missbrauchen

Grammatik Verb · missbraucht, missbrauchte, hat missbraucht
Aussprache  [mɪsˈbʀaʊ̯χn̩]
Worttrennung miss-brau-chen
Wortzerlegung miss-brauchen
Ungültige Schreibung mißbrauchen
Rechtschreibregeln § 2
Wortbildung  mit ›missbrauchen‹ als Grundform: ↗Missbrauch
eWDG und DWDS

Bedeutungen

1.
etw. (absichtlich) falsch, in übertriebenem Maße oder unerlaubt gebrauchen
Beispiele:
seine Macht, sein Amt (zum persönlichen Vorteil) missbrauchen
jmds. Namen missbrauchen
das oft missbrauchte Wort ›Liebe‹
er hat unser Vertrauen, meine Offenheit, Geduld schmählich missbraucht
jmdn. missbrauchen
Beispiele:
dazu lasse ich mich nicht missbrauchen!
das Andenken […] dieser armen, mißbrauchten, gefallenen Helden [ RemarqueSchwarzer Obelisk137]
2.
sexuelle Handlungen an einer widerstandsunfähigen Person, besonders an einem Kind, vollziehen, unabhängig von deren möglicher ZustimmungDWDS
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: (jmdn.) sexuell, jahrelang, brutal missbrauchen
Beispiele:
Doch täglich sind sie [Strafgefangene in den USA] der Gefahr ausgesetzt, vergewaltigt, mißbraucht, geschlagen und sogar ermordet zu werden. [Berliner Zeitung, 09.04.1977]
Der Lebensgefährte der Mutter soll das Kind missbraucht und Fotos davon im Darknet veröffentlicht haben. [Der Spiegel, 28.11.2017 (online)]
Am Samstag[…] wurde der neunjährige Junge […] von dem 31‑Jährigen sexuell missbraucht. [Metropolregion München, 30.10.2016, aufgerufen am 16.09.2017]
Eine Gruppe junger Männer missbraucht eine 14‑Jährige vor laufender Kamera, legt die Bewusstlose bei Eiseskälte in einen Hamburger Hinterhof. [inFranken.de, 21.10.2016, aufgerufen am 15.09.2017]
Da kann es schon passieren, daß der ahnungslose Probant offen zugibt, gern in säuerliche Äpfel zu beißen, und daraufhin erklärt bekommt, daß er als Kind sexuell mißbraucht worden sei […]. [Kellner, Hedwig: Das geheime Wissen der Personalchefs, Frankfurt a. M.: Eichborn 1998, S. 38]

letzte Änderung:

Zum Originalartikel des WDG gelangen Sie hier.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

brauchen · Brauch · Brauchtum · brauchbar · Brauchbarkeit · gebrauchen · Gebrauch · mißbrauchen · Mißbrauch · verbrauchen · Verbrauch · Verbraucher
brauchen Vb. ‘nötig haben’, ahd. brūhhan, brūhhen ‘genießen, nutzen, ausüben’ (8. Jh.), mhd. brūchen, asächs. brūkan, mnl. brūken ‘brauchen, genießen’, afries. brūka ‘nötig haben’, aengl. brūcan ‘nützlichen Anteil haben’, engl. to brook ‘gebrauchen’, got. brūkjan ‘genießen, sich erfreuen, gebrauchen’ (germ. *brūk-) zeigen unterschiedliche Flexionsweisen (stark im Aengl., schwach im Got., sonst starke Präsens- und schwache Präteritalformen). Verwandtschaftlich nahe steht wohl lat. fruī ‘genießen, Nutzen ziehen’ und frūx, frūctus (s. ↗Frucht). Das nur aus dem Germ. und Ital. zu erschließende ie. *bhrūg- ‘Frucht, genießen, gebrauchen’ ist vielleicht Gutturalerweiterung des in ↗Brosame (s. d.) und seinen Verwandten mit s-Erweiterung vorliegenden ie. *bhrē̌u-, *bhrū̌- ‘abschaben, abstreifen, zerschlagen, zerbrechen’ (zur Wurzel ie. *bher- ‘mit einem scharfen oder spitzen Werkzeug bearbeiten, schneiden’). Für ie. *bhrūg- könnte daher eine älteste Bedeutung ‘sich Früchte zum Genuß abbrechen oder abstreifen’ erschlossen werden. Die semantische Entwicklung des dt. Verbs führt von ‘nützlichen Anteil haben, genießen’ über ‘nutzen, gebrauchen’ zu seit dem 17. Jh. üblichem ‘nötig haben’. Brauch m. ‘Gewohnheit, Sitte’, ahd. brūh (10./11. Jh.), mhd. brūch. Brauchtum n. ‘volkstümliche Sitten und Gebräuche’ (20. Jh.). brauchbar Adj. ‘geeignet’, spätmhd. brūchbar; dazu Brauchbarkeit f. (18. Jh.). gebrauchen Vb. ‘benutzen, verwenden’, ahd. gibrūhhan, gibrūhhen (11. Jh.), mhd. gebrūchen; Gebrauch m. ‘Verwendung’, mhd. gebrūch. mißbrauchen Vb. ‘in unstatthafter Weise gebrauchen’, ahd. missabrūhhan (9. Jh.), mhd. missebrūchen (s. ↗miß-); Mißbrauch m. (16. Jh.; vgl. ahd. missibrūhhida, 9. Jh.). verbrauchen Vb. ‘völlig verwenden, abnutzen, verschleißen’, ahd. firbrūhhen (10./11. Jh.), mhd. verbrūchen; Verbrauch m. (18. Jh.); Verbraucher m. (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
malträtieren · missbrauchen · ↗misshandeln · schlecht behandeln
Synonymgruppe
ausnutzen (zu) · ↗ausnützen · missbräuchlich verwenden · nicht bestimmungsgemäß gebrauchen · ↗zweckentfremden  ●  ↗(jemanden) (nur) benutzen  negativ · missbrauchen (für)  negativ · schamlos ausbeuten  abwertend · ↗(mit jemandem/etwas) Schindluder treiben  ugs., abwertend
Assoziationen
  • ohne Bedenken · ohne Hemmungen · ↗schamlos · ↗ungeniert
  • (für seine Zwecke) nutzen · (für seine Zwecke) zu nutzen verstehen · (seinen) Nutzen ziehen (aus) · (sich etwas) zu Nutze machen · (sich etwas) zunutze machen · Gebrauch machen (von) · Kapital schlagen (aus) · Vorteil ziehen (aus) · ↗ausbeuten · ↗ausnutzen · ↗ausnützen · ↗ausschlachten · für seine Zwecke nutzen · für sich nutzen · ↗instrumentalisieren · ↗nutzen  ●  (aus etwas) Kapital schlagen  fig. · ↗(etwas) ausschlachten  fig. · Honig saugen (aus)  geh., fig.
  • (mit etwas) die Absicht verfolgen (dass) · (nur) dazu dienen, dass · jemand will (mit etwas) erreichen, dass  ●  (nur ein) Mittel zum Zweck (sein)  Hauptform · bloßes Mittel zum Zweck (sein)  Hauptform
Synonymgruppe
(sich) vergehen an · (sich) vergreifen an · Notzucht verüben (an) · missbrauchen · zum Sex zwingen  ●  ↗notzüchtigen  veraltet · ↗schänden  altertümelnd · ↗vergewaltigen  Hauptform
Oberbegriffe
  • marodieren · sengen und morden · sengen und plündern  ●  sengen und brennen  veraltet
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›missbrauchen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›mißbrauchen‹.

Verwendungsbeispiele für ›missbrauchen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Erstmals soll der Mann das Kind im Alter von zehn Jahren missbraucht haben.
Die Welt, 10.10.2003
In dieser Zeit missbrauchte er Kinder, serienmäßig, eines nach dem anderen.
Der Tagesspiegel, 28.08.2003
Nachdrücklich mahnt er aber auch die Herren, ihr weltliches Regiment nicht zu mißbrauchen.
Franz, G.: Bauernkrieg. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1957], S. 28973
Wir haben ihr Vertrauen nicht zu missbrauchen, sondern wir haben so wie wir erwarten, hier unsere Pflicht zu erfüllen.
o. A.: Eröffnungssitzung des Schleswig-Holsteinischen Provinziallandtages im Kieler Rathaus, 10.04.1933
So wird sie die große Freiheit, die man ihr läßt, kaum je mißbrauchen.
Baudissin, Wolf von u. Baudissin, Eva von: Spemanns goldenes Buch der Sitte. In: Zillig, Werner (Hg.), Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1901], S. 21885
Zitationshilfe
„missbrauchen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/missbrauchen>, abgerufen am 12.04.2021.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Missbrauch
missblicken
Missbilligungsantrag
Missbilligung
missbilligen
Missbraucher
missbräuchlich
Missbrauchopfer
Missbrauchsaufsicht
Missbrauchsfall