mildtätig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungmild-tä-tig
Wortzerlegungmildtätig
Wortbildung mit ›mildtätig‹ als Erstglied: ↗Mildtätigkeit
eWDG, 1974

Bedeutung

gehoben, veraltend barmherzig, wohltätig
Beispiele:
eine mildtätige Stiftung, Gabe
mildtätige Hilfe, Hände
etw. für mildtätige Zwecke spenden
eine mildtätige Frau
gegen jmdn. mildtätig sein
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

mild · Milde · mildern · mildtätig
mild Adj. ‘freundlich, sanft, barmherzig’, ahd. milti ‘gütig, freundlich, freigebig’ (8. Jh.), mhd. milte, milde ‘freundlich, gütig, barmherzig, wohltätig’, asächs. mildi, mnd. mnl. afries. aengl. milde, nl. engl. mild, anord. mildr, schwed. mild, got. -mildeis, germ. *mildi- lassen sich außergerm. vergleichen mit aind. márdhati ‘vernachlässigt, verläßt, gibt preis’ (entwickelt aus ‘wird zerrieben, weich, schlaff, läßt nach’), griech. malthakós (μαλθακός) ‘weich, zart’, málthē (μάλθη) ‘Wachs-, Pechgemisch’ und führen mit diesen auf ie. *meldh-, während die eng verwandten aind. mṛdúḥ ‘weich, zart, mild’, lat. mollis ‘weich, mild, sanft’, aslaw. mladъ ‘jung, zart, sanft, frisch’, russ. molodój (молодой) ‘jung’ ie. *meld- (bzw. *mḷd-) ‘weich’ voraussetzen. Beides sind Dentalerweiterungen der Wurzel ie. *mel(ə)- ‘zermalmen, schlagen, mahlen’ (s. ↗mahlen), wobei für die Adjektivbildungen eine Bedeutungsentwicklung ‘zermahlen, zerrieben’ zu ‘weich, sanft’ anzunehmen ist. Im Germ. erfolgt Übergang zu ‘freundlich’, das als schmückendes Beiwort des weltlichen Herrschers ‘leutselig, edelmütig’ und unter christlichem Einfluß ‘sanftmütig’ ergibt, so daß das Adjektiv als standesgemäße Eigenschaft eines Herrn soviel wie ‘fürsorglich, sorgend, freigebig’ und schließlich auch ‘barmherzig’ bedeuten kann (vgl. milde Gabe). Aus der Gesinnungsbezeichnung ‘gütig, sanft, freundlich’ (im Gegensatz zu ‘streng, hart’) ergibt sich vom 15. Jh. an eine Erweiterung des Anwendungsbereiches, und mild gilt auch vom Klima (mildes Wetter, milde Jahreszeit), von Farben, vom Geschmack (milder Wein) u. dgl. Milde f. ‘Sanftmütigkeit, Freundlichkeit, Nachsicht’, ahd. milta (9. Jh.), mhd. milte, milde ‘Freundlichkeit, Gnade, Barmherzigkeit, Zärtlichkeit, Wohltätigkeit’. mildern Vb. ‘in seiner Wirkung lindern’ (15. Jh.), gegenüber ahd. milten ‘sich erbarmen’ (9. Jh.), mhd. milten, milden ‘mild sein oder werden, mild machen’. mildtätig Adj. ‘freigebig, wohltätig’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
humanitär · ↗menschenfreundlich · mildtätig · ↗wohltätig

Typische Verbindungen
computergeneriert

Dunkel Einrichtung Gabe Institution Organisation Schwester Spende Spender Stiftung Verein Zweck Zwecke anerkannt fromm gemeinnützig kirchlich kulturell religiös wissenschaftlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›mildtätig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Diese mögen zwar mildtätig sein, verrückt sind sie aber nicht.
Die Welt, 18.07.2005
Anstatt auf ihre unveräußerlichen Rechte zu pochen, sollte sie ihn nur an die konfuzianische Verantwortung erinnern, mildtätig zu handeln.
Die Zeit, 03.05.1996, Nr. 19
Aber an einem andern Tag, der vielleicht noch sehr fern liegt, wird es keine mildtätige Lösung mehr geben.
Wittmann, Reinhard: Geschichte des deutschen Buchhandels. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Geschichte des deutschen Buchwesens, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1991], S. 2340
Dies beruhte auf der keineswegs immer mildtätigen Wirkung des Wassers.
Schuh, Franz: Schreibkräfte, Köln: DuMont 2000, S. 6
Hans Ochsner stand bei den mildtätigen Frauen, kratzte verdrießlich hinterm Ohr.
Kolbenheyer, Erwin Guido: Paracelsus, München: J. F. Lehmanns 1964 [1917], S. 18
Zitationshilfe
„mildtätig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/mildtätig>, abgerufen am 22.11.2019.

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