merkwürdig
GrammatikAdjektiv · Komparativ: merkwürdiger · Superlativ: am merkwürdigsten
Aussprache
Worttrennungmerk-wür-dig
Wortzerlegungmerkenwürdig
Wortbildung mit ›merkwürdig‹ als Erstglied: ↗Merkwürdigkeit · ↗merkwürdigerweise
DWDS-Vollartikel, 2016

Bedeutung

durch Abweichung vom Gewöhnlichen oder Erwartbaren (spontan) Aufmerksamkeit, Erstaunen oder leichtes Misstrauen erregend
Synonym zu seltsam
Beispiele:
Ein Schüler wurde durch merkwürdige Kratzgeräusche aufmerksam, schaute aus dem Fenster und sah gerade noch, wie der rote Renault […] die hintere Stoßstange des blauen Opels […] touchierte […]. [Potsdamer Neueste Nachrichten, 19.03.2005]
Beim Begräbnis fiel mir eine zugeschminkte Wunde an seinem [der Leiche] Nasenrücken auf. Das […] kam mir merkwürdig vor, und ich wurde misstrauisch und habe angefangen zu recherchieren. [Spiegel, 30.09.2015 (online)]
Sie [die Piloten] hatten […] im Cockpit einen merkwürdigen Geruch bemerkt […]. [Die Zeit, 05.12.2013 (online)]
Herr P […] benimmt sich […] äusserst merkwürdig. Oder ist es etwa normal, dass jemand […] vor dem Schlafengehen seinen Hausschlüssel in einen Eimer mit Wasser legt? [Neue Zürcher Zeitung, 24.06.2013]
Seit 1979 zerbrachen sich die Wissenschaftler über diese merkwürdige Abweichung [von der erwarteten Geschwindigkeit] den Kopf und fanden dennoch keine Erklärung [dafür] […]. [Spiegel, 12.06.2013 (online)]
Das älteste, das höchste, das merkwürdigste und ungewöhnlichste Gebäude hat immer gute Aussichten, zum Stadt-Logo zu werden. [Der Standard, 09.09.2002]
Es sei […] wichtig, daß die Leute durch die Berichterstattung über Milzbrandfälle […] mißtrauisch geworden sind gegenüber merkwürdigen Briefen oder pulvrigen Substanzen in Briefen. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.10.2001]
[…] die [Buch-]Autorin liebt […] alles, was irgendwie merkwürdig, erstaunlich, eigentümlich ist. Unter ihrem Blick wird das Altbekannte beobachtens- und nachdenkenswert. [Süddeutsche Zeitung, 15.04.1995]
Am Wege ziehen die merkwürdigsten Blumen und Pflanzen die Aufmerksamkeit an sich. [Die Zeit, 20.01.1949, Nr. 03]
Kollokationen:
als Adjektivattribut: merkwürdige Dinge, Umstände, Geräusche, Menschen, Gestalten; ein merkwürdiger Zufall, Vorgang, Kontrast; eine merkwürdige Geschichte, Situation, Sache, Erfahrung; ein merkwürdiges Gefühl, Phänomen, Gebilde
mit Adverbialbestimmung: sehr, höchst, äußerst, überaus, ganz merkwürdig; irgendwie, einigermaßen, recht, ziemlich merkwürdig
als Adverbialbestimmung: jmd. findet etw. merkwürdig; etw. kommt jmdm. merkwürdig vor, berührt (jmdn.) merkwürdig; etw. sieht merkwürdig aus, ist merkwürdig geformt; etw. fühlt sich merkwürdig an, riecht merkwürdig; jmd. benimmt, verhält sich merkwürdig
in Koordination: merkwürdig und seltsam, ungewöhnlich, fremd, skurril, unheimlich; merkwürdig und bemerkenswert, interessant, überraschend
verhüllend, abwertend wegen einer von der üblichen Norm oder den eigenen Maßstäben abweichenden Art und Weise Zweifel, Skepsis oder Ablehnung hervorrufend
Beispiele:
D […] bezeichnete es als »merkwürdig und völlig unüblich«, dass mit dem Bau der Fabrik vor dem Abschluss der Finanzierung begonnen wurde. [Der Tagesspiegel, 03.03.2004]
Dass sich nun der Stadtrat allen Ernstes überlegt, ob er vor das Verwaltungsgericht ziehen […] will, ist kleinkariert […] und zeugt von einem merkwürdigen Demokratieverständnis. [Neue Zürcher Zeitung, 15.12.2012]
Aber die stellenweise merkwürdige Logik der Beschilderung[…]: hundert Meter lange Beschränkungen der Höchstgeschwindigkeit, gefolgt von ebenso kurzen Erhöhungen, von 100 auf 60 km/h und wieder auf 80 […]. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.04.2002]
Nur mit großer Verwunderung kann ich das merkwürdige und für mich unwürdige Verhalten der EU-14 gegenüber ihrem Partner Österreich zur Kenntnis nehmen. [Die Welt, 16.03.2000]
Eine merkwürdige Begründung [für ein milderes Gerichtsurteil]. Einerseits soll B […] ein unbelehrbarer Terrorist gewesen […]. Andererseits stellt ihn das Gericht als Verführten dar, als labilen Charakter kraft sozialer Umstände […]. [Die Zeit, 11.05.1984, Nr. 20]
Normalerweise seien Banken jedem Risiko abhold, und es mute daher merkwürdig an, daß die Banken Millionensummen ausgerechnet in das notorisch unsichere und risokoreiche Filmgeschäft investierten […]. [Der Spiegel, 11.06.1958, Nr. 24]
Kollokationen:
in Koordination: merkwürdig und widersprüchlich
als Adjektivattribut: ein merkwürdiger Widerspruch; eine merkwürdige Vorstellung, Idee, Logik, Diskrepanz; ein merkwürdiges Verhalten, Demokratieverständnis, Missverhältnis; merkwürdige Sitten, Allianzen; eine merkwürdige Art [etw. zu tun]; auf eine merkwürdige Weise [etw. tun]
als Prädikativ: die Begründung, Reaktion, der Umgang [mit etw.] ist merkwürdig
als Adverbialbestimmung: etw. wirkt, klingt, erscheint merkwürdig; etw. mutet merkwürdig an, nimmt sich merkwürdig aus
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

merken · merklich · merkwürdig · Merkwürdigkeit · anmerken · Anmerkung · aufmerken · aufmerksam · Aufmerksamkeit · bemerken · Bemerkung · vermerken · Vermerk
merken Vb. ‘wahrnehmen, entdecken, spüren, mit dem Verstand auffassen und im Gedächtnis festhalten’, ahd. merken ‘bezeichnen, angeben, abgrenzen’ (11. Jh.), mhd. merken ‘beachten, beobachten, wahrnehmen, sich einprägen, mit einem Zeichen versehen’, asächs. merkian, mnd. mnl. nl. merken ‘markieren, bezeichnen, spüren’, anord. merkja ‘kenntlich machen, bezeichnen’, schwed. märka (germ. *markjan) sind abgeleitet von den unter ↗Marke f. (s. d.) angeführten neutralen Substantiven. Ebenfalls dazu sind gebildet ahd. markōn ‘begrenzen, kennzeichnen’ (um 800), asächs. markon ‘bestimmen, bemerken’, aengl. mearcian ‘bezeichnen’, engl. to mark, anord. marka ‘kennzeichnen, bekanntmachen, verstehen’. Als Ausgangsbedeutung ist anzusetzen ‘mit einem Zeichen versehen’, woraus ‘das Gekennzeichnete wahrnehmen und beachten’. merklich Adj. ‘deutlich, wahrnehmbar’, mhd. merklich ‘wohl zu beachten, bemerkbar, deutlich, bedeutend, wichtig’. merkwürdig Adj. ‘seltsam, verwunderlich’ (19. Jh.), ‘bemerkenswert, bedeutsam’ (17. Jh.); Merkwürdigkeit f. (18. Jh.). anmerken Vb. ‘eine (ergänzende) Bemerkung machen, anzeichnen, be-, vermerken’ (16. Jh.); vgl. ahd. anamerken (9./10. Jh.), mhd. anemerken ‘angrenzen’; Anmerkung f. ‘Vermerk, (kurze) Erläuterung’ (15. Jh.), auch ‘Fußnote’ (17. Jh.), nach lat. observātio ‘Wahrnehmung, Beobachtung’. aufmerken Vb. ‘seine Gedanken konzentriert auf etw. richten, aufpassen’ (15. Jh.); aufmerksam Adj. ‘gut aufpassend, konzentriert folgend, höflich’ (17. Jh.); Aufmerksamkeit f. (17. Jh.). bemerken Vb. ‘wahrnehmen, ergänzen, seine Meinung zu etw. äußern’, ahd. bimerken ‘aufzeichnen, kennzeichnen’ (11. Jh.), mhd. bemerken ‘beobachten, prüfen’; Bemerkung f. ‘kurze Meinungsäußerung zu etw., Wahrnehmung, Beobachtung’ (17. Jh.). vermerken Vb. ‘notieren, merken’, spätmhd. vermerken ‘(be)merken, gewahr werden’; Vermerk m. ‘Notiz, Eintragung’, älter ‘Bemerkung’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
absonderlich · ↗eigenartig · ↗kauzig · merkwürdig · ↗schrullenhaft · ↗schrullig · ↗schräg · ↗skurril · ↗sonderbar · ↗speziell · ↗spinnert · ↗spleenig · ↗ungewöhnlich · ↗verschroben · wie man ihn nicht alle Tage trifft · ↗wunderlich · ↗überspannt  ●  ↗abgedreht  ugs.
Assoziationen
  • aberwitzig · ↗absurd · befremdend · ↗befremdlich · ↗bizarr · ↗eigenartig · ↗eigentümlich · ↗eigenwillig · ↗grotesk · ↗komisch · ↗kurios · ↗lächerlich · merkwürdig · ↗schräg · ↗skurril · ↗sonderbar · ↗ungewöhnlich · ↗verquer  ●  ↗abgedreht  ugs. · ↗abstrus  geh. · fällt aus dem Rahmen  ugs.
  • (künstlich) aufgeregt · ↗dandyhaft · ↗exaltiert · ↗extravagant · ↗exzentrisch · ↗snobistisch · ↗überspannt  ●  ↗verstiegen  geh. · überdreht  ugs. · ↗überkandidelt  ugs.
  • leicht verrückt sein · mit jemandem ist kein vernünftiges Wort zu reden · nicht ganz bei Verstand sein · seine fünf Sinne nicht beieinander haben  ●  einen kleinen Mann im Ohr haben  fig., veraltend · ↗spinnen  Hauptform · (en) Pinn im Kopp haben  ugs., norddeutsch · (jemandem haben sie) ins Gehirn geschissen  derb · (jemandem) geht's wohl nicht gut  ugs. · (wohl) einen Sonnenstich haben  ugs., fig. · den Schuss nicht gehört haben  ugs., fig. · die Kappe kaputt haben  ugs. · eine Meise haben  ugs. · eine Schraube locker haben  ugs. · einen Dachschaden haben  ugs., fig. · einen Hammer haben  ugs. · einen Haschmich haben  ugs. · einen Hau weg haben  ugs. · einen Knacks weghaben  ugs. · einen Knall haben  ugs. · einen Piep haben  ugs. · einen Piepmatz haben  ugs., fig. · einen Schaden haben  ugs. · einen Schatten haben  ugs. · einen Schlag haben  ugs. · einen Schlag weg haben  ugs. · einen Sockenschuss haben  ugs. · einen Spleen haben  ugs. · einen Sprung in der Schüssel haben  ugs., fig. · einen Triller unterm Pony haben  ugs., scherzhaft · einen Vogel haben  ugs., fig. · einen an der Klatsche haben  ugs. · einen an der Mütze haben  ugs. · einen an der Waffel haben  ugs. · einen feuchten / nassen Hut aufhaben  ugs., fig. · einen weichen Keks haben  ugs. · gaga sein  ugs. · nicht alle Latten am Zaun haben  ugs., fig. · nicht alle Tassen im Schrank haben  ugs., fig. · nicht ganz bei Trost sein  ugs. · nicht ganz dicht sein  ugs. · nicht ganz frisch in der Birne (sein)  ugs. · nicht ganz richtig im Hinterstübchen sein  ugs. · nicht ganz richtig im Kopf sein  ugs. · nicht ganz sauber ticken  ugs. · nicht richtig ticken  ugs. · sie nicht alle haben  ugs. · verpeilt sein  ugs. · verstrahlt sein  derb · weiß nicht, was er daherredet  ugs.
  • (ausgefallener, besonderer) Mensch · ↗Freak · Mensch, wie man ihn nicht alle Tage trifft · ↗Sonderling · ↗Unikum · ↗Wunderling · bizarre Person · merkwürdiger Zeitgenosse · schrille Person · seltsamer Patron · skurriler Typ · sonderbarer Zeitgenosse · uriger Typ · verrückte Person  ●  ungewöhnlicher Mensch  Hauptform · ↗Kauz  ugs., fig. · ↗Original  ugs. · ↗Type  ugs. · ↗Urvieh  ugs. · ↗Vogel  ugs., fig. · bunter Vogel  ugs. · irrer Typ  ugs. · komischer Heiliger  ugs. · komischer Kauz  ugs. · komischer Vogel  ugs. · schrille Schraube  ugs., weibl. · schrille Type  ugs. · schräger Fürst  ugs., scherzhaft · schräger Typ  ugs. · schräger Vogel  ugs. · seltsame Type  ugs. · seltsamer Heiliger  ugs. · seltsamer Kauz  ugs. · verrücktes Huhn  ugs., weibl., fig.
  • Angewohnheit · ↗Caprice · ↗Eigenart · ↗Eigenheit · ↗Kaprice · ↗Marotte · ↗Schrulle · ↗Spleen · ↗Tick  ●  ↗Grille  veraltend · ↗Kaprize  österr. · Allüren  geh. · ↗Fimmel  ugs. · ↗Macke  ugs. · ↗Tic  geh.
  • Fieberträume · ↗Phantasterei (häufig Plur.) · blühender Unsinn · der reinen Phantasie entsprungen · wilde Phantasien
  • eigenwillig · unangepasst · ↗unbequem · ↗ungewohnt · ↗ungewöhnlich · ↗unkonventionell · ↗unorthodox · ↗unvertraut · ↗unüblich · wie man ihn nicht alle Tage trifft  ●  ↗kantig  fig. · mit Ecken und Kanten  fig. · ↗sperrig  fig.
  • (total) von der Rolle · (wohl) mit dem Klammerbeutel gepudert (worden) sein · ↗geistesgestört · ↗geisteskrank · geistig umnachtet · ↗psychotisch · unter Wahnvorstellungen leidend · ↗unzurechnungsfähig · ↗verrückt (geworden) · ↗wahnsinnig  ●  (ein) Ei am Wandern haben  derb, regional · (einen) Sprung in der Schüssel haben  ugs., fig. · ↗(total) durchgeknallt  ugs. · ballaballa  ugs. · ↗bekloppt  ugs. · durch den Wind  ugs. · durchgedreht  ugs. · einen Huscher haben  ugs. · ↗gaga  ugs. · ↗irre  ugs. · ↗irrsinnig  ugs. · ↗jeck  ugs., kölsch · narrisch  ugs., bair. · nasch  ugs., bair. · neben der Spur  ugs. · nicht (mehr) alle Tassen im Schrank haben  ugs., fig. · nicht ganz dicht  ugs. · von Sinnen  geh., veraltet, literarisch
  • extravagant · ↗verstiegen · ↗überspannt
  • leicht verrückt  ●  ↗abgedreht  ugs., Jargon · abgespaced  ugs. · abgespact  ugs., Jargon · ausgeflippt  ugs. · ↗crazy  ugs. · ↗flippig  ugs. · ↗irre  ugs. · narrisch  ugs., bair. · nasch  ugs., bair. · ↗schräg  ugs. · ↗spinnert  ugs. · ↗verdreht  ugs.
Synonymgruppe
aberwitzig · ↗absurd · befremdend · ↗befremdlich · ↗bizarr · ↗eigenartig · ↗eigentümlich · ↗eigenwillig · ↗grotesk · ↗komisch · ↗kurios · ↗lächerlich · merkwürdig · ↗schräg · ↗skurril · ↗sonderbar · ↗ungewöhnlich · ↗verquer  ●  ↗abgedreht  ugs. · ↗abstrus  geh. · fällt aus dem Rahmen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
außergewöhnlich · ↗eigenartig · ↗eigentümlich · ↗komisch · merkwürdig · ↗obskur · ↗sonderbar · ↗ungewöhnlich · ↗wunderlich  ●  ↗seltsam (unerklärlich)  Hauptform · (ein) eigen Ding  geh., veraltend · ↗ominös  geh.
Assoziationen
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Begebenheiten Blüten Demokratieverständnis Dinge Diskrepanz Erscheinung Gebilde Gefühl Geräusche Gestalten Koinzidenz Kontrast Mischung Phänomen Umständen Verhalten Vorgang Weise Widerspruch Zufall Zusammentreffen Zwitter anmutenden anmutet berührt höchst klingt sehr vorkommt äußerst

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›merkwürdig‹.

Zitationshilfe
„merkwürdig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/merkwürdig>, abgerufen am 26.02.2018.

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