mausen

Grammatik Verb · maust, mauste, hat gemaust
Aussprache  [ˈmaʊ̯zn̩]
Worttrennung mau-sen
Wortbildung  mit ›mausen‹ als Erstglied: Mausehaken · Mauserei

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. [verhüllend, häufig scherzhaft, besonders D-Mittelost ] ⟨jmd. maust (etw.)⟩ (etw. von meist geringem Wert) heimlich an sich nehmen, stehlen
  2. 2. ⟨etw., jmd. maust⟩ besonders von Tieren; Mäuse jagen, töten
  3. 3. [selten] [salopp] ⟨jmd. maust (jmdn.)⟩ mit jmdm. (außerehelichen) Geschlechtsverkehr haben
DWDS-Vollartikel

Bedeutungen

1.
verhüllend, häufig scherzhaft, besonders D-Mittelost jmd. maust (etw.)(etw. von meist geringem Wert) heimlich an sich nehmen, stehlen
Synonym zu mopsen¹, stibitzen
Beispiele:
Dass in Hotels ab und auch gern mal Handtücher gemaust werden, hört man häufig. [Thüringer Allgemeine, 26.10.2018]
Der Siebenjährige Krieg (1756–1763) erforderte einen Baustopp, zumal die Gemeinde ihre liebe Not mit Plünderung, Unwetter und Epidemien sowie Bränden hatte – mal ganz abgesehen davon, dass das [für den Neubau der Kirche vorgesehene] Bauholz gemaust wurde. [Dresdner Neueste Nachrichten, 06.04.2021]
Anja hat mal wieder gemaust[…]. Dieses Mal eine Keksrolle. Sie hat die Süßigkeit im Nachtschrank verstaut und dann allein gegessen. [Thüringer Allgemeine, 03.07.2018]
In Oberbayern wurden mehrere bewaffnete Polizisten an einen Bäckereiladen gerufen, weil ein Dieb eine Butterbrezel gemaust und verzehrt hatte. [Wenn das jeder machen würde …, 07.11.2011, aufgerufen am 07.12.2020]
Vor einer halben Stunde […] hatte die Katze den ganzen Braten vom Tische gemaust und sich mit ihm aus dem Staube gemacht[…]. [Ostwald, Wilhelm: Lebenslinien. Eine Selbstbiographie. In: Simons, Oliver (Hg.): Deutsche Autobiographien 1690–1930. Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1927], S. 49713]
speziellerMit einer »dialogischen Führung« hielt am Sonntag im Kunsthaus ein neues Format Einzug. Die Idee[…] habe man bei der Staatsgalerie Stuttgart gemaust (= abgeschaut, von dort übernommen), man werde sie aber noch besser umsetzen. [Thüringer Allgemeine, 09.03.2020]
übertragenDer FSV [die Mannschaft eines Fußballvereins] maust (= abgewinnen, abluchsen) dem Tabellenführer Punkte [Überschrift] [Leipziger Volkszeitung, 09.05.2001]
2.
etw., jmd. maustbesonders von Tieren   Mäuse jagen, töten
Beispiele:
Hunde, die mausen, können Träger des Fuchsbandwurms sein – Tierärzte sind immer die richtigen Ratgeber für die Behandlung. [Südkurier, 12.07.2019]
»Dass Katzen nach der Kastration weniger mausen oder gar dick werden, ist ein Mythos[…]«, sagt die Verhaltensbiologin Eva Waiblinger. [Luzerner Zeitung, 23.07.2019]
Doch will er nicht ausschliessen, dass die Vögel gezielt oder unbeabsichtigt vergiftet worden sind. Bei Letzterem denkt er an die Möglichkeit, dass jemand mit Gift gemaust hat und die toten Mäuse liegen liess, die dann von den Greifvögeln gefressen wurden. [Basler Zeitung, 25.06.2010]
Ein Fuchs, tatsächlich, ein brandgelber Fuchs mitten unter den Gemsen und mitten im Fels! Ob der es auf die Kitze abgesehen hat? […] Nein, er scheint zu mausen. [Jahrbuch des Schweizer Alpen-Clubs. Zürich: Schweizer Alpen-Club 1967]
3.
selten, salopp jmd. maust (jmdn.)mit jmdm. (außerehelichen) Geschlechtsverkehr haben
siehe auch koitieren (b), schlafen (3)
Beispiele:
Der Junge und das Mädchen hielten Karten in den Händen, und er spielte ein Blatt aus, und sie konterte. Also das hätte es zu meiner Zeit nicht gegeben. Wir hätten bestimmt geknutscht. Und vielleicht sogar gemaust. [Fränkischer Tag, 07.09.2013]
Und während ich von mausetoten Leichen träumte, mauste der Herr Kommissar meine Köchin. Ich konnte es ihm nicht verdenken. Was Andrea anging … Aber die stieg ja auch mit Bernd[…] in die Kiste. [Saarbrücker Zeitung, 30.12.1996]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Maus · mausen
Maus f. Der Name des kleinen grauen Nagetiers ahd. (8. Jh.), mhd. asächs. mnd. afries. aengl. anord. mūs, mnl. muus, nl. muis, engl. mouse, schwed. mus (germ. *mūs-) führt wie aind. mū́ḥ, griech. mȳ́s (μῦς), lat. mūs, aslaw. myšь, russ. myš’ (мышь) auf ie. *mūs ‘Maus’. Der Name wird vielfach vergleichend auf bewegliche Körperteile übertragen; er steht z. B. im Germ., Griech. und Spätlat. auch für ‘Muskel’ (ahd. mhd. mūs, nhd. Maus ‘Muskel’, besonders an Arm, Bein und Daumen, bis etwa 1800, heute noch mundartlich); vgl. ferner aind. muṣkáḥ ‘Hoden’ (eigentlich ‘Mäuschen’) sowie lat. mūsculus (s. Muskel). Ie. *mūs ‘Maus’ gehört wohl (mit gelängter Schwundstufe?) als ‘Stehler(in)’ mit aind. muṣṇā́ti ‘stiehlt, raubt’ zu einer s-Erweiterung der Wurzel ie. *meu-, *meu̯ə- ‘fortschieben’ (wozu lat. movēre ‘bewegen’). (Weniger wahrscheinlich ist Ableitung des genannten Verbs von aind. mū́ḥ.) mausen Vb. ‘stehlen’ (16. Jh.). Zuvor mhd. mūsen ‘Mäuse fangen, stehlend, suchend schleichen, listig sein, betrügen’, zuerst von der mäusefangenden Katze, dann von anderen mäusefangenden Tieren, schließlich auch auf den jagdbarem Wild auflauernden Menschen übertragen.

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) an fremden Sachen vergreifen · (sich) vergreifen (an) · (sich) widerrechtlich aneignen · entwenden · ergaunern  ●  das Bezahlen vergessen  ironisch · stehlen  Hauptform · (einfach) mitnehmen  ugs. · (etwas) organisieren  ugs., verhüllend · (sich etwas) klemmen  ugs. · (sich) (einfach) nehmen  ugs. · (sich) bedienen  ugs., verhüllend, ironisch · (sich) einfach (weg)nehmen (ohne zu bezahlen)  ugs. · böhmisch einkaufen (beleidigend)  derb, österr. · klauen  ugs. · lange Finger machen  ugs. · mausen (verharmlosend)  ugs. · mitgehen lassen  ugs. · mopsen (verharmlosend)  ugs. · polnisch einkaufen (beleidigend)  derb · schnipfen  ugs., österr., bairisch · stibitzen (verharmlosend)  ugs. · vergessen zu bezahlen  ugs., ironisch, variabel
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›mausen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›mausen‹.

Zitationshilfe
„mausen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/mausen>, abgerufen am 02.12.2021.

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