Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

marodieren

Grammatik Verb · marodiert, marodierte, hat marodiert
Aussprache 
Worttrennung ma-ro-die-ren
Herkunft aus gleichbedeutend marauderfrz
eWDG

Bedeutung

historisch hinter der Truppe zurückbleiben und plündern
Beispiel:
Die Reste der geschlagenen unbezahlten Truppen Rudolfs marodieren … in allen habsburgischen Ländern [ TralowKepler301]
Grammatik: oft im Partizip I
Beispiele:
marodierende Soldaten, Banden
marodierendes Gesindel trieb sich in der Gegend herum
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

marode · marodieren · Marodeur
marode Adj. ‘ermüdet, erschöpft, entkräftet’ (18. Jh.), ursprünglich von Soldaten ‘marschunfähig, nach Verlust des Pferdes für den Kriegsdienst unbrauchbar’ (Ende 17. Jh.). Der Ausdruck geht letztlich auf frz. maraud ‘Vagabund, Bettler, Lump, schlechter Kerl’ zurück, dessen Etymologie nicht sicher geklärt ist. Vielleicht kann man (mit FEW 6, 1, 356 ff.) Übertragung von (nicht schriftsprachlichem) frz. maraud ‘Kater’ annehmen, einer onomatopoetischen, das Schnurren der Katzen nachahmenden Bildung, die sich (als ablautende und reduplikationslose Form) zu lautmalendem ie. *mormor-, *murmur- ‘murmeln, Gemurmel’ (s. murmeln) stellen läßt und mit der pejorativen Endung frz. -aud versehen ist. An frz. maraud ‘Vagabund, Bettler’ schließt sich ein Verb frz. marauder ‘im Kriege Lebensmittel stehlen, plündern’ (älter auch ‘betteln’) und ein aus diesem rückgebildetes Femininum maraude ‘Lebensmittelbeschaffung im Kriege, Plünderung’ an. Die frz. Wortgruppe wird offenbar während des Dreißigjährigen Krieges in Deutschland bekannt, verbindet sich hier aber mit dem Namen des schwedischen Obersten v. Merode, dessen Regimentsangehörige nach einer Meuterei (1635) für vogelfrei erklärt wurden und sich als Plünderer herumtrieben. So werden Soldaten, die mit dem Heer nicht Schritt halten können und als Nachzügler plündernd umherstreifen, im Dt. seit der Mitte des 17. Jhs. Merodebrüder, Marodebrüder genannt; vgl. ferner sich auf Merode begeben (17. Jh.), auf die Maraude gehen (18. Jh.) ‘auf Plünderung, Raub ausgehen’. Während frz. maraud nur vereinzelt in Mundarten adjektivisch im Sinne von ‘grob, plump, ungeschickt, dumm’ verwendet wird, entwickelt sich marode im Dt. seit dem späten 17. Jh. zum Adjektiv. marodieren Vb. ‘als Nachzügler (auch aus vorgetäuschter Entkräftung) plündern, plündernd im Land umherstreifen’ (18. Jh.), frz. marauder (s. oben). Marodeur m. ‘plündernder Nachzügler, Plünderer’ (18. Jh.), frz. maraudeur.

Thesaurus

Synonymgruppe
marodieren · plündern · räubern
Synonymgruppe
marodieren · sengen und morden · sengen und plündern  ●  sengen und brennen  veraltet
Synonymgruppe
(die) Gegend unsicher machen · (herum)marodieren · (irgendwo) kriminell aktiv sein · (irgendwo) sein Unwesen treiben · (seinen) verbrecherischen Geschäften nachgehen

Typische Verbindungen zu ›marodieren‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›marodieren‹.

Verwendungsbeispiele für ›marodieren‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Man wollte den Sowjets entkommen, die wahllos mordeten, vergewaltigten und marodierten. [Die Welt, 16.06.1999]
Hier wird wenigstens nicht mehr marodiert und polemisiert, sondern eine sachliche Diktion gesucht. [Die Welt, 26.06.2003]
Entwurzelte Menschen ziehen durchs Land und marodieren da und dort. [Der Tagesspiegel, 09.02.2000]
Sadistische Banden marodieren durch die Lande, die Polizei wehrt sich blindwütig. [Süddeutsche Zeitung, 04.09.1999]
Und schließlich marodieren die Banden der paramilitärischen Milizen durchs Land. [Süddeutsche Zeitung, 01.04.1999]
Zitationshilfe
„marodieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/marodieren>.

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