mildern

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungmil-dern (computergeneriert)
Wortbildung mit ›mildern‹ als Erstglied: ↗Milderung  ·  mit ›mildern‹ als Letztglied: ↗abmildern  ·  formal verwandt mit: ↗strafmildernd
eWDG, 1974

Bedeutung

einen starken Sinneseindruck abschwächen, mäßigen, milder machen
a)
Beispiele:
seinen Ton, die Stimme mildern
diese Wand mildert den Lärm kaum
ein frischer Wind mildert die Sonnenglut
einen Anprall, den Stoß mildern
Ach, daß es Wolken gab, die das gnadenlose Licht milderten [KasackStadt568]
Vom Lehmboden drang, durch die dünne Strohschicht kaum gemildert, die Bodenkälte in seinen Rücken [R. BartschGeliebt12]
sich mildern
Beispiel:
in den tieferen Lagen beginnt sich der Frost zu mildern
b)
übertragen etw. dämpfen, abmildern
Beispiele:
die Wirkung, den Eindruck von etw. mildern
etw. mildert jmds. Heftigkeit, Zorn, Erregung
eine Strafe, ein Urteil, eine Bestimmung mildern
diese Textstelle muss noch etwas gemildert werden
mildere deine Ausdrücke!
die Gegensätze konnten auf der Konferenz nicht gemildert werden
jmds. Not, Leid, Schmerz(en) mildern (= lindern)
einem Redner ... mag man mildernde Umstände zubilligen, wenn er nach Aktualität hascht [KlempererLTI207]
sich mildern
Beispiel:
ihre Gesichtszüge milderten sich (= wurden sanfter)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

mild · Milde · mildern · mildtätig
mild Adj. ‘freundlich, sanft, barmherzig’, ahd. milti ‘gütig, freundlich, freigebig’ (8. Jh.), mhd. milte, milde ‘freundlich, gütig, barmherzig, wohltätig’, asächs. mildi, mnd. mnl. afries. aengl. milde, nl. engl. mild, anord. mildr, schwed. mild, got. -mildeis, germ. *mildi- lassen sich außergerm. vergleichen mit aind. márdhati ‘vernachlässigt, verläßt, gibt preis’ (entwickelt aus ‘wird zerrieben, weich, schlaff, läßt nach’), griech. malthakós (μαλθακός) ‘weich, zart’, málthē (μάλθη) ‘Wachs-, Pechgemisch’ und führen mit diesen auf ie. *meldh-, während die eng verwandten aind. mṛdúḥ ‘weich, zart, mild’, lat. mollis ‘weich, mild, sanft’, aslaw. mladъ ‘jung, zart, sanft, frisch’, russ. molodój (молодой) ‘jung’ ie. *meld- (bzw. *mḷd-) ‘weich’ voraussetzen. Beides sind Dentalerweiterungen der Wurzel ie. *mel(ə)- ‘zermalmen, schlagen, mahlen’ (s. ↗mahlen), wobei für die Adjektivbildungen eine Bedeutungsentwicklung ‘zermahlen, zerrieben’ zu ‘weich, sanft’ anzunehmen ist. Im Germ. erfolgt Übergang zu ‘freundlich’, das als schmückendes Beiwort des weltlichen Herrschers ‘leutselig, edelmütig’ und unter christlichem Einfluß ‘sanftmütig’ ergibt, so daß das Adjektiv als standesgemäße Eigenschaft eines Herrn soviel wie ‘fürsorglich, sorgend, freigebig’ und schließlich auch ‘barmherzig’ bedeuten kann (vgl. milde Gabe). Aus der Gesinnungsbezeichnung ‘gütig, sanft, freundlich’ (im Gegensatz zu ‘streng, hart’) ergibt sich vom 15. Jh. an eine Erweiterung des Anwendungsbereiches, und mild gilt auch vom Klima (mildes Wetter, milde Jahreszeit), von Farben, vom Geschmack (milder Wein) u. dgl. Milde f. ‘Sanftmütigkeit, Freundlichkeit, Nachsicht’, ahd. milta (9. Jh.), mhd. milte, milde ‘Freundlichkeit, Gnade, Barmherzigkeit, Zärtlichkeit, Wohltätigkeit’. mildern Vb. ‘in seiner Wirkung lindern’ (15. Jh.), gegenüber ahd. milten ‘sich erbarmen’ (9. Jh.), mhd. milten, milden ‘mild sein oder werden, mild machen’. mildtätig Adj. ‘freigebig, wohltätig’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
abmildern · ↗abschwächen · ↗drosseln · ↗dämpfen · mildern · ↗neutralisieren · ↗schwächen
Synonymgruppe
abschwächen · ↗erleichtern · ↗lindern · mildern · ↗vermindern
Synonymgruppe
besänftigen · mildern

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abhängigkeit Aufprall Auswirkung Entzugserscheinung Finanznot Folge Folgen Härte Kostendruck Leid Leiden Nachteil Progression Schmerz Schock Schrecken Schärfe Spannung Steuerlast Steuerprogression Strafe Strafmaß Strenge Symptom Wettbewerbsnachteil Wucht abmildern allenfalls beseitigen wenigstens

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›mildern‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Beide Male profitierten die Deutschen, und die milderten beide Male die Härte des Gesetzes.
Süddeutsche Zeitung, 27.07.2001
Die Reformen beginnen zu greifen; ihre negativen sozialen Folgen können wir aber nur durch eine Steigerung der Produktion mildern.
Der Spiegel, 24.07.1995
Jetzt mildert die Aufklärung das Schicksal der Juden, sie macht ihnen die Welt bewohnbar.
Die Zeit, 24.03.1967, Nr. 12
Mit magischen Mitteln kann man die Schrecken des Weges mildern.
Adam, A.: Hölle. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1959], S. 6688
Aber dieser Ausdruck milderte sich, verwandelte sich in ein unwillkürliches und darum unbesiegbares Wohlgefallen.
Ebner-Eschenbach, Marie von: Der Herr Hofrat. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1912], S. 11005
Zitationshilfe
„mildern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/mildern>, abgerufen am 18.10.2019.

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