Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

meinen

Grammatik Verb · meint, meinte, hat gemeint
Aussprache 
Worttrennung mei-nen
Wortbildung  mit ›meinen‹ als Erstglied: Meinung  ·  mit ›meinen‹ als Letztglied: ernst meinen · mitmeinen  ·  mit ›meinen‹ als Binnenglied: wohlmeinend  ·  mit ›meinen‹ als Grundform: vermeinen  ·  formal verwandt mit: gut gemeint · gutgemeint · wohlgemeint
eWDG

Bedeutungen

1.
einen bestimmten Standpunkt einnehmen, der Ansicht sein
Beispiele:
ich meine, er hat recht
ich meine: So geht es nicht
ich meine so: …
Vater meint, du solltest dich anders verhalten
ich meine, dass er das selbst beurteilen sollte
was meinst du (dazu)?
das meine ich auch!
er sagt, was er meint (= denkt)
meinen Sie das im Ernst, allen Ernstes?
das will ich meinen! (= davon bin ich überzeugt!)
wenn du meinst (= willst), gehen wir
ganz wie Sie meinen! (= wie Sie wollen!)
bitte, wenn Sie meinen! (= wenn Sie auf Ihrer Ansicht bestehen!)
umgangssprachlich ich meine nur so (= ich erwäge das, habe solche Gedanken)
Beispiel:
»Wir sollten verreisen, sagtest du?« »Nun, ich meine nur so«
etw. annehmen, vermuten, glauben
Beispiele:
ich meinte, die Sache hätte sich erledigt
meinst du, du kannst, könntest ihm helfen?
er meinte, ihm helfen zu können
du meinst wohl, ich habe, hätte Angst?
nicht, dass du meinst, ich hätte Angst
man könnte, möchte meinen, er schliefe
man sollte meinen, er hätte genug, aber er sammelt noch immer
er meint Wunder, was er kann (= schätzt seine Fähigkeiten zu hoch ein)
ich meinte, ein Geräusch zu hören
man meint, man wäre weit weg von der Stadt
Er muß gemeint haben, du kämst nicht [ BrechtGuter MenschVorsp.]
2.
jmdn., etw. meinenjmdn., etw. (bei seinem Tun, Reden) im Sinn, im Auge haben
Beispiele:
ich meine dich
du bist gemeint
nein, ich meinte Ihren Freund
ich meine nicht den weißen, sondern den grünen Mantel
du missverstehst ihn, er meint etwas ganz anderes
er meint schon das Richtige, den Richtigen
er meint »ja«, wenn er »nein« sagt
ich meine das wörtlich
etw. ist für jmdn. gemeint (= etw. ist jmdm. zugedacht)
Beispiele:
der Apfel war für dich, deine Schwester gemeint
was meinen Sie damit? (= was wollen Sie damit sagen, andeuten?)
so war das nicht gemeint! (= das lag nicht in meiner Absicht!)
du weißt schon, wie es gemeint war
er hat es doch nicht so (= nicht böse) gemeint
er hat es gut gemeint
Grammatik: mit unpersönlichem »es«
Beispiel:
es ehrlich, ernst meinen (= ehrliche, ernsthafte Absichten haben)
es gut mit jmdm. meinen (= jmds. Bestes wollen, jmdm. wohlwollen)
Beispiel:
er hilft dir, wo er kann, er meint es gut mit dir
umgangssprachlich, scherzhaft jmd. hat es zu gut (mit jmdm.) gemeint (= jmd. hat zu viel des Guten getan)
Beispiele:
der Tee ist sehr süß, du hast es zu gut gemeint
das kann ich nicht alles essen, du hast es zu gut (mit mir) gemeint (= hast mir zu viel gegeben)
die Sonne meint es gut (= scheint kräftig)
das Wetter meint es gut (mit uns) (= ist schön)
3.
etw. sagen, bemerken
Beispiele:
»Gut so«, meinte er
»Wenn es so ist«, meinte er, »gehen wir«
wie meinten Sie eben?
umgangssprachlichwas meinten Sie eben?
»Was für eine Überraschung!« meint sie leise [ KästnerLottchen167]
4.
selten etw. bedeuten, aussagen
Beispiel:
Ein Satz ist nur sinnvoll, wenn er sachlich etwas meint [ SnellAufbau d. Sprache76]
5.
schweizerisch sich meinen (= sich brüsten, sich etw. einbilden)
Beispiel:
er meint sich nicht wenig in seiner neuen Würde
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat A2.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

meinen · Meinung · vermeinen · vermeintlich
meinen Vb. ‘eine bestimmte Ansicht haben, annehmen, denken’, ahd. meinen (8. Jh.), mhd. meinen ‘sinnen, (nach)denken, seine Gedanken auf etw. richten, (feindlich oder freundlich) gesinnt sein, einem etw. angenehm machen’, asächs. mēnian, mnd. mēnen, mnl. mēnen, mienen, meinen, nl. menen, afries. mēna, aengl. mǣnan, auch ‘klagen’, engl. to mean (germ. *mainjan) sind verwandt mit air. mīan ‘Wunsch, Verlangen’, aslaw. měniti ‘meinen, glauben, erwähnen, halten für’, poln. mienić ‘meinen, glauben’. Erschließbar ist ie. *mein-, *moin- ‘Meinung, Absicht, meinen’. Die Bedeutung ‘seine Gedanken auf etw. richten, (freundlich) gesinnt sein’ entwickelt sich im Mhd. weiter zu ‘lieben’, die in Prosatexten bis ins 17. Jh., in der gereimten Dichtung bis ins 19. Jh. (Freiheit, die ich meine, Schenkendorf) bewahrt wird. Meinung f. ‘Ansicht, Gesinnung’, ahd. meinunga (um 1000), mhd. meinunge ‘Sinn, Bedeutung, Gedanke, Gesinnung, Absicht, freundliche Gesinnung, Liebe’. vermeinen Vb. ‘(fälschlich) annehmen’, ahd. firmeinen ‘darlegen, beweisen’ (9. Jh.), mhd. vermeinen ‘denken, wollen, hoffen, zudenken, zurückweisen’. vermeintlich Adj. ‘(irrtümlich) angenommen, angeblich’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(von etwas) ausgehen · annehmen · denken · erwarten · glauben · meinen · mutmaßen · vermuten  ●  tippen auf  fig. · schätzen  ugs. · zu wissen glauben  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) einbilden · glauben · meinen
Synonymgruppe
(der) Meinung sein · (es) für richtig halten · (etwas) so sehen (dass) · der Ansicht sein · der Überzeugung sein · glauben (dass) · meinen (dass) · zu wissen glauben · überzeugt (sein)  ●  dafürhalten  geh.
Assoziationen
  • der festen Überzeugung · felsenfest überzeugt (von) · fest glauben (an)  ●  durchdrungen sein von dem Glauben (an)  geh.
  • (sich) absolut sicher sein (in/dass) · Stein und Bein schwören (können) · felsenfest überzeugt sein von · ich könnte schwören, dass · nicht den Schatten eines Zweifels haben (dass) · nicht den geringsten Zweifel haben (an/dass) · nicht den kleinsten Zweifel haben (an) · nicht den mindesten Zweifel hegen (an)
  • (von etwas) ausgehen · annehmen · denken · erwarten · glauben · meinen · mutmaßen · vermuten  ●  tippen auf  fig. · schätzen  ugs. · zu wissen glauben  geh.
Synonymgruppe
bedeuten · besagen · meinen · schließen lassen auf  ●  (etwas) heißen  ugs.

Typische Verbindungen zu ›meinen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›meinen‹.

Verwendungsbeispiele für ›meinen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich meinte, darauf wegen anderer Verpflichtungen nicht eingehen zu können. [Brandt, Willy: Erinnerungen, Berlin: Ullstein 1997 [1989], S. 179]
Nun ist das keineswegs so gemeint, daß wir uns den ganzen Tag nur noch beobachten sollten, um Fehler an uns zu entdecken. [Giesder, Gabriele: Gutes Benehmen, Düsseldorf: Econ-Taschenbuch-Verl. 1991 [1986], S. 12]
Aber wenn von Sicherheit gesprochen wird, so ist damit mehr gemeint. [Giersch, Herbert: Allgemeine Wirtschaftspolitik, Wiesbaden: Gabler 1960, S. 75]
Wer nur die Worte der Stoa hört, könnte das tatsächlich meinen. [Hirschberger, Johannes: Geschichte der Philosophie, Bd. 1: Altertum und Mittelalter. In: Mathias Bertram (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1948], S. 2912]
Damit habe ich gemeint, daß ich keinen Chef mehr über mir dulden wollte. [Der Spiegel, 05.01.1998]
Zitationshilfe
„meinen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/meinen>.

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