Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

marschieren

Grammatik Verb · marschiert, marschierte, ist marschiert
Aussprache 
Worttrennung mar-schie-ren
eWDG

Bedeutung

über größere Entfernungen (in einer geordneten Gruppe) zu Fuß gehen
Beispiele:
im Gleichschritt, auf Vordermann marschieren
umgangssprachlichim Gänsemarsch marschieren
eine Kompanie Soldaten marschiert durch die Stadt
die Armee war nach Süden, in den Krieg, gegen den Feind marschiert
die Demonstranten marschierten zum Rathaus
eine Schar junger Leute ist singend durch die Straßen marschiert
Ich … marschierte bei herrlichstem Wetter durch das Höllental über den Schwarzwald nach Neustadt [ BebelAus meinem Leben44]
umgangssprachlich entschlossen und zielstrebig gehen
Beispiele:
der Diskussionsredner marschierte nach vorn zum Pult
Gradewegs marschiert Pinneberg in Bergmanns Laden [ FalladaKleiner Mann91]
bildlich
Beispiel:
sie … ließ die Augen nach rechts und links marschieren [ G. HermannKubinke115]
übertragen
Beispiel:
die ganze Angelegenheit marschierte (= lief) in die falsche Richtung
etw. marschiertetw. setzt sich durch, gewinnt an Bedeutung
Beispiel:
Sie sehen, die Zivilisation marschiert [ BredelVäter109]
mit jmdm. marschierenjmdm. folgen, sich jmdm. anschließen
Beispiel:
wo doch die Zeitungsberichte deutlich machen, wer mit den Faschisten marschiert ist [ Diggelm.Hinterlassenschaft129]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Marsch1 · marschieren
Marsch1 m. ‘Fortbewegung zu Fuß über größere Entfernungen’, besonders ‘geordnete Bewegung einer militärischen Einheit über eine längere Strecke’ sowie ‘militärisches Aufbruchssignal’ (1. Hälfte 17. Jh.), dann auch ‘dem Marschtritt angepaßtes, durch seinen gleichmäßigen Rhythmus das Marschieren unterstützendes Musikstück’ (18. Jh.), in allen Bedeutungen entlehnt (mit Genuswechsel, vielleicht nach Zug m.) aus mfrz. frz. marche f., das sich bereits im 16. Jh. zum militärischen Terminus für die geordnete Truppenbewegung entwickelt hat und auf Grund der Vorbildwirkung der französischen Armee ins Dt. gelangt (bis ins 18. Jh. auch Marche, March geschrieben). Afrz. mfrz. marche, zunächst im Sinne von ‘Tritt, Fährte, Spur’ und (mfrz.) ‘das Gehen, Gangart’, ist abgeleitet von afrz. marchier ‘mit den Füßen treten, zu Fuß durchwandern, gehen’, frz. marcher ‘vorwärts gehen, marschieren’, das germ. Herkunft ist und etymologisch zu der unter Mark1 (s. d.) behandelten Wortgruppe gehört. Daher ist als ursprüngliche Bedeutung des Verbs wohl ‘(mit den Füßen) ein Zeichen eindrücken, eine Fußspur hinterlassen’ anzusetzen. – marschieren Vb. ‘gleichmäßig ausschreiten, in geschlossener Gruppe bzw. im Gleichschritt gehen’ (Anfang 17. Jh.), vgl. frz. marcher (s. oben).

Thesaurus

Synonymgruppe
im Gleichschritt gehen · in Reih und Glied gehen · marschieren · paradieren
Oberbegriffe
  • einen Fuß vor den anderen setzen · gehen · laufen  ●  zu Fuß gehen Hauptform · latschen ugs., salopp · zu Fuß laufen ugs.
Assoziationen
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›marschieren‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›marschieren‹.

Verwendungsbeispiele für ›marschieren‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er war in die falsche Richtung marschiert, das ist alles. [Müller, Herta: Herztier, Reinbek: Rowohlt 1994, S. 176]
Die Reste der Abteilung marschierten weiter, kaum bewaffnet, noch fünfzig Mann. [Noll, Dieter: Die Abenteuer des Werner Holt, Berlin: Aufbau-Verl. 1984 [1960], S. 895]
An ihr siedelten griechische Händler, und über sie marschierten römische Legionen. [Die Zeit, 26.09.1997, Nr. 40]
Über seine holprigen Wege marschierten noch vor wenigen Tagen nur die Gänse. [Die Zeit, 19.01.1996, Nr. 4]
Er marschierte in einem Zug lautlos wie Rauch dahinziehender Gespenster. [Plievier, Theodor: Stalingrad, München u. a.: Desch 1973 [1946], S. 100]
Zitationshilfe
„marschieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/marschieren>.

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