materiell

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungma-te-ri-ell
HerkunftLatein
WortzerlegungMaterie-ell
Wortbildung mit ›materiell‹ als Erstglied: ↗materiellrechtlich  ·  mit ›materiell‹ als Letztglied: ↗immateriell · ↗postmateriell
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
aus Materie bestehend, stofflich, dinglich, außerhalb und unabhängig vom Bewusstsein existierend, nicht geistig
entsprechend der Bedeutung von Materie (Lesart 1)
Beispiele:
das materielle und das geistige Leben, Dasein des Menschen
die materiellen Bedürfnisse, Lebensbedingungen
die materielle Produktion
die Produktion materieller Güter
die Sprache als materielle Hülle des Denkens
Holt gönnte ihm ehrlich und von Herzen die ganze materielle Welt. Aber Schneidereit sollte seine Hände ... von der Universität lassen, von der Welt des Geistes [NollHolt2,461]
2.
das Material betreffend
Beispiele:
der materielle Wert des Armbandes ist gering, es hat mehr Erinnerungswert
der materielle Schaden (= Sachschaden) bei einem Verkehrsunfall
3.
wirtschaftlich, finanziell
Beispiele:
seine materielle Lage verbessern
materielle Vorteile genießen
materielle Sorgen haben
in materieller Not sein
sich in materielle Abhängigkeit von jmdm. befinden
jmdn. materiell unterstützen, an etw. interessieren
Jura die materielle Verantwortlichkeit (= die Pflicht, für einen schuldhaft verursachten Schaden einstehen zu müssen)
Jura materiell verantwortlich, haftbar sein
Die Ehe ist in hohem Grade Gegenstand materieller Spekulation geworden [BebelFrau173]
auf wirtschaftlichen Vorteil bedacht, genusssüchtig
Beispiele:
er ist ein sehr materieller Mensch
sie ist sehr materiell eingestellt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Materie · materiell
Materie f. ‘objektive Realität, stoffliche Substanz, Masseteilchen, Gegenstand, Inhalt, Thema’, mhd. materje, materge ‘Stoff, Körper, Gegenstand, Flüssigkeit im Körper (besonders Eiter)’ ist entlehnt aus lat. māteria ‘Stamm und Schößlinge von Fruchtbäumen und Weinreben, Bauholz, Nutzholz, (Grund)stoff, Aufgabe, Anlage, Ursache’, einer Ableitung von lat. māter ‘Mutter’ (s. ↗Mutter). Materie entwickelt sich in zwei Bedeutungssträngen: einerseits bezeichnet es den ‘Stoff, aus dem etw. gefertigt ist’ (im 18. Jh. abgelöst durch ↗Material, s. d.), andererseits gilt es in der Sprache der Philosophie als die ‘stoffliche Seite eines Naturkörpers’ (14. Jh.), als ‘Möglichkeit des Seins’, das seine Bestimmung erst durch die Form erhält. materiell Adj. ‘die Materie betreffend, stofflich, körperlich, wirtschaftlich’ (18. Jh.), von frz. matériel, entlehnt aus lat. māteriālis ‘zur Materie gehörig’.

Thesaurus

Synonymgruppe
körperlich · materiell · ↗physisch · ↗stofflich

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anreiz Ausstattung Basis Bedürfnis Gut Hilfe Hinsicht Interessiertheit Lebensbedingung Lebensniveau Not Reichtum Ressource Schade Schaden Substrat Unterstützung Vorteil Wiedergutmachung Wohlergehen Wohlstand finanziell formell geistig ideell immateriell kulturell moralisch personell seelisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›materiell‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wer hier einen solchen Wagen zurücklassen konnte, hatte in der Zone zumindest materiell nicht zu leiden.
Die Zeit, 05.10.2009, Nr. 40
Materieller Mangel bestand also nie, das war nicht das Problem.
Süddeutsche Zeitung, 08.05.2004
Sie ist nur unsere Entfaltung, eine materielle Darstellung unseres Wesens.
Sloterdijk, Peter: Kritik der zynischen Vernunft Bd. 1, Frankfurt: Suhrkamp 1983, S. 250
Außerdem läßt sich aber auch die private materielle Unterstützung nicht völlig ausschalten.
Eschenburg, Theodor: Staat und Gesellschaft in Deutschland, Stuttgart: Schwab 1957 [1956], S. 900
Er stellt sich auch die von der allein wahrgenommenen Oberfläche eingeschlossenen Orte materiell erfüllt vor.
Mach, Ernst: Erkenntnis und Irrtum. In: Philosophie von Platon bis Nietzsche, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1905], S. 9630
Zitationshilfe
„materiell“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/materiell>, abgerufen am 21.10.2019.

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