) und ein aus diesem rückgebildetes Femininum maraude ‘Lebensmittelbeschaffung im Kriege, Plünderung’ an. Die frz. Wortgruppe wird offenbar während des Dreißigjährigen Krieges in Deutschland bekannt, verbindet sich hier aber mit dem Namen des schwedischen Obersten v. Merode, dessen Regimentsangehörige nach einer Meuterei (1635) für vogelfrei erklärt wurden und sich als Plünderer herumtrieben. So werden Soldaten, die mit dem Heer nicht Schritt halten können und als Nachzügler plündernd umherstreifen, im Dt. seit der Mitte des 17. Jhs. Merodebrüder, Marodebrüder genannt; vgl. ferner sich auf Merode begeben (17. Jh.), auf die Maraude gehen (18. Jh.) ‘auf Plünderung, Raub ausgehen’. Während frz. maraud nur vereinzelt in Mundarten adjektivisch im Sinne von ‘grob, plump, ungeschickt, dumm’ verwendet wird, entwickelt sich marode im Dt. seit dem späten 17. Jh. zum Adjektiv. marodieren Vb. ‘als Nachzügler (auch aus vorgetäuschter Entkräftung) plündern, plündernd im Land umherstreifen’ (18. Jh.), frz. marauder (s. oben). Marodeur m. ‘plündernder Nachzügler, Plünderer’ (18. Jh.), frz. maraudeur.

Thesaurus

Synonymgruppe
(völlig) kaputt · entzwei · marode · nicht mehr zu gebrauchen · unbrauchbar · vernichtet · zerbrochen · zermahlen · zermalmt · zerstört · zertrümmert  ●  diffrakt  lat. · aus dem Leim gegangen  ugs. · auseinander  ugs. · geschrottet  ugs. · hin  ugs. · hinüber  ugs. · im Arsch  derb · im Eimer  ugs. · irreparabel  geh. · reif für den Sperrmüll  ugs. · reif für die Tonne  ugs. · rott  ugs., regional · schrottig  ugs. · völlig hinüber  ugs. · zu nichts mehr zu gebrauchen  ugs. · zuschanden  geh., veraltend
Assoziationen
Synonymgruppe
abbruchreif · auf Abbruch stehen · baufällig · heruntergekommen · in einem erbarmungswürdigen Zustand · marode · sanierungsbedürftig · unbewohnbar
Assoziationen
  • menschenunwürdig · unmenschlich
  • aufgelassen · dem Verfall preisgegeben · in einem desolaten Zustand · nicht unterhalten (worden) · verwahrlost (Haus, Anwesen) · verwildert · zu (...) verkommen
  • (ein) Bild des Jammers (bieten) · in einem beklagenswerten Zustand · in keinem guten Zustand  ●  (einfach nur) schrecklich aussehen  ugs., emotional
  • Schrottimmobilie · heruntergekommenes Haus
  • Loch · armselige Behausung · baufälliges Haus  ●  Bruchbude  abwertend, Hauptform
  • (völlig) kaputt · entzwei · marode · nicht mehr zu gebrauchen · unbrauchbar · vernichtet · zerbrochen · zermahlen · zermalmt · zerstört · zertrümmert  ●  diffrakt  lat. · aus dem Leim gegangen  ugs. · auseinander  ugs. · geschrottet  ugs. · hin  ugs. · hinüber  ugs. · im Arsch  derb · im Eimer  ugs. · irreparabel  geh. · reif für den Sperrmüll  ugs. · reif für die Tonne  ugs. · rott  ugs., regional · schrottig  ugs. · völlig hinüber  ugs. · zu nichts mehr zu gebrauchen  ugs. · zuschanden  geh., veraltend
Synonymgruppe
abgewirtschaftet · ermattet · marode · verbraucht · verlustbehaftet
Synonymgruppe
abgehalftert · abgerissen · abgetakelt · abgewirtschaftet · am Ende · desolat · in einem schlechten Zustand · marode · mies · ruiniert · schäbig · ungepflegt · verdorben · verkommen · verlottert · verludert · verlumpt · verschlissen · verwahrlost · verwildert · zerfasert · zerfleddert · zerlumpt · zerschlissen  ●  (äußerlich) heruntergekommen  Hauptform · (herumlaufen) wie ein Penner  derb, abwertend · abgefuckt  derb, jugendsprachlich · abgeranzt  ugs. · abgerockt  ugs., salopp · abgewrackt  ugs. · auf den Hund gekommen  ugs. · gammelig  ugs. · muchtig  ugs., berlinerisch · vergammelt  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›marode‹

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Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›marode‹.

Verwendungsbeispiele für ›marode‹

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Jetzt will man das marode Haus so schnell wie möglich an einen zahlungskräftigen Investor loswerden.
Der Tagesspiegel, 06.07.2000
Die maroden Häuser sehen trostlos aus, die Straßen sind menschenleer.
Süddeutsche Zeitung, 16.12.1997
Die besonders maroden Pfeifen könne er ihm durchaus hier schon ansagen.
Schneider, Robert: Schlafes Bruder, Leipzig: Reclam 1992, S. 55
Es gibt Abende, an denen ich völlig leer und marode in der Garderobe sitze und mich nicht einmal aufraffen kann, nach Hause zu fahren.
Knef, Hildegard: Der geschenkte Gaul, Berlin: Ullstein 1999 [1970], S. 394
Ich kann den Blick nicht abwenden und fühle mich immer mehr abgestoßen von diesem maroden Haufen, von den Wonnen der Selbstquälerei.
Delius, Friedrich Christian: Ein Held der inneren Sicherheit, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1981, S. 193
Zitationshilfe
„marode“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/marode>, abgerufen am 03.12.2021.

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