mild

GrammatikAdjektiv
Wortbildung mit ›mild‹ als Erstglied: ↗mildherzig · ↗mildtätig  ·  mit ›mild‹ als Letztglied: ↗wundermild
DWDS-Verweisartikel, 2015

Bedeutung

Synonym zu milde
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

mild · Milde · mildern · mildtätig
mild Adj. ‘freundlich, sanft, barmherzig’, ahd. milti ‘gütig, freundlich, freigebig’ (8. Jh.), mhd. milte, milde ‘freundlich, gütig, barmherzig, wohltätig’, asächs. mildi, mnd. mnl. afries. aengl. milde, nl. engl. mild, anord. mildr, schwed. mild, got. -mildeis, germ. *mildi- lassen sich außergerm. vergleichen mit aind. márdhati ‘vernachlässigt, verläßt, gibt preis’ (entwickelt aus ‘wird zerrieben, weich, schlaff, läßt nach’), griech. malthakós (μαλθακός) ‘weich, zart’, málthē (μάλθη) ‘Wachs-, Pechgemisch’ und führen mit diesen auf ie. *meldh-, während die eng verwandten aind. mṛdúḥ ‘weich, zart, mild’, lat. mollis ‘weich, mild, sanft’, aslaw. mladъ ‘jung, zart, sanft, frisch’, russ. molodój (молодой) ‘jung’ ie. *meld- (bzw. *mḷd-) ‘weich’ voraussetzen. Beides sind Dentalerweiterungen der Wurzel ie. *mel(ə)- ‘zermalmen, schlagen, mahlen’ (s. ↗mahlen), wobei für die Adjektivbildungen eine Bedeutungsentwicklung ‘zermahlen, zerrieben’ zu ‘weich, sanft’ anzunehmen ist. Im Germ. erfolgt Übergang zu ‘freundlich’, das als schmückendes Beiwort des weltlichen Herrschers ‘leutselig, edelmütig’ und unter christlichem Einfluß ‘sanftmütig’ ergibt, so daß das Adjektiv als standesgemäße Eigenschaft eines Herrn soviel wie ‘fürsorglich, sorgend, freigebig’ und schließlich auch ‘barmherzig’ bedeuten kann (vgl. milde Gabe). Aus der Gesinnungsbezeichnung ‘gütig, sanft, freundlich’ (im Gegensatz zu ‘streng, hart’) ergibt sich vom 15. Jh. an eine Erweiterung des Anwendungsbereiches, und mild gilt auch vom Klima (mildes Wetter, milde Jahreszeit), von Farben, vom Geschmack (milder Wein) u. dgl. Milde f. ‘Sanftmütigkeit, Freundlichkeit, Nachsicht’, ahd. milta (9. Jh.), mhd. milte, milde ‘Freundlichkeit, Gnade, Barmherzigkeit, Zärtlichkeit, Wohltätigkeit’. mildern Vb. ‘in seiner Wirkung lindern’ (15. Jh.), gegenüber ahd. milten ‘sich erbarmen’ (9. Jh.), mhd. milten, milden ‘mild sein oder werden, mild machen’. mildtätig Adj. ‘freigebig, wohltätig’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
friedlich · ↗glimpflich · ↗harmlos · mild · ↗sanft · ↗weich
Synonymgruppe
friedlich · ↗gutmütig (z.B. Pferd) · mild · ↗sanft · ↗seelenruhig · ↗zahm
Assoziationen
Synonymgruppe
barmherzig · ↗glimpflich · mild · ↗nachsichtig
Assoziationen
  • (etwas) nicht ahnden · (etwas) nicht bestrafen · (jemandem etwas) durchgehen lassen · (jemandem) etwas nachsehen · (jemandem) nicht böse sein (können) · (sich) nachsichtig zeigen · Gnade walten lassen · Milde walten lassen · Nachsicht üben · auf (eine) Bestrafung verzichten · auf (eine) Strafe verzichten · barmherzig sein · gnädig sein · nicht zu streng sein · von einer Bestrafung absehen  ●  Gnade vor Recht ergehen lassen  floskelhaft · beide Augen zudrücken  fig. · dann woll'n wir mal nicht so sein  ugs., Spruch · etwas mit dem Mantel der Nächstenliebe zudecken  ugs., sprichwörtlich
  • (etwas) dulden(d) · ↗duldsam · ↗gütig · ↗tolerant · viel Verständnis haben (für)  ●  ↗nachsichtig  Hauptform · ↗verständnisvoll  Hauptform · ↗gelinde  geh., veraltend · ↗konnivent  geh., bildungssprachlich · milde gestimmt  geh. · ↗permissiv  geh., bildungssprachlich
Synonymgruppe
entgegenkommend · ↗gefällig · ↗gnädig · ↗großherzig · ↗großmütig · ↗gütig · ↗kulant · mild · ↗milde · ↗sanftmütig  ●  ↗wohlwollend  Hauptform · ↗huldvoll (oft ironisch)  geh., veraltend
Assoziationen
Synonymgruppe
lau · ↗lind · mild · mäßig warm
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abendlicht Bestrafung Gabe Herbstsonne Herbstwetter Ironie Jugendstrafrecht Klima Licht Luft Lächeln Meeresluft Nachsicht Sorte Spott Strafe Strafmaß Tadel Temperatur Urteil Wetter Winter Winterwetter Witterung feucht relativ sonnig vergleichsweise verhältnismäßig wolkenreich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›mild‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Hier draußen war die Temperatur etwas milder als in der Stadt.
Glavinic, Thomas: Die Arbeit der Nacht, München Wien: Carl Hanser Verlag 2006, S. 1
Der Bote müht sich, nahezu verzweifelt, diesen Tod in mildes Licht zu rücken.
Süddeutsche Zeitung, 04.06.2003
Mit der voraussichtlich milden Resolution wollen sie ihre Kritiker einbinden.
Der Tagesspiegel, 24.02.2003
Später habe ich noch milder über jene Entscheidung urteilen gelernt.
Ostwald, Wilhelm: Lebenslinien. Eine Selbstbiographie, 3 Teile. In: Simons, Oliver (Hg.), Deutsche Autobiographien 1690 - 1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1927], S. 39464
Die milde Behandlung, die ihm zuteil wird, zeigt, daß ihm seine Untertanen keine Wahl gelassen haben.
Meyer, Eduard: Geschichte des Altertums, Bd. II,1. In: Geschichte des Altertums, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1893], S. 25108
Zitationshilfe
„mild“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/mild>, abgerufen am 24.08.2019.

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